Markus Schächter © ZDF/DWDL.de
DWDL.de-Interview

Markus Schächter warnt vor Apple, Google & Co

von Thomas Lückerath
11.10.2010 - 23:44 Uhr

Tools

Social Networks

 

Waffenstillstand aufgehoben: ZDF-Intendant Schächter greift im großen DWDL.de-Interview zu den Medientagen München das kostenpflichtige HD+-Angebot der Privatsender als "Dreistigkeit" an und warnt gleichzeitig vor Google, Apple und Co.

Seite 1 von 4

Markus Schächter
© ZDF/DWDL.de
Herr Schächter, lassen Sie uns gemeinsam hellsehen: Welche Themen werden Sie am Mittwochmorgen mit den Kollegen aus der Branche diskutieren?

Ich hoffe, dass wir gemeinsam erkennen, was die Stunde geschlagen hat und das jede rückwärtsgewandte Diskussion uns keinen Schritt weiter bringt. Wer einen Blick über die Grenzen wirft, der sieht, dass sich die Netzgiganten neu aufstellen. In den USA zeigen Google-TV und Apple-TV wohin die Reise geht. Suchmaschinen und Vertriebsplattformen saugen jeden Content auf, ganz egal von wem er stammt – Zeitungen, Verlage, Sender, Produzenten. Unsere Produkte werden zum Gegenstand fremder Geschäftsmodelle. Die heutigen Hersteller und Verbreiter publizistischer und kultureller Inhalte verlieren die Hoheit über ihre Produkte, wenn sie nicht sehr genau aufpassen. Ich sage es nicht zum ersten Mal: Es wird Zeit, dass wir in Deutschland endlich aufhören, die falschen Türen zu bewachen.

Welche Themen ermüden Sie denn inzwischen bei solchen Elefantenrunden?

Das meiste von dem, was wir in den vergangenen Jahren in strapaziösen Wiederholungsschleifen traktiert haben. Das permanente Wehklagen der kommerziellen Medien beispielsweise über angebliche Wettbewerbsverzerrungen durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geht mir schon auf die Nerven. Es steht regelmäßig im diametralen Gegensatz zu den stolzen Gewinnmitteilungen der dahinter stehenden Konzerne. Es wird, wie ich eben sagte, Zeit, das wir uns den wichtigen Zukunftsfragen stellen. Es geht um nicht weniger als um die Zukunft unserer Medienlandschaft, mit weitreichenden Folgen für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie.

Die Privaten mussten dafür sparen. Da sind sie ja eher in einer im wahrsten Sinne des Wortes beneidenswerten Situation...

Das ZDF hat in den letzten fünfzehn Jahren radikal umgebaut und gespart. Die Mär vom stetig reicher werdenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird auch durch ständige Wiederholung nicht wahr. Die letzten Gebührenanpassungen lagen stets unter der allgemeinen Inflation. Neue Herausforderungen wie die Entwicklung der Digitalkanäle stemmen wir aus vorhandenen Mitteln.

Aber was läuft denn dann bei Ihnen in der Kommunikation schief, wenn die Öffentlichkeit eher den Eindruck hat, dass auch das ZDF wie die ARD immer mehr ausgeben?

Das ZDF bietet für knapp 5 Euro im Monat, ein vielfältiges und hochwertiges Programm rund um die Uhr, dazu drei Digitalkanäle, Online, Teletext und nicht zu vergessen 3sat, Arte, Phoenix und den KiKa. Ich wundere mich schon, dass sich kein Mensch darüber aufregt, dass die Privatsender mal eben fünf Euro für das ganz normale Programm in HD-Qualität kassieren wollen.

Kommentare zum Artikel

DWDL.de Infobörse

DWDL.de-Reihen

Montags: Aktuelles aus dem Milliardengeschäft Sport - präsentiert von Eurosport » zum Sports-Update Dienstags: Die Gesprächs-themen der Woche aus NYC präsentiert von FOX » zum NYC Point Of View Mittwochs: Die aktuellen Radio-Meldungen präsentiert von der WDR mediagroup. » zum Radio-Update Donnerstags: News aus dem britischen Fernsehmarkt - präsentiert von ITV STUDIOS Germany » zum UK-Update Freitags: Die wichtigsten News aus den USA - präsentiert von Sky Atlantic HD. » zum US-Update Samstags: Der etwas andere Rück- und Ausblick auf die TV-Quoten - » zu Unterm Strich Sonntags: Der Blick in die Zukunft der Fernsehbranche - präsentiert von der ANGA Cable» zu Fernsehen 2020

DWDL.de Newsletter

Mit den Newslettern der DWDL.de-Redaktion sind Sie werktäglich bestens informiert. Für die Rundum-Versorgung abonnieren Sie einfach alle Angebote oder wählen den für Sie passenden Newsletter...
Name:
E-Mail:

Ich möchte die folgenden Newsletter erhalten: