Matthias Büchs, Michael Heise, RTL Inside © RTL/S. Gregorowius/S. Menne
DWDL.de-Interview mit Matthias Büchs und Michael Heise

Warum ist RTL interactive eigentlich so unbeliebt?

von Torsten Zarges
29.07.2013 - 09:38 Uhr

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Social Networks

 

Viele Produzenten sehen die RTL-Tochter als Social-Media-Verhinderer. Erstmals nehmen Matthias Büchs, Bereichsleiter Online/Mobile/Teletext, und Michael Heise, Leiter Games & Product Innovation, dazu Stellung. Ein Gespräch über Social Media beim TV-Marktführer...

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Warum ist RTL interactive bei so vielen TV-Produzenten eigentlich so unbeliebt?

Matthias Büchs
: Echt? So schlimm? Das wusste ich ja gar nicht! (lacht)

Wir bekommen immer wieder zu hören, dass Produzenten mit ihren Ideen für formatbegleitende Social-Media-Aktivitäten oder zusätzliches Online-Videomaterial bei Ihnen abprallen.

Büchs
: Ich glaube, wir müssen alle noch lernen, aufeinander zuzugehen und die Beweggründe der anderen Seite zu verstehen. Kürzlich hatten wir einen längeren Termin mit einem großen Produktionshaus. Die Kollegen kamen rein und sagten als erstes: Ihr seid total störrisch! Nach drei Stunden intensivem Austausch hatten beide Seiten deutlich mehr Verständnis füreinander. Wir haben in der Vergangenheit tatsächlich eher selten direkt mit Produktionsunternehmen gesprochen. Das ändert sich gerade. Wir rücken im Konzeptions- und Entwicklungsprozess neuer Formate weiter nach vorn – auch extern mit den Produzenten. Ich finde, die Bereitschaft zum Ausprobieren ist auf allen Seiten größer denn je.

Michael Heise
: Eines hat sich im letzten halben Jahr extrem verändert: Bei den fiktionalen Serien von RTL sind wir jetzt schon vor Drehbeginn involviert. Da können wir also sagen: Wäre doch cool, wenn wir für Online und Social Media dieses oder jenes zusätzlich erzählen! Kannst du, lieber Produzent, das nicht für uns mitdrehen? Früher kamen wir erst ins Spiel, wenn schon alles abgedreht war.



Im Vergleich zu den Digital-Töchtern anderer Sender gilt RTL interactive als besonders strikt und unbeweglich.

Büchs
: Dass auch wir durchaus in Bewegung sind, haben wir ja gerade schon angedeutet. Allerdings haben wir ein paar strategisch entscheidende Rahmenbedingungen für uns definiert, die vielleicht etwas anders sind als bei anderen Sendern und die wir durchaus konsequent vertreten, was nicht immer jedem gefallen muss. Uns ist es enorm wichtig, dass die Sendermarke ihre Bedeutung behält. Wenn das einzelne Format in der Hierarchie über der Sendermarke steht, dann verliert die Sendermarke irgendwann ihre Bedeutung. Daran können wir kein Interesse haben – und die Gefahr ist ja durchaus real. Welche Rolle spielt etwa bei iTunes noch, wer ein Format ursprünglich mal beauftragt und bezahlt, vielleicht aufwendig beworben und schließlich ausgestrahlt hat? Deshalb achten wir immer darauf, dass der Absender klar ist – ob bei Facebook, YouTube oder sonstwo. Dass wir hin und wieder der vielleicht schwierigere Verhandlungspartner sind, nehmen wir dabei in Kauf.

Heise
: Egal, wo man RTL-Content antrifft – wir wollen als Absender immer dabei sein. Wir müssen es schaffen, aus einem linearen TV-Sender eine Art digitalen Mediamarkt zu machen. Das funktioniert aber nicht, indem wir wahllos alles in die digitale Welt streuen, um vielleicht kurzfristige Promo zu generieren oder uns als hip darzustellen, weil´s grad jeder macht.

Die Produzenten sagen: Wir könnten schon heute eine viel umfassendere Formatwelt bauen, wenn man uns denn ließe.

Büchs
: Es gibt ein immer wiederkehrendes Thema, das wir mit Produktionsfirmen diskutieren, die ein großes TV-Format herstellen. Die Produzenten würden lieber heute als morgen eine App nach der anderen starten, Format für Format für Format. Das ist aus Sicht der Kollegen mehr als verständlich, nur eben nicht unser Interesse. Unser Standpunkt ist klar: Uns reichen im Prinzip zwei große Apps pro Sender – eine Pay-App mit Live-Streaming und Video on Demand als Premium-Angebot und eine Free-App, die die TV-Formate vor, während und nach der Ausstrahlung begleitet. Es kann doch nicht im Sinne eines Senders sein, wenn es eine „DSDS“-App, eine „Schlag den Raab“-App, eine „Wetten dass..?“-App und noch zig andere gibt. Idealerweise hat man jeweils die beiden genannten pro Programm und die gemeinsame Klammer ist die Sendermarke. Der Produzent dagegen will vor allem sein Format pushen – bei Facebook, bei YouTube und so weiter.

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