Jörg Graf © RTL
RTL-Mann Jörg Graf über "Gone"

"Es ist so ziemlich alles anders als bei 'Transporter'"

von Alexander Krei
30.11.2016 - 16:39 Uhr

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Nach "Transporter" wagt sich RTL mit "Gone" wieder an eine internationale Serien-Koproduktion. Was diesmal besser werden soll, erzählt Jörg Graf, Bereichsleiter für Fremdprogramm & Produktionsmanagement der Mediengruppe...

Herr Graf, vor mehr als eineinhalb Jahren hat sich die Mediengruppe RTL Deutschland mit NBC Universal und TF1 auf eine Koproduktions-Partnerschaft verständigt. Warum hat es so lange gedauert, bis mit "Gone" das erste Projekt auf den Weg gebracht werden konnte?

Als NBC, TF1 und wir beschlossen, gemeinsam Procedural-Serien anzugehen, hatten wir noch keine Buchentwicklung angestoßen. Wir haben in den anderthalb Jahren innerhalb der Teams mehrere Dutzend Stoffe im Detail geprüft und uns dann für die Entwicklung von "Gone" entschieden. Neben der Bucharbeit war uns die Auswahl des Kreativteams sehr wichtig. Wir haben einen sehr aufwändigen Castingprozess gestartet und auch Themen mit wirtschaftlicher Relevanz wie potenzielle Produktionsorte gemeinsam festgelegt. Wir sind drei gleichwertige Partner, mit Standorten auf zwei unterschiedlichen Kontinenten – auch deshalb wurden aus meiner Sicht die Abstimmungsprozesse effektiv umgesetzt. Es wäre unrealistisch zu glauben, ein Projekt dieser Größenordnung deutlich schneller umsetzen zu können als unsere fiktionalen Projekte innerhalb Deutschlands. Zudem muss man berücksichtigen, dass wir durch eine Straight-To-Series-Order keine Pilotierungsphase haben – insofern halten wir die Geschwindigkeit, die wir von der Idee bis zur Serie vorlegen, durchaus für wettbewerbsfähig.

Ist eine Serie, die für drei Märkte produziert wird, nicht automatisch der kleinste gemeinsame Nenner?

Es ist ja kein Zufall, dass sich in der Gemeinschaft mit NBC zwei große europäische Marktführer getroffen haben. Ein Blick auf Zielgruppen und erfolgreiche Programme in Frankreich und Deutschland lässt schnell erkennen, dass der Programmbedarf bei den US-amerikanischen Serien sehr, sehr ähnlich ist. Wir alle wollen keine Kompromiss-Show, die "ein bisschen procedural - aber auch ein bisschen serialized" ist. Ein "bisschen dunkel - aber auch mit Humor". Dieser unsinnige Spagat führt zu nichts Gutem. Im Gegenteil: Wir wollen eine Serie, die über ihr kreatives Konzept und ihre hochprofessionelle Machart ein großes Publikum fesselt. Wenn das der gemeinsam Nenner ist, ist alles gut. Die Idee ist schlichtweg weiterhin, unseren Zuschauern ein Genre anzubieten, das uns von den US-Studios kaum mehr angeboten wird. Toll entwickelte Charaktere, in spannenden, episodisch abgeschlossenen Plots.

Worin besteht im Fall von "Gone" der Input von RTL?

Das ist sehr einfach und konkret zu benennen: Stoffauswahl, Mitwirkung bei der Bucharbeit (Characters, Setting, Plots) Auswahl des Cast, von Autoren und Regisseuren. Das unterscheidet sich in diesem Stadium nicht so sehr von einer deutschen Produktion. Es sind einfach mehr Partner beteiligt.

RTL hat sich schon einmal an einem internationalen Serien-Projekt beteiligt - mit überschaubarem Erfolg. Was ist bei "Gone" konkret anders als bei "Transporter"?

Wir haben aus "Transporter" viel gelernt und deshalb ist so ziemlich alles anders bei unseren aktuellen Co-Pro-Projekten als bei "Transporter". Robuste Finanzierung, absoluter Fokus auf Mainstream-Free-TV, und vor allem Partner die über ein Projekt hinaus zusammenarbeiten und sich kreativ permanent austauschen. Ausgiebige inhaltliche Vorbereitung statt Problemlösung während der Produktion ist extrem wichtig. Co-Pro steht und fällt meines Erachtens mit der Feststellung ob vor Drehbeginn wirklich alle im gleichen Boot sitzen und im gleichen Takt rudern. Wir haben die Bedeutung der Vorbereitungs- und Abstimmungsphase bis hin zu Casting Entscheidungen bei Transporter rückblickend unterschätzt. Die Versäumnisse und Fehler in der Vorbereitung kann man aber ab dem Zeitpunkt der ersten Klappe mit bestem Willen nicht wieder gutmachen. Daher nehmen wir uns die Zeit, die es für die Abstimmung und Vorbereitung braucht.

Ursprünglich war die Rede von drei Serien, die in zwei Jahren gemeinsam finanziert und produziert werden. Wie ist es um die anderen beiden Serien-Projekte bestellt?

Wir haben ein extrem spannendes Konzept für eine Ensemble-Cop-Show in New York entwickelt. Ob wir in sechs, zwölf oder 18 Monaten diese Produktion starten kann ich noch nicht sagen. Wir konzentrieren uns momentan komplett auf "Gone", weil wir uns noch mitten im Castingprozess und der Plotarbeit für die Episoden der ersten Staffel befinden.

Herr Graf, vielen Dank für das Gespräch.


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