Foto: Photocase24 Stunden non-stop vor der Glotze - diesem Selbstversuch setzten sich die Grünen-Abgeordneten Fritz Kuhn, Anna Lührmann, Grietje Bettin und Wolfgang Wieland ab Dienstagmorgen um 6:30 Uhr aus. Einen Tag später fühlten sie sich dann "matschig in der Birne", wie Lührmann gegenüber der "Netzeitung" zu Protokoll gab. "Man merkt, dass die Fähigkeit, sich zu artikulieren und klare Gedanken zu fassen, nachlässt", so die 23-Jährige.

Wie nicht anders zu erwarten fand das Nachmittagsprogramm der Privatsender wenig Anklang bei den vier Politikern. Vor allem die Talkshows bezeichnete Lührmann als "krass". Dort würden Leute vorgeführt, die es nicht schaffen, ihre persönlichen Probleme zu lösen. Doch auch die öffentlich-rechtlichen Sender bekommen für ihr Nachmittagsprogramm keine gute Note ausgestellt.

So seien ARD und ZDF tagsüber ebenfalls nur "schwer erträglich" gewesen. "Ich frage mich, warum da viel Geld ausgegeben wird für triviale Soaps und Telenovelas, die aussehen wie bei den Privaten", so Lührmann gegenüber der "Netzeitung". Sie habe von ARD und ZDF eigentlich ein höheres Niveau deutlich mehr Anspruch erwartet.

Den gab es dafür in den Nachrichtensendungen und am Abend. So erntete das ZDF Lob für die Dokumentation über die Waffen-SS, die angesichts der Diskussion um Günter Grass gesendet wurde. Hier merke man schon, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihre Daseinsberechtigung haben. Allerdings war Lührmann auch von den Privatsendern teilweise positiv überrascht. Besonders angetan zeigte sie sich von einem Interview mit dem Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei am frühen Morgen in Sat.1. Auch die Privaten böten teilweise also durchaus einen Informationsgehalt.

Als Fazit nach 24 Stunden TV zog Lührmann, dass man sich vorher genau überlegen müsse, was man sich ansieht. Angesichts dessen forderte sie eine Verbesserung der Medienkompetenz, die insbesondere durch eine bessere Medienerziehung in der Schule gewährleistet werden müsse.