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RAF-Ästhetik und Videotext: Literatur im TV

von Jürgen Grüger
30.09.2010 - 09:36 Uhr

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Kunst und Kultur sind nicht gerade die gefragtesten Medienthemen. Um so schwieriger wird es, wenn es um Literatur geht - denn wie inszeniert man die? "Druckfrisch"-Regisseur Andreas Ammer gab in Köln Einblicke.

Foto: PixelQuelle
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"Das Fernsehen ist das einzige Massenmedium, das keine eigene Kunstform hervorgebracht hat", lautete Andreas Ammers steile These während der Veranstaltung "Zwischen Warhole und 'The Wire' - Über Nähe und Distanz von Kunst im Fernsehen" bei der Cologne Conference, die in diesen Tagen in Köln stattfindet. Ammer zeichnet als Regisseur für die ARD-Lieratursendung "Druckfrisch" mit Denis Scheck verantwortlich.  Seine These zu Kunst und Fernsehen generell kann angesichts der Entwicklung eigener serieller Erzählformen im Fernsehen sicher kritisch hinterfragt werden.

Doch da es bei "Druckfrisch" um Bücher geht, sprach Ammer am Mittwoch vor allem über das geschriebene Wort und dessen Inszenierung im Fernsehen. "Die einzige Literatur, die im Fernsehen stattfindet, ist der Bildschirmtext", frotzelte Ammer. Anders als bei den Kunstformen Theater und Konzert, die man schlicht abfilmen könne, ist der TV-Zugang zur Literatur merklich schwieriger - und kann mal besser und mal schlechter gelingen. Allgemein beobachtet Ammer im Literaturfernsehen einen starken Hang zur roten Farbe, "entweder in den Sesseln oder im Wein".

 

Auch Hans-Joachim Kulenkampffs Vorlesesendungen im vergangenen Jahrhundert erschienen dem Regisseur nicht ideal und erinnerten ihn "an die Ästhetik eines RAF-Videos". Das Problem für Ammer, wenn es darum geht Schriftsteller und ihre Werke in Szene zu setzen: "Qua Beruf sitzen sie zwei bis drei Jahre allein daheim" - und müssten dann zum Verkaufsstart durch die Medien tingeln. Das gelingt aus Fernsehmachersicht nicht in jedem Fall. Aus diesem Grund verbiete man sich bei "Druckfrisch" entsprechende Homestorys - und postiert den Autor stattdessen mitsamt Moderator Scheck in die verschiedensten Szenerien - was teils eine eindringliche, teils eine absurde bis hochkomische Wirkung entfalten kann.

"Wir machen keine Kunst, wir machen Fernsehen", konstatierte Ammer. Dass damit dennoch kein Massenpublikum ansprechen kann, ist ihm bewusst. Für ihn ist es schon ein Erfolg, wenn seine Sendung nicht die mit den wenigsten Zuschauern am Sendetag ist. Mit dem Timeslot am späten Sonntagabend sende man "da, wo das normale ARD-Schema zu Ende ist". Ihm ist allerdings auch klar, dass bei einem anderen Sendetermin der Quotendruck ungleich größer wäre. "Mittwochs um 22:30 Uhr würde es uns nicht mehr geben", sagte Ammer am Mittwoch in Köln.

 

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