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Mittwoch, 11. MŠrz 2009

Wenn die Realität "Bild" nicht schlimm genug ist

Der Amoklauf von Winnenden ist eigentlich schlimm genug. Bei "Bild" bzw. "Bild.de" hilft man allerdings noch ein bisschen nach. Damit sich das Thema richtig schön plakativ verkaufen lässt, hat man nochmal selber nachgelegt und sich im wahrsten Sinne des Wortes ausgemalt, wie es ausgesehen haben muss als Tim K. das Klassenzimmer stürmte.

Weil nun einmal kein Bildmaterial des Amoklaufs selbst vorliegt und "Bild" aber offenbar zu gerne ein Bild hätte, hat man kurzerhand seinen "Bild-Zeichner" rangelassen. Das Ergebnis findet sich seit Mittwochabend bereits auf "Bild.de" - auf einer Unterseite mit der Bild-Unterschrift "So sieht der BILD-Zeichner den Amoklauf in einem der Klassenzimmer". Ob es auch in der gedruckten "Bild"-Ausgabe vom Donnerstag genutzt wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen.

 Amoklauf-Illustraion

Amoklauf-Illustration

 

Die Grafik zum Amoklauf in Winnenden ist übrigens nicht das erste Mal, dass "Bild" bzw. "Bild.de" mit zweifelhaftem Drang zur Kreativität ein dramatisches Thema mit einer Illustration noch etwas dramatischer machte. Im vergangenen Sommer berichteten wir hier im Blog schon über diese Illustration aus der "Bild am Sonntag"...

Bild-Illustration

Aller schlechten Dinge sind drei: Kollege Torsten Dewi veröffentlichte in seinem Blog schon im April 2008 eine ebenso fragwürdig gestaltete Illustration von "Bild.de":

Bild.de-Illustration

 

Was denken Sie über die Illustrationen von "Bild" bzw. "Bild.de"? Angemessene Methode um ein Thema zu veranschaulichen oder fragwürdig-ekelhafte Überzeichnung eines Themas, um es besser an den Mann und die Frau zu bringen? Sagen Sie uns Ihre Meinung, hier im Blog. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

 

[ 72 ] Kommentare | Trackbacks | RSS | Thomas Lückerath | 11.03.2009 - 23:49 Uhr


Freitag, 20. Februar 2009

Warum DWDL nicht über die GIGA-Fanaktion berichtet hat

Logo: GigaGIGA ist schützenswert. Und GIGA wird auch  sicher weiterleben - irgendwann, irgendwie. Die Stärke der Internet-Community von GIGA hat bereits so viele Veränderungen überlebt, dass auch diesmal nicht endgültig Schluss sein wird. Eine Übernahme durch die ARD ist allerdings nicht mehr als naive Träumerei, die von manchen Medien leider auch noch forciert wurde, was bei der GIGA-Community nur falsche Hoffnungen weckte.

Auf den ersten Blick mag GIGA hervorragend zur ARD passen - weil dort ein Angebot für diese Altersgruppe fehlt. Und doch sprechen einige ganz pragmatische Argumente dagegen. Und die sind allesamt bekannt - man könnte sie kennen. Zunächst einmal sind die langsamen Mühlen der öffentlich-rechtlichen Anstalten bekannt. Eine Entscheidung in kürzester Zeit, wie sie hier nötig wäre, sieht der ARD nicht ähnlich.

Und es hat schon eine gewisse Komik, wenn man in der Anstalt die Rettung sieht, die bislang eher undifferenziert auf das Thema Gaming eingedroschen hat - mit Vorliebe natürlich auf die Ego-Shooter. Ins Absurde steigert sich dann die Vorstellung, dass GIGA hervorragend das Angebot des Ki.Ka ergänzen würde: Nach Sandmännchen und Bernd das Brot dann also Ego-Shooter? Es wäre eine seltsame Kombination.

Mancher entgegnet dann, dass man GIGA natürlich an die ARD anpassen müsste. Das jedoch führt nur zu der Frage, was genau GIGA eigentlich ist. Was zeichnete GIGA aus? Ursprünglich hatte GIGA erst einmal überhaupt nichts mit Gaming zu tun. GIGA wurde als Internetfernsehen konzipiert, welches sich u.a. auch dem Gaming widmet. Zuletzt blieb davon aber fast nichts mehr übrig und unter gleichem Namen gab es statt preisgekröntem Internetfernsehen zuletzt ein reines Programm zum Thema Gaming. Was also ist GIGA? Internetfernsehen oder Gaming? Und wie wichtig ist Live-Programm? Und wie wichtig ist das Web-Portal im Vergleich zur Fernsehsendung?

Fragen, die selbst die GIGA-Macher in den vergangen Jahren mit unzähligen Relaunches offenbar selbst nicht beantworten konnten. Vor diesem Hintergrund ist es sicher ehrenhaft und sehr sympathisch, wenn sich die GIGA-Community für den Erhalt einsetzt. Nur wie soll man - auch noch ausgerechnet von der ARD - ernsthaft eine schnelle Kaufentscheidung erwarten, wenn nicht einmal klar ist, was man kauft und wie man es überhaupt nutzen könnte. Schockierender ist eigentlich, wie ernsthaft manche Medien die Initiative weiterverbreitet und damit falsche Hoffnungen geweckt haben. Ein einfaches "Weiter so" wird es für GIGA nicht geben. Nur weil man es sich noch so sehr wünscht, wird es nicht realistischer.
 
Eine Zukunft für GIGA kann es geben. Wie die aussehen kann, lässt sich schwer sagen. So wie bisher in jedem Fall nicht.
[ 15 ] Kommentare | Trackbacks | RSS | Thomas Lückerath | 20.02.2009 - 16:23 Uhr


Sonntag, 15. Februar 2009

Sprechen Sie DWDL?

Foto: DWDL.de
Nach dem riesigen Interesse an Teil 1 unserer DWDL.de-Story verraten wir heute mal einige Internas und Sprachregelungen aus unserem Redaktionsalltag. Sprechen Sie DWDL? Here we go...
 
64er: Manchen Pressesprecher oder Manager haben wir schon mal im Gespräch  mit dem Satz "Daraus machen wir dann ein 64er" irritiert. Gemeint war: Das wird ein kleineres Thema auf DWDL.de, also weder Top-Thema noch Flotter Zweier oder Rubriken-Aufmacher. Der Name entstand durch das Vor-Vor-Design unserer jetzigen Optik. Damals waren die kleineren Meldungen auf der Start- und den Übersichtsseiten mit einer 64 Pixel breiten Grafik illustriert. Obwohl es die 64er-Grafiken bei uns inzwischen überhaupt nicht mehr gibt, hat sich der Begriff intern gehalten. Kleine Meldungen sind eben 64er.

Aronal / Elmex: "Morgens Aronal, abends Elmex" - wer kennt die Werbung für die beiden Zahnpasta-Marken nicht. Als wir nach dem nachmittäglichen Newsletter um 16.45 Uhr auch noch einen Quoten-Newsletter starten wollten, war die Administration für die beiden Newsletter noch getrennt. Um in unserem Content-Management-System jedoch stets auf Anhieb den richtigen Menüpunkt in der Navigation zu finden, haben wir den Newslettern intern kurzerhand die Spitznamen Aronal und Elmex verpasst.

Flotter Zweier: Was sich zweideutig anhört, ist in Wahrheit recht einfach und anständig erklärt. Bei unserem letzten Design gab es unterhalb des Top-Themas auf der Startseite zwei weitere größere Themen bevor darunter die Rubriken folgten. Diese "Mini-Topthemen" wurden von uns aus einer Laune heraus "Flotter Zweier" getauft. Inzwischen haben wir vier dieser Artikel-Positionen unterhalb des Topthemas. Und doch: Im Herzen bleibt es für uns jedes Thema in der neuen Viererkette ein "Flotter Zweier".

Kaleika SL: Dank Wordpress kann heute jeder eine Website managen. In über sieben Jahren DWDL.de haben wir allerdings gemerkt: Das beste Redaktionssystem ist das, was man selbst programmiert. Deshalb haben wir das auch vor Jahren schon umgesetzt und arbeiten mit unserer Eigenentwicklung "Kaleika SL". Das Wort Kaleika kommt aus dem Polnischen. Wirklich Sinn macht allerdings keine der Übersetzungen des Wortes. Das hat auch einen Grund: Wir haben einfach im Fremdwörterbuch geblättert und ein nett klingendes Wort mit nicht allzu peinlicher Übersetzung gesucht. Gefunden haben wir "Kaleika". Das angefügte SL steht übrigens für die Nachnamen der beiden Programmierer Daniel Schneider und Alexander Legge.

Hugo: Für ein neues Feature in unserem Redaktionssystem mussten wir einen der bestehenden Buttons über dem Texteingabe-Feld umfunktionieren. Nur welches? Wir entschieden uns für einen Button mit Rollstuhl. Wozu der vorher gut gewesen sein mag - wir wissen es heute gar nicht mehr. Ein Symbol war also da. Aber wie nennt man das neue Feature nun, mit dem sich Links, Videos und Bildershows in Artikel einbauen lassen? Wir haben es HUGO getauft. HUGO steht offiziell für "Halbwegs unkompliziertes Gerät, oder?". Nur böse Zungen behaupten im Zusammenhang mit dem Rollstuhl-Symbol hätten wir an den Moderations-Dinosaurier Hugo-Egon Balder gedacht.
[ 3 ] Kommentare | Trackbacks | RSS | Thomas Lückerath | 15.02.2009 - 21:06 Uhr


Montag, 09. Februar 2009

Wie alles begann: Die DWDL.de-Story (1)

Grafik: DWDL.de
Dies ist der Anfang der vielleicht unglaublich langen Story des Medienmagazins DWDL.de. Seit gut sieben Jahren gibt es diese Website mit dem merkwürdigen Buchstabenkürzel. Nie habe ich bislang so etwas wie eine Chronik der Entstehung und Entwicklung geschrieben. Es hatte nie jemand danach gefragt. Anfang Februar aber bekam ich gleich zwei ähnliche Anfragen an einem Vormittag und eine kurze Umfrage unter unseren Followern bei Twitter ergab: Es gibt einige Leser, die sich dafür interessieren würden. Deswegen habe ich begonnen aus der Erinnerung, alten Screenshots und wieder entdeckten Dateien die Geschichte von DWDL.de aufzuschreiben. Manches Detail, manche Entscheidung und Entwicklung ist aus heutiger Sicht peinlich, manche sogar schlichtweg falsch gewesen. Doch das alles gehörte dazu und soll erzählt werden. Denn letztlich scheinen wir ja doch mehr richtig als falsch gemacht zu haben, wenn DWDL.de inzwischen die meistgenutzte Website zur Information über die deutsche Medienbranche ist...

So ganz genau wussten wir eigentlich nicht, was daraus werden würde. Daniel Schneider und ich begannen im Sommer/Herbst 2001 Stück für Stück an der Umsetzung einer Idee, die aber für uns beide damals zunächst keine Priorität hatte. Ich selbst, damals im letzten Schuljahr, arbeitete beim Internetfernsehen NBC Giga und auch Daniel hatte noch andere Projekte. Wir beide betrieben vorher schon eigene, meist private Websites. Durch meine Arbeit beim WDR und NBC Giga stieg mein Interesse an der Medienberichterstattung. Und ich war recht enttäuscht, was man damals angeboten bekam: Elitären Branchenjournalismus hier und belanglose PR-Storys in Programmzeitschriften da. Und dazwischen? Nichts. Man kann es sich heute beinahe nicht vorstellen, aber viele Medienseiten der Tageszeitungen waren vor sieben, acht Jahren noch deutlich stärker mit personal-lastigen Internas der Print-Branche und den obligatorischen "Tatort"-Nachbesprechungen gefüllt. Und General Interest-Angebote im Web, wie Spiegel Online und Co., hatten noch lange nicht entdeckt, welches Interesse für Medienthemen herrscht. Auch hier fanden sich längst noch nicht regelmäßig Meldungen für medieninteressierte Leser, wie es heute immer öfter der Fall ist.

Keine Frage: Die erste Adresse war damals kress.de. Warum jedoch ausgerechnet das größte Übel der Print-Branche, der Redaktionsschluss, in die Online-Welt übertragen wurde - es war ein Rätsel. Insbesondere wenn man, wie ich damals, bei NBC Giga sehr eng und rund um die Uhr mit dem Internet zu tun hatte. Über mehrere Wochen habe ich deswegen im Sommer 2001 mal verfolgt, wann die Medienunternehmen ihre Mitteilungen verbreiten und wie groß die Zeitspanne bis zur Veröffentlichung bei kress.de  um 17 Uhr war. Das Ergebnis: Die Zeitspanne war meist erstaunlich groß. So langsam reifte eine Idee heran. Da meine Programmierkenntnisse allerdings mit meinen privaten Websites erschöpft war, habe ich einen guten Freund als Partner gewinnen können. Daniel Schneider und ich ergänzten uns super. Er wusste, was technisch machbar war und wie es ging. Ich hatte eine grobe Vorstellung dessen, was entstehen sollte. Auch hier muss man sich zurückerinnern: Wordpress gab es damals nicht. Zum Aufsetzen eines professionellen Webauftritts bedurfte es zwar 2001 auch nicht allzu viel, aber es war nicht ganz so leicht wie heute. Allein die Suche nach einem Redaktionssystem, ohje. Wie oft wir das später auch noch gewechselt haben.
 
 
DWDL in 2001 Unser Design 2001: Zu sehen ist ein Ausschnitt der Unterseite "TV-News"
 
 
So haben wir zum Beispiel ganz am Anfang auf ein Redaktionssystem ohne MySQL gesetzt - ganz einfach weil wir damals noch keinen MySQL-Server zur Verfügung hatten. Wir wollten ja erstmal sehen, ob unsere Idee überhaupt so toll ist, wie wir glaubten. Es war ja auch nur ein Hobby als wir im September, Oktober und November 2001 die Seite zusammenbastelten. Ein großes Problem hatten wir aber immer wieder aufgeschoben: Wie sollte unser neues Baby eigentlich heißen? Namen mit TV, Medien oder Media waren uns zu plump. Es sollte ein Eigenname werden. Unverwechselbar. Nur kam uns leider keine Idee. Als Daniel dann das erste Design unserer neuen Website fertigstellen wollte, fragte er mich, was wir denn nun für einen Namen nehmen würden. Irgendetwas musste ja da oben links in die Ecke. Außerdem brauchten wir doch auch endlich einen Namen für unser Baby. Sei es nur ein Arbeitstitel. Ganz genau erinnern kann ich mich hier nicht mehr. Aber mir kam irgendwie der Gedanke an eine von mir ein Jahr zuvor zu völlig andren Zwecken registrierte Domain. Ich habe nie wirklich etwas mit dieser Domain gemacht. Sie war einfach zu lang. Doch das Kürzel - die Anfangsbuchstaben der vier Wörter - das ging: DWDL. Und wenn man um fünf Ecken denkt, dann könnte der ausgeschrieben Name sogar zu dem passen, was wir vorhatten.

DWDL in 2001Da war es also: DWDL. Wirklich absurd. Aber wir konnten erst einmal etwas oben links in die Ecke schreiben. Das Layout der Seite konnte weiter bearbeitet werden. In den folgenden Wochen, es war November 2001, haben wir stets auch noch über andere Namen nachgedacht. Gleichzeitig haben wir uns aber immer mehr mit dem Arbeitstitel angefreundet. Wir sprachen plötzlich wie selbstverständlich von DWDL, wenn wir neben Job und Schule an unserem neuen Webprojekt gearbeitet haben. Es muss so um den 10. November 2001 gewesen sein als wir entschieden haben: Das bleibt auch unser Name. DWDL ist der Name unseres neuen Medienmagazins. Wir haben ein paar Freunde eingeweiht, die uns alle gefragt haben, warum wir uns denn das Leben so schwer machen wollen. Doch DWDL stand. Es muss um den 10. November gewesen sein, weil wir am 19. November starten wollten und genau eine Woche vorher eine kleine Werbekampagne im Internet stattfinden sollte. Wie machen also zwei Schüler mit der Idee für ein neues Medienmagazin Werbung, wenn sie schon zu knausrig für einen vernünftigen Server waren und alte Domains quasi aufbrauchen wollten? Wir haben in die damals schon bestehenden TV-Foren, in denen wir unterwegs waren, einen Banner in unsere Signatur eingebaut.

Die Aussagen dieser Banner waren so irritierend, wie nichtssagend. "DWDL macht glücklich" und "DWDL schmeckt toll" waren zwei der Sprüche, an die ich mich noch erinnere. Es gab noch weitere Banner-Varianten. Sie alle verrieten allerdings nicht mehr als den Starttermin - den 19. November 2001. Was DWDL ist, verrieten sie nicht. Es war der Versuch die Aufmerksamkeit möglichst hoch zu halten, Diskussionen über dieses komische DWDL auszulösen und den Betreibern der Foren, in denen wir die Signatur benutzten, nicht gleich klar zu machen, dass wir bei Ihnen für eine mögliche, künftige Konkurrenz werben. Dann geschah, was irgendwie immer geschieht: In letzter Minute stellte sich raus, dass irgendetwas länger dauert als gedacht. Ich erinner mich nicht mehr, was es war. Aber wir arbeiteten den 19. November durch - ohne mit der Website online gegangen zu sein. Was für eine Enttäuschung. Wir mussten die Neugierigen auf den folgenden Tag vertrösten. Doch dann war es so weit: Das Medienmagazin DWDL.de ging online. Die Optik damals war eigentlich grauenhaft: Schwarz und Grau dominierte, dazu dezente Farben für die drei Nachrichtenrubriken TV, Print und Net. Unser Logo? Ein mit Bewegungsunschärfe versehener DWDL-Schritzug in grau auf schwarzem Grund. Und doch: Daniel und ich waren stolz. DWDL.de war online und informierte fortan wirklich aktuell über das deutsche Mediengeschehen - ohne erst auf 17 Uhr zu warten.
 
Fortsetzung folgt...
 
[ 11 ] Kommentare | Trackbacks | RSS | Thomas Lückerath | 09.02.2009 - 12:59 Uhr