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DWDL.de-Interview

"Das Fernsehen bleibt noch lange Zeit das Leitmedium"

von Thomas Lückerath
01.09.2008 - 00:05 Uhr

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ZDF-Intendant Markus Schächter sieht das Fernsehen noch lange in der Führungsrolle, wie er im Exklusiv-Interview mit DWDL.de verriet. Schächter über Verpflichtungen im Web, die direkte Konkurrenz durch Google, den Aufbau einer ZDF-Senderfamilie und die Zukunft von „Wetten, dass..?“

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Foto: ZDFHerr Schächter, ist das Internet das neue Leitmedium? Diese Frage ist  Gegenstand der Eröffnungsrunde der Medienwoche@IFA...

Das Fernsehen bleibt noch lange Zeit das Leitmedium. Aber die Konvergenz führt dazu, dass man bald nicht mehr weiß, auf welchem Weg die Bilder auf den Schirm kommen. Bezogen auf Nutzungsdichte und -häufigkeit in der Breite der Bevölkerung ist Fernsehen weiter das Leitmedium. Aber dieses Leitmedium, egal ob öffentlich-rechtlich oder kommerziell, stellt sich selbst in Frage, wenn es keine Antwort auf die zunehmende Konvergenz findet.

In diesen Tagen wirbt eine neue Kampagne von ARD und ZDF für das „gute öffentliche Recht“ auf ein umfassendes Internetangebot. Auf was konkret habe ich denn als Gebührenzahler aus Ihrer Sicht ein gutes öffentliches Recht im Internet?

Sie haben das Recht darauf, dass die Inhalte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf allen Plattformen, auf denen Bewegtbild abgebildet werden kann, auch stattfindet. Es ist geradezu unsere Verpflichtung gegenüber denjenigen, die uns finanzieren, dass diese Inhalte auch auf neuen Plattformen zur Verfügung stehen.

Genau das sehen die privaten Medienunternehmer anders und laufen Sturm. Über die Positionen ist oft genug gesprochen worden, aber ist es eigentlich überhaupt möglich eine Definition zu finden, die von allen Seiten gleich interpretiert wird?

Bei solch komplexen Themen wird es immer unterschiedliche Interpretationen geben. Der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag wird in dieser Frage einen Kompromiss bringen, der wahrscheinlich schwer praktikabel ist. Wir werden sehen, womit wir am Ende arbeiten müssen. Wichtig ist mir in der Diskussion: Wir wollen an keiner Stelle kommerzielle Konkurrenz sein. Unser Auftrag ist der publizistische Wettbewerb um Qualität und zwar genau dort, wo das Netz seine Stärken hat. Das ist zum einen die  Aktualität und zum anderen die Tiefe der Informationen. Der Nutzer will beides, die Schnelligkeit und die dauerhafte Verfügbarkeit. Bei der Aktualität kann es nicht sein, dass jede einzelne Meldung an irgendeiner administrativ zu beweisenden Sendung festgemacht werden muss. Wenn in Georgien der Krieg beginnt, dann muss das doch im Netz sofort gemeldet werden, selbst wenn noch keine heute-Sendung die Chance hatte, die News zu verkünden. Und im Hinblick auf die Tiefe, ist es doch gerade im Interesse einer aufgeklärten Informationsgesellschaft, Hintergrundinformationen länger als 7 Tage im Netz zu lassen.

Warum machen zeitliche Grenzen für Sie keinen Sinn?


Wer sagt, wir müssen sieben Tage nach Beginn der Krise in Georgien die Beiträge zum Ausbruch der Krise aus dem Netz nehmen, der missachtet die Logik des Wissensarchivs Internet. Es sollte doch gerade in einer aufgeklärten Informationsgesellschaft selbstverständlich sein, dass wertvolle Beiträge auch länger als eine Woche im Netz verfügbar bleiben.

Ist die Diskussion um die Internet-Aktivitäten von ARD und ZDF eine Stellvertreter-Debatte für das immer wiederkehrende Thema der Grundversorgung? Weil gerade die Privatsender in erster Linie die unterhaltenden Inhalte z.B. in den Mediatheken stört...


Es ist die Fortsetzung einer alten Diskussion, die die Privaten immer wieder beginnen. Bei der sie sich wünschen, wir würden zum grauen Restversorger für all das werden, was sie nicht leisten wollen oder können. Unser Sendeauftrag ist aber klar auf Information, Kultur, Bildung und - ganz wichtig für ein Massenmedium - auch Unterhaltung ausgerichtet. Die versammelte Fachwelt sieht das Internet nicht als additives Element, sondern durch die Konvergenz als elementaren Teil der Zukunft des Mediums Fernsehen. Dann kann es nicht sein, dass etwas, das zum Kern unseres Auftrages gehört, auf einem Verbreitungsweg plötzlich weggelassen werden soll.

Im September stehen die abschließenden Beratungen zum Rundfunkänderungsstaatsvertrag an. Was  unternehmen Sie aktuell?


Es gibt immer noch unterschiedliche Positionen zwischen den einzelnen Ländern, zwischen den Ländern und Brüssel, zwischen den Ländern und den Sendern. Und in diesen Konstellationen gibt es derzeit intensive Gespräche, in denen es unter anderem um die Frage nach der Unterhaltung als Teil der Grundversorgung geht und um die Umsetzung des Drei-Stufen-Tests. Wobei wir gerade diesen Test als Kernstück der Vereinbarungen mit Brüssel sehr ernst nehmen.

Soll aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ZDF eigentlich eine Art Medienhaus werden?

Es geht nicht um Bezeichnungen. Ich bin ohnehin sicher, wenn der Rauch des Kampfes verzogen ist und alle wieder klar sehen, dann werden einige erkennen, dass sie die falschen Türen bewacht haben. In Wahrheit droht Gefahr für die klassischen Medien von ganz anderer Seite. Google etwa ist an den weltweiten Übertragungsrechten für die Olympischen Spiele 2018 interessiert und Gazprom-Media mischt längst im internationalen Mediengeschäft mit.

Woher haben Sie die Information, dass sich Google für die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele interessiert?


Das wird im Umfeld des IOC bestätigt, wo Google in diesem Fall zum Wettbewerber für uns werden würde.

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