"Blasberg!": Where is the beef? - Land der Ideen
Land der Ideen?
Liest Philipp Lahm DWDL.de?
Liest Philipp Lahm DWDL.de?
Kaum schreibe ich von dieser Stelle in der letzten Woche über seltsam verdruckste 30jährige Männer, schon macht einer von denen das Maul auf. Und wird morgen erst 26.
Was er tut ist mutig, kraftvoll, männlich und auch noch richtig.
Dass ausgerechnet Uli Hoeneß, der sich ungerne an Regeln hält, Regeln reklamiert, ist dabei eine fast schon typische Randerscheinung.
Philipp Lahm geht an den Kern allen Übels. DIE IDEE !
Oder besser deren nichtvorhandensein.
Meine Mitarbeiter können den Sermon, der jetzt folgt, schon im Schlaf singen: das Leben folgt immer den gleichen Abläufen:
IDEE – STRATEGIE – KONZEPTION – REALISATION
Im Fußball heißt diese Idee fürs Ganze „System“, in anderen Branchen „Mission“. Die Idee beschreibt das Grundsätzliche. Den Sinn. Amerikanische Manager in den Sechzigern fragten „where is the beef“, in der Werbung hinterfragte man den „reason why“.
Man kann es drehen und wenden wie man will. Nichts und Niemand, schon gar nicht in der Welt der Geschäfte, kommt ohne die Beschreibung der Idee aus.
Fragen Sie sich doch mal selbst:
Wer bin ich. Und/oder: Wer will ich sein.
Diese Frage stellt Philipp Lahm. Und weil Uli Hoeneß für den FC Bayern seit Stefan Effenberg keine Antwort mehr hat , bekommt der Nationalspieler „die höchste Strafe in der Geschichte“ des Clubs; und er würde sein Interview in der SZ noch „bereuen“, was schon nach verdächtig nach Don Corleone klingt.
Typisch aber für die sich selbst verlierende Organisation ist die Verweigerung von Kommunikation. Es werden plötzlich Regeln aufgestellt, die nur für andere gelten.
Das Blöde an dieser verdammten fehlenden Idee ist nämlich, dass man den zweiten Schritt, die Strategie, nicht entwickeln kann. Worauf auch sollte sie gründen.
Also stürzt sich die Operation mit Inbrunst und Verve in die Konzeption (Stufe 3); und sei sie noch so widersinnig.
Das meint Lahm, wenn er sagt, man müsse einen Spieler oder Trainer nicht nur verpflichten, weil er gut sei. Sondern, er muss zur Idee passen. Trist und fehlerhaft, wenn man keine hat.
Kurzum: viele machen in Ermangelung einer Idee den dritten Schritt vor dem ersten. Wenn dann eine wie auch immer geartete Krise kommt, geht die Panik los. Denn bei Sonnenschein klappt es ja trotz allem.
In den letzten Jahren massiert sich dieses Problem grade bei ehedem strahlenden Marken.
Machen wir die Reihe mal auf:
Opel, Quelle, SPD, Karstadt. Jetzt auch die Bayern?... Und, wer weiß, vielleicht fühlt sich auch das ein oder andere Medienunternehmen angesprochen?
Überall Größe, Vergangenheit, Realitätsverlust, hektische Operationen, widerkehrende, unbekannte Niederlagenserien, Zweifel, lauthalses Bejammern über das Versagen anderer (denn die sind ja immer Schuld), Abkehr der Besten, Durchhalteparolen.
Und dann? Na ja, meist kommt dann irgendwann der Ruf nach dem Staat, dem VPRT, der DFL und der schönen alten Zeit.
Und in den Kulissen denken immer mehr: Na und?
Was ist schlimm daran, wenn Bayern nie mehr Meister wird, bis sie sich endlich wieder wie der beste Verein Deutschlands gerieren? Dabei kennt Lahm wie Hoeneß die Idee des FC Bayern: „mir san mir“, wir sind die Besten, die Einzigartigen. Nur handelt Hoeneß seit Jahren nicht mehr so.
Was ist schlimm daran, wenn Bayern nie mehr Meister wird, bis sie sich endlich wieder wie der beste Verein Deutschlands gerieren? Dabei kennt Lahm wie Hoeneß die Idee des FC Bayern: „mir san mir“, wir sind die Besten, die Einzigartigen. Nur handelt Hoeneß seit Jahren nicht mehr so.
Wen stört es, wenn Opel ein Jahrzehnt lang Autos baut, die keiner will. Bis sie frei sind oder tot. Da hilft kein Bejaulen einer Welt, die es nicht mehr gibt.
Warum brauchen wir die SPD, wenn sie sich ihrer Idee berauben lässt und keine neue findet? Im Süden hat sich vor Jahren wegen Sinnlosigkeit die „Democrazia Cristiana“ , die Italien-CDU, aufgelöst. Einfach so. Weg. Und keinen hat es gestört.
Wir brauchen Ideen, die tragen. Das gilt auch für jeden Einzelnen in Organisation und Gesellschaft. Das schreib ich immer und es langweilt mich selbst. Aber die vorgenannten und viele andere Beispiele zeigen, dass Selbstsucht und falsche Agenda, dass Blindheit für Veränderung und Eitelkeit, dass Beharren auf dem Alten und die Angst vor dem Neuen lähmt und lügt.
Denn natürlich hat GM nicht die Aufgabe, alle Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. Es wird aber von den Herren Rüttgers, Beck, Koch und den vielen Ungefragten hinausgeblasen.
Kann sein, dass Lahm keinen Bock mehr hat, weil er denkt, dass Bayern nicht mehr zu helfen ist und seinen Rauswurf provozieren will. Wir sind aber nicht in der Situation, unsere Besten ziehen zu lassen, sondern wir sollten sie pflegen und beschützen und ihnen mehr Raum geben, wenn sie schon den Mut haben, ihre Meinung zu sagen.
Andernfalls gilt ein ein beliebter Spruch aus Todesanzeigen:
„Wenn die Kraft zu Ende geht, ist es kein Sterben mehr. Es ist Erlösung“
Grübelt, denkt, zweifelt, spinnt, träumt und visioniert. Aber bitte mit Mut, Zuversicht und Lautstärke. Tanzt, tanzt, vor allem aus der Reihe.
Diese Woche in Dur:
Tom Ford und Gerard Butler beim GQ-Award
Handwaschbare Sofabezüge
Golden Toast mit Fleischwurst
Gewonnene „Bayern-verlieren-gegen-Bordeaux“-Wetten
...und in Moll:
20 Jahre Mauerfall (und in 5 Jahren genau das Gleiche schon wieder)
GM böse, Magma gut ( so dumm sind wir doch nicht)
Männer, die nicht loslassen können












