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Programmplanung

"Wenn man könnte, wie man wollte..."

von Jochen Voß
25.02.2011 - 13:42 Uhr

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"...dann würde ein Programm immer anders aussehen", sagt die Programmplanerin des Ersten. DWDL.de beleuchtet in den kommenden Tagen dieses so wichtige wie weitgehend unbekannte Feld und beginnt mit den Herausforderungen der ARD.

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„Programmplanerische Gründe“. – Eine Antwort, die Medienjournalisten oft entgegenschlägt, wenn sie nach den konkreten Ursachen für Verschiebungen und Veränderung im Programm fragen. Welche Gründe es konkret sind, ist eher selten zu erfahren. So ergeben sich viele Spekulationen und Mutmaßungen darüber, wie Programmplaner konkret zu Werke gehen. Anders als in anderen Bereichen des Fernsehens, handelt es sich schließlich um ein Berufsbild, über das wenig bekannt ist und über das es wenig Literatur gibt. Zudem ist das Vorgehen der großen Sender in diesem Bereich sehr unterschiedlich.

Neben dem jeweiligen Selbstverständnis der einzelnen Planer unterscheiden sich auch die strategischen Ausrichtungen der jeweiligen Planungsabteilungen. So hat in der Mediengruppe RTL Deutschland bei aller Abstimmung der Sender RTL, Vox und Super RTL unereinander jeder Kanal noch eine eigene unabhängige Planungsabteilung. Bei der ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH hingegen wird seit rund zwei Jahren gemeinsam für alle Sender der Gruppe geplant. Das hat Auswirkungen auf die jeweiligen Programmstrukturen.

Auch bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gibt es gravierende Unterschiede. Das liegt vor allem in der Struktur der einzelnen Häuser. Während das ZDF als Einzelsender sein Programm zentral in Mainz plant, erstellt und sendet, handelt es sich beim Ersten um ein Gemeinschaftsangebot der neun ARD-Anstalten. „Wenn man könnte, wie man wollte, würde ein Programm immer anders aussehen“, sagt Andrea Wich. Sie ist Leiterin der Programmplanung Das Erste, die in der Programmdirektion in München unter dem Dach des Bayerischen Rundfunks ihren Sitz hat. Wich spricht damit wohl allen Planern aus der Seele. Für die Arbeit bei der ARD jedoch gilt: "Sie müssen bessere Nerven haben als bei anderen Programmanbietern", so Wich.

Die Gründe dafür liegen in der inhaltlichen Ausrichtung und der organisatorischen Struktur des Ersten. Das ARD-Gemeinschaftsangebot versteht sich als „informationsorientiertes Vollprogramm“. Doch ein Regelprogramm setzt voraus, dass rechts und links nichts passiert, was selten der Realität entspricht. "Es gibt immer wieder Bereiche, die mehr Programmflächen brauchen, als ihnen das Programmschema formal zugesteht", sagt Wich. Information bedeutet auch Aktualität – und so würfeln kurzfristige Änderungen nicht selten ein fein säuberlich geplantes Schema um. Bei der ARD gilt das vor allem auch im Bereich der Sportrechte. Zum Beispiel beim Fußball und wichtigen Turnieren verfügt das Erste über viele Optionen, bei denen sie nicht immer das erste Zugriffsrecht hat. Da kann das Weiterkommen einer Mannschaft in einem Turnier schon mal für Wirbel im Programmplan sorgen.

Um größeren Problemen vorzubeugen, ist man bemüht, alle Eventualitäten bereits lange im Vorfeld zu bedenken – es allen recht zu machen ist dabei nicht immer leicht. So sorgte zum Beispiel die Programmierung von Wiederholungen der ersten Folgen der Serie „Mord mit Aussicht“ und die daran anschließende Erstausstrahlung neuer Folgen im vergangenen Frühjahr – rund um die Fußball-WM und mit einer Unterbrechung – für Unmut. Die Herausforderung lag darin, den neuen Folgen von "Mord mit Aussicht" einen optimalen Sendeplatz zu geben und gleichzeitig den pünktlichen Start der Serie "Weißensee" nicht zu gefährden. "Weißensee" sollte im Herbst mit großem PR- und Werbedruck anlaufen. Um den Termin zu halten, musste das Programm schon Monate im Voraus darauf abgestimmt werden – inklusive verschiedener Puffer für eventuelle aktuelle Ereignisse und Sportübertragungen.

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