Herr von Hirschhausen, am Donnerstag geht das „Fantastische Quiz des Menschen“ im Ersten in eine neue Staffel. Die Show widmet sich ernsten wissenschaftlichen Themen auf unterhaltsame Art – ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren immer öfter beobachten lässt. Wie erleben Sie diese Veränderung in der Unterhaltung?

Die Entwicklung kann man ganz gut an meiner eigenen Biografie ablesen. Meine Art, an Themen ranzugehen, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht verändert. Aber das Umfeld hat sich verändert. Früher kam oft der Vorwurf, der Zuschauer könne nicht unterscheiden, ob ich etwas inhaltlich ernst meine oder nur Spaß mache. Für so doof halte ich die Zuschauer aber gar nicht. Dinge werden nicht unglaubwürdig, nur weil man sie humorvoll präsentiert. Mein Dilemma der Anfangsjahre: Comedy-Redakteuren war ich zu inhaltsschwer und den Wissenschaftsredakteuren zu lustig.

Wie haben Sie das Eis gebrochen?

In erster Linie bin ich Bühnenkünstler und Autor. Nach mehreren millionenfach verkauften Büchern und ausverkaufter Tour konnte man schlecht weiter behaupten, dass das keinen interessiert. In dem Moment, in dem ich bewiesen habe, dass meine Form funktioniert, wurden die Sender auf mich aufmerksam.

 

 

Hat sich hinsichtlich der Vermischung von lustig und ernst in den vergangenen Jahren die Arbeit der Redaktionen verändert?

Organisatorisch gibt es noch immer kaum Berührungspunkte oder Kooperationen zwischen Unterhaltungs- und Wissenschaftsredaktion. Dabei ist doch gerade die Verbindung aus beiden das große Pfund mit dem die Öffentlich-Rechtlichen wuchern können. Ich arbeite daran.

Ist es einfach oder schwer, die Redaktionen zu verlinken? Gibt es eine gewisse Grundoffenheit oder müssen Sie Zufallsbegegnungen beim Mittagessen arrangieren?

Es gibt kurioserweise bislang kaum ein richtiges Problembewusstsein. Gerade bei aktuellen Themen aus der Medizin oder Wissenschaft, die dann in den Talkshows landen, würde doch schon ein einziger Anruf bei einer anderen fachkompetenten Redaktion innerhalb des Senders helfen. Es gab ein paar Vorfälle, bei denen nicht-wissenschaftliche Redaktionen Dinge gesendet haben, die schlicht und einfach falsch waren oder hätten hinterfragt werden müssen. Als Wissenschaftsjournalist tut man sich in solchen Fragen leichter, weil man mehr Pseudo-Studien und Skandale mitbekommen hat und dadurch viel hellhöriger ist.

Wieso ist denn der Humor ein gutes Transportmittel für schwere Inhalte wie Medizin, Philosophie und Psychologie?

Komik muss einen wahren Kern haben. Menschen lachen nur über Dinge, die sie wiedererkennen. Es gibt nicht viele Themen, die alle gemeinsam betreffen. Das ist der große Vorteil von Themen rund um Körper und Seele: Die meisten Menschen haben beides. Das klassische Kabarett der Hildebrandt-Ära hatte die jeweils aktuelle Regierung zum Thema. Zu der Zeit hatten die Künstler eine politisch aufklärerische Haltung. Es ging darum, Dinge aufzudecken und Querverbindungen aufzuzeigen, um den Menschen Orientierung zu geben. Das läuft heute woanders: in den Blogs, bei Twitter und bei "Spiegel Online".

Auch wenn Ihr Thema nicht die Regierung ist: Sehen Sie sich in der Tradition des klassischen Kabaretts?

Ja und Nein. Die Grenzen sind heute fließend. Für mich ist es noch kein politisches Kabarett, wenn man alte Witze auf Merkel und Westerwelle münzt. Für mich ist nicht Politik, sondern Aufklärung der zentrale Begriff. Aufklärung heißt, die Menschen mündig zu machen und sie zu befähigen, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Wenn ein Comedian heute Klischees über Politiker oder Mann und Frau perpetuiert, ist das keine Aufklärung, sondern eine Bestätigung bereits vorhandener Meinungen. Wenn ich aber Herrschaftswissen der Medizin verbreite und brauchbar mache, ist das etwas zutiefst Aufklärerisches, das die Menschen wollen und brauchen.