Friedman schaut hin © N24/Sven Darmer/DAVIDS
DWDL.de-Interview mit Michel Friedman

"Das Fernsehen kommt den Politikern zu oft entgegen"

von Torsten Zarges
13.08.2013 - 08:41 Uhr

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Fünf Wochen vor der Wahl wird's im Polit-TV streitfreudiger, wenn Michel Friedman bei N24 aus der Sommerpause zurückkehrt. Mit DWDL.de spricht er über den Kampf gegen die Vernebelungstaktik der Parteien und seine Teilnahme am ZDFneo-TVLab.

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Herr Friedman, für eine neue Folge Ihrer N24-Reihe „Friedman schaut hin“, die am Donnerstag zum Thema Homosexualität in Deutschland läuft, haben Sie sich in den Trubel des Christopher Street Days gestürzt. Was haben Sie dabei gelernt?

Während wir dieses Interview führen, werden in Russland und anderen Ländern Schwule geschlagen, getreten, diskriminiert, sogar ins Gefängnis geworfen. Wie ist es bei uns in Deutschland? Mitnichten ist alles gut! In unserer Reportage zeigen wir die Vielfalt der Einstellungen zur Homosexualität – von der völligen Normalität bis hin zu Menschen, die Schwule als „widernatürlich“ und „pervers“ bezeichnen. Viele davon sind konservativ oder streng religiös. Positiv ist mir aufgefallen, dass Homosexuelle heute viel emanzipierter mit ihrer Orientierung umgehen, als ich das noch vor zehn Jahren erlebt habe.

Ist es Ihre Ambition, mit „Friedman schaut hin“ in den Köpfen der Zuschauer etwas zu verändern?


Das kann Journalismus nicht leisten. Ich versuche, in den Köpfen gewisse Fragen und Irritationen entstehen zu lassen, Nachdenklichkeit zu provozieren. Was der Zuschauer daraus macht, ist seine Sache. Ich will weder manipulieren noch meine eigene Meinung in den Vordergrund stellen. Informieren, aufklären, reflektieren – das will ich aber schon.



Worin liegt für Sie der Reiz dieses Formats?

„Friedman schaut hin“ ist eine gesellschaftspolitische Reportage, die aus einer sehr konkreten Situation heraus entsteht. Wir suchen in der Regel Themen aus, die mit vielen Vorurteilen behaftet sind – auch mit meinen eigenen. Der Reiz liegt darin, dass ich mit Betroffenen spontan ins Gespräch komme. Ich fange morgens an, und im Laufe des Tages werde ich durch viele Menschen, Meinungen und Eindrücke überrascht. Aus all diesen Eindrücken entsteht eine hoch subjektive Reportage. Ich liebe das, weil es nicht planbar ist.

Am 22. August starten Sie in eine neue Staffel „Studio Friedman“. Ist Ihre Lust darauf angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl besonders groß?


Ich gehe in jede Sendung mit großer Lust und großem Ehrgeiz. Aber während der Wahlkampfzeit ist die Vernebelungstaktik der Parteien und ihrer Repräsentanten noch stärker als sonst. Umso mehr gilt es, Argument gegen Rhetorik, Sein gegen Schein, Ernsthaftigkeit gegen Pseudo-Aufgeregtheit zu demaskieren. Wenn man es dann mit einer Sendung schafft, für den Zuschauer ein Stück Aufklärung zu schaffen, ist das viel wert.

Was wollen Sie in den kommenden Wochen von den Politikern wissen?


Wichtigste politische Themen sind die Verschuldung und die Euro-Krise. Ich befürchte einen furchtbaren Kater nach den Wahlen. Die soziale Gerechtigkeit steht auch im Mittelpunkt der nächsten Jahre. Alle Parteien haben uns versprochen zu sparen. Leider verstehen sie darunter aber nach wie vor, die neu aufgenommenen Staatsschulden etwas geringer zu halten als im Jahr davor. Wenn Sie und ich Sparen so verstünden, würden unsere Banken uns ganz schnell die Kreditwürdigkeit aberkennen. Da sind also noch einige kritische Nachfragen fällig. Und schließlich die Koalitionsfrage. Alle Parteien erzählen uns momentan, mit wem sie gerne wollen und mit wem sie auf keinen Fall wollen. Ich glaube, da wird man dieses Mal besonders nachhaken müssen, denn es ist ja absehbar, dass es eine knappe Entscheidung wird.

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