Der twitternde Intendant Udo Reiter! © MDR/Jehnichen/DWDL
DWDL.de-Interview

MDR-Intendant Reiter und der "Sound der Enkel"

von Jochen Voß
26.10.2009 - 18:03 Uhr

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Social Networks

 

Nachdem mehrere Fakes auftauchten, ergriff MDR-Intendant Udo Reiter die Initiative. Seit Mitte September twittert er einfach selbst. Mit DWDL.de sprach er über erste Erfahrungen und erklärt, warum sich die ARD um Twitter kümmern sollte.

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Der twitternde Intendant Udo Reiter!Herr Reiter, seit Mitte September setzen Sie unter dem Account @mdrreiter Kurznachrichten bei Twitter ab und sind der erste twitternde Intendant in Deutschland. Wie sind Sie dazu gekommen?

Eher unfreiwillig. Bei Twitter hatte jemand unter meinem Namen MDR-Interna verbreitet. Das haben wir verbieten lassen, was ein paar Wochen gedauert hat. Ein paar Tage später tauchte dann der nächste Fake auf. Dann noch ein dritter. Da habe ich mir gedacht, jetzt übernehme ich, das kann doch nicht so schwer sein.

Macht es Ihnen denn Spaß? Wie sind die ersten Erfahrungen?


Man muss sich darauf einlassen, um eine Idee davon zu bekommen, was da passiert. Vorher hatte ich den gängigen Eindruck, diese ganze Twitterei sei ein einziges Lockendrehen auf der Glatze. Wenn man sich aber darauf einlässt, merkt man, dass es neben den Belanglosigkeiten auch viel Witziges, Amüsantes und Informatives gibt. Es ist eine eigene Welt mit eigenem Publikum, eigenen Spielregeln, Flachem und Anspruchsvollem, Tops und Flops. Wir, die Macher der alten Fernsehwelt, nehmen das kaum zur Kenntnis, die Twitterer uns dagegen schon. Dort entsteht sogar auf neue Art wieder das gute alte TV-Gemeinschaftserlebnis. Man schaut „Tatort“ oder „Anne Will“ und tauscht sich dann in den Tweets darüber aus so wie früher innerhalb der Familie. Also das alte Lagerfeuermodell auf elektronischem Weg.
 

 
Bei Twitter gibt es – anders als bei Fernsehen und Hörfunk – ein sehr direktes, unmittelbares Feedback. War das für Sie eine neue Erfahrung?

Ja, das ist neu. Innerhalb von Minuten zehnmal retweeted zu werden, das ist schon ein Erlebnis. Da hat sich tatsächlich eine neuartige Kommunikationswelt etabliert, die von meiner Generation kaum wahrgenommen wird. Das ist schade. Diese unmittelbare Resonanz hat durchaus etwas Stimulierendes.

Für einen Intendanten der ARD lesen sich ihre Tweets erstaunlich offen und wenig staatstragend. Das ist sehr ungewohnt.

Staatstragende Intendantenstatements gibt es genug. Sie passen zum Glück nicht in 140 Zeichen. Wenn man twittern will, muss man sich auf den Sound der Enkel einlassen. Natürlich habe ich das erst mit einer gewissen Skepsis betrachtet. In der Zwischenzeit merke ich aber, dass man Spaß daran haben kann.
 
Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie es um das Berufsbild des twitternden Intendanten bestellt ist und unter welchen Umständen Reiter von der ARD-Intendantentagung twittert.

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