Sicher keine allzu schöne Situation für Fritz Pleitgen, ehemaliger Intendant des WDR und derzeit noch Präsident der European Broadcasting Union (EBU). In seiner derzeitigen Position muss er die Interessen des Zusammenschlusses von 75 Fernseh- und Rundfunkanstalten vertreten. Im Augenblick muss er sich daher mit der ARD auseinandersetzen, die aus der Übertragung der Tour de France aussteigen will und sich nicht an die Verträge, die die EBU mit dem Tourveranstalter ASO geschlossen hat, gebunden fühlt.Pleitgen ist da anderer Meinung. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "In den "EBU Sports Rights Acquisition Rules and Procedures" sagt Paragraph 2: 'Wer ein Gebot abgegeben hat, kann es nicht einseitig zurückziehen, sobald sich die Garantorengruppe gebildet hat.' Nach diesen Regeln hat die ARD der EBU den Auftrag erteilt, auch in ihrem Namen mit der ASO, dem Veranstalter der Tour de France, einen Vertrag auszuhandeln und auf der Basis des Angebots abzuschließen."
Laut Pleitgen bestehe für die ARD derzeit keine Möglichkeit, auf die Tour zu verzichten, ohne den EBU-Vertrag zu akzeptieren. Ausstiegsklauseln gebe es jedoch "reichlich". Über einen Zeitraum von drei Jahren gehe es für die ARD bei den Kosten für die Übertragungsrechte "um gut 20 Millionen Euro", sagte Pleitgen der "SZ". "Dazu könnten Schadensersatzorderungen wegen ausgebliebener Sponsorengelder kommen. Die EBU wird die Summe sicher nicht übernehmen wollen", so Pleitgen weiter.



