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Ein Blick in das kuriose Regelwerk

Selbst Irak könnte beim Grand Prix teilnehmen

von Thomas Lückerath
13.05.2007 - 01:15 Uhr

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Gehört Israel in den Eurovision Song Contest? Und wo endet überhaupt Osteuropa? Für Antworten auf diese Fragen muss man sich auf eine Zeitreise begeben. DWDL.de hat nachgeforscht.

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Foto: ESCBeim Eurovision Song Contest 2007 traten am Samstagabend so etwas wie zwei Welten gegeneinander an: Westeuropa gegen Osteuropa. Gewonnen hat am Ende Serbien mit Marija Šerifovic (Foto). 14 der 16 erstplatzierten Länder kommen aus Osteuropa, was den Unmut bei westeuropäischen Teilnehmern wachsen lässt - nicht nur aus gekränktem Stolz aufgrund der diesjährigen Ergebnisse.
 
Verbunden mit dem Zorn über vermeintliche Punkte-Schiebereien stellt sich einmal mehr die Frage: Wo endet Europa? Wieso durfte Marokko schon einmal am Wettbewerb teilnehmen? Und wie definiert der Eurovision Song Contest eigentlich Europa? Geht man dieser grundsätzlichen Frage nach, findet man erstaunliche Definitionen. Willkommen bei einer Zeitreise zu medienrechtlichen Merkwürdigkeiten vergangener Jahrzehnte.
 
Wer gehört zu Europa - und wer nicht?

Voraussetzung für eine Bewerbung eines Landes beim Eurovision Song Contest ist die Mitgliedschaft eines Fernsehsenders dieses Landes in der European Broadcasting Union (EBU), die den Wettbewerb seit 1956 veranstaltet. Damit beginnen wir die Zeitreise auf der Suche nach der Definition von Europa. Gegründet wurde die EBU im Februar 1950. Unter Führung der BBC schlossen sich damals 23 Rundfunkanstalten zusammen, um zunächst einmal ihre Zusammenarbeit bei der Nachrichtenberichterstattung zu verbessern und technische Entwicklungen im Radio- und Fernsehbereich zu standardisieren. Es folgten erste Eurovisions-Sendungen und 1956 der erste Eurovision Song Contest.

Logo: EBUDie EBU trat 1950 die Nachfolge der schon 1929 gegründeten International Broadcasting Union (IBU) an, die allerdings von den Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg zur Überwachung des europäischen Rundfunks mißbraucht wurde und so danach das Vertrauen der Siegermächte verspielt hatte. Eine zwischenzeitlich gegründete International Broadcasting Organisation (IBO) mit Sitz in Prag existierte in seiner Gänze nur kurz: In Folge der Verstimmungen zwischen Ost und West wollten die westeuropäischen Länder keine Organisation mit Sitz in Prag. So entstand die EBU. Deutschland war am Anfang gar nicht dabei, stieß aber 1952 mit der ARD dazu.

Die Kuriositäten des Eurovision Song Contests nahmen schon zuvor ihren Lauf. So zählten schon zu Beginn der EBU die nordafrikanischen Staaten Marokko Tunesien und Ägypten sowie aus dem Nahen Osten der Libanon dazu. Es folgten weitere Länder die geografisch nicht zu Europa gehören. Wieso? Laut Artikel 3, Paragraph 3 der EBU-Statuten sind alle Länder der so genannten European Broadcasting Area (EBA) sowie Mitglieder des 1949 gegründeten Europarates bei der EBU betrittsberechtigt. Das Bedarf einer weiteren Erklärung: Welche Länder gehören eigentlich zur EBA und wie ist diese definiert?
 
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wieso Nordafrika und auch der Irak zu Europa gehören und welche Länder noch das Recht auf eine Teilnahme am Eurovision Song Contest haben...

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