VOX-Geschäftsführer Bernd Reichart © VOX/Guido Lange
DWDL.de-Interview mit Vox-Geschäftsführer Bernd Reichart

"Me-too-Formate verzeiht man Vox weniger als anderen"

von Torsten Zarges
12.09.2013 - 08:00 Uhr

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Nach einem halben Jahr als Senderchef justiert Bernd Reichart die Marke Vox neu. Frecher und mutiger will er im Programm werden. Warum er an "Dragons' Den" glaubt, was er mit "Anger Management" vorhat, wie er digital mit Musik wachsen will...

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Herr Reichart, Sie haben den Werbekunden versprochen, dass Sie im Vox-Programm ein bisschen mutiger sein wollen. Welches Format erfordert in der neuen Saison den meisten Mut?

Ich könnte jetzt "Arrow" sagen, weil das eine Serie ist, die das angestammte Crime-Markenbild von Vox deutlich erweitert. Aber beim Thema Mut denke ich zuerst an Eigenproduktionen – wenn man eine Formatidee neu zum Sender holt, gemeinsam mit dem Produzenten weiterentwickelt und hofft, dass man den Nerv des Publikums damit trifft. Von daher würde ich "Die besten Sänger", "Real Cool Runnings" und "Die Höhle der Löwen" nennen. Um diese Formate in der Primetime zu programmieren, ohne sie in ein etabliertes Line-up einbetten zu können, braucht man schon ein bisschen Entschlossenheit und Mut.

Zumal diese drei Shows auch das gewohnte Themenspektrum von Vox erweitern.


Wir haben das Gefühl, dass unser Publikum uns unterstützt, wenn wir in der Ausrichtung etwas breiter werden und wenn wir uns trauen, über die Kernthemen von Vox hinaus neue Formate zu entwickeln. Wichtig ist dabei, dass wir diese Themen "voxig" umsetzen – also mit unserer speziellen Handschrift und unserem hohen Qualitätsanspruch.



Ist "voxig" das Gegenteil von dem "Stachel", den Ihr Kollege Frank Hoffmann gelegentlich fürs RTL-Programm reklamiert?

Nein. Nach meinem Empfinden darf Vox ruhig eine Spur frecher als bisher werden. Nehmen sie zum Beispiel das Thema Humor: Wir haben zwar keine Ziegelwand, vor der Leute witzige Sachen erzählen – also klassische Comedy. Aber in Formaten wie "Shopping Queen", "Detlef muss reisen" oder "Ab ins Beet!" gibt es immer etwas zum Schmunzeln, ohne dass sie dafür einen Stachel bräuchten. Beim Umgang mit Protagonisten setzen wir unsere Maßstäbe sicher etwas enger, ohne dass wir unsere Ecken und Kanten einbüßen wollen. Bei Gesprächen mit möglichen Protagonisten für Formate wie "Die besten Sänger" oder "Die Höhle der Löwen" rennen wir offene Türen ein, weil die Marke Vox von vielen sehr geschätzt wird.

Dass es mutig ist, mit "Höhle der Löwen" eine deutsche Version des Sony-Formats "Dragons' Den" zu probieren, werden viele Ihrer Kollegen unterschreiben. In der Regel heißt es: Hände weg von Wirtschaftsthemen in der Unterhaltung – das wollen die deutschen Zuschauer nicht!


Ich war überrascht, dass noch niemand in Deutschland das Format angepackt hat. Die Formatidee kann man sehr wohl auf unsere Art und Weise interpretieren. Es geht um reale, ernsthafte Geschichten, die man sehr emotional erzählen kann. Für die Menschen, die in der "Höhle der Löwen" ihre große Idee, oftmals ihr Lebenswerk pitchen, steht viel auf dem Spiel. Sie haben jahrelang daran getüftelt, unter Umständen Haus und Hof verkauft oder sich bei Mutter, Vater, Oma, Opa Geld geliehen, um die Entwicklung finanzieren zu können. Da steckt ein Lebenstraum drin – und der eine Moment, in dem man es schaffen kann, diesen Traum zu verwirklichen. Das funktioniert auch, wenn man sich als Zuschauer nicht für Wirtschaft interessiert.

Welche fünf "Dragons" bzw. "Löwen" haben Sie im Visier?


Leider kann ich Ihnen unsere Shortlist jetzt noch nicht nennen. Wir gehen damit ja erst im Frühjahr 2014 auf Sendung. Aber wir sind sehr guter Hoffnung. Neben dem positiven Vox-Markenbild haben wir den "Löwen" schließlich auch die eine oder andere lohnende Investment-Chance zu bieten. Bei der US-Version "Shark Tank" sind schon ein paar Geschäftsideen richtig durch die Decke gegangen.

Wie haben Sie denn Xavier Naidoo dafür gewonnen, nach seinem Ausstieg bei "The Voice" eine Vox-Show zu übernehmen?


Das hat vor allem das wunderbare Zodiak-Format "The Best Singers" geschafft, das wir in Deutschland gemeinsam mit Schwartzkopff TV adaptieren. Xavier ist wirklich Feuer und Flamme. Das wird eine Hommage auf die kreative Schaffenskraft deutscher Musiker.

Dafür bleibt "Cover my Song" auf der Strecke. Warum haben Sie sich gegen eine zweite Staffel entschieden?


Wir haben uns das genau angeschaut und wären wirklich gern in die nächste Runde gegangen – gerade mit dem Rückenwind des Deutschen Fernsehpreises. Aber am Ende sind wir gemeinsam mit der Produktionsfirma Sony Pictures zu dem Ergebnis gekommen, dass wir nicht nochmal eine so gute Staffel casten können. Wenn man die Latte in der ersten Season so hoch gelegt hat, sollte man danach keine faulen Kompromisse machen.

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