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YouTube und die TV-Produzenten

Der Erfolg kommt durch die internationale Hintertür

von Torsten Zarges
03.12.2013 - 09:00 Uhr

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Die DWDL.de-Themenwoche "Neues Fernsehen" zieht Bilanz nach einem Jahr YouTube-Originalkanäle: Klassische TV-Produzenten haben das Reichweiten-Rennen gegen Profi-YouTuber verloren. Aber sie konnten Grundsteine zur Internationalisierung legen.

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Die Hoffnungen waren riesig - doch erfüllt wurden nur sie zum Teil. Im November 2012 hatte YouTube sein "Original Channels"-Programm auch in Deutschland gestartet und insgesamt 13 Originalkanäle per Vorschuss auf die erwarteten Werbeerlöse für ein Jahr finanziert. Davon fühlten sich neben Web-TV-Spezialisten auch manche klassischen Fernsehproduzenten auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern angezogen. Nach Ablauf des Jahrs ist ihnen klar: Die YouTube-Welt hat ihre eigenen Gesetze und lässt sich nicht so leicht erobern.

Offiziell gibt sich die Google-Tochter mit dem Experiment zufrieden, verlängert wurde das Programm jedoch nicht. Damit sind die Betreiber nun komplett auf sich allein gestellt. Für die TV-Produzenten stellt sich die Frage: Ist eine Fortführung wirtschaftlich tragbar? Und was hat das Jahr in strategischer Hinsicht gebracht? Im direkten Vergleich von Abo- und Abrufzahlen liegen sie noch immer weit hinter den angestammten YouTube-Profis zurück. Wenn überhaupt, kommt der Erfolg eher durch die internationale Hintertür.



"YouTube ist ein eigenes Ökosystem. Wer denkt, das sei wie Fernsehen, nur eben online, hat schon verloren", sagt Tobias Gerlach, Geschäftsführer von First Entertainment. Die Bavaria-Film-Tochter war mit "Onkel Bernis Welt" unter den Original Channels vertreten. "Da, wo beim TV für viele Produzenten die Arbeit endet, beginnt sie bei YouTube und anderen Plattformen erst wirklich", so Gerlachs Erfahrung. "Channel Management, Social Media, Vermarktung. Das ist ungemein spannend und lehrreich – auch für unser Kerngeschäft TV-Unterhaltung und Dokumentation."

Mit knapp 60.000 Abonnenten und knapp 18 Millionen kumulierten Abrufen steht First Entertainment nach einem Jahr besser da als die TV-Konkurrenz der Produktionsriesen UFA und Endemol. Mit "eNtR berlin" hat die UFA nur etwas über 13.000 Abonnenten und 1,6 Millionen Abrufe geschafft, mit "trigger" knapp 43.000 Abonnenten und rund 3,3 Millionen Abrufe. Endemol beyond konnte bei seinem "Survival Guide" mit 45.000 Abonnenten rund 5,7 Millionen Klicks einspielen, bei "ShortCuts" sind es 31.000 Abonnenten und 3,3 Millionen Abrufe, bei "what's for (b)eats?" 30.000 Abonnenten und 2,6 Millionen Abrufe.

Auch quantitativ sei er damit "sehr zufrieden", sagt Gerlach. "Wir hatten mit weniger gerechnet." Eine differenzierte Bilanz zieht Endemol-beyond-Chef Georg Ramme: "Natürlich sind wir bei den Views und Subscribern noch nicht da, wo wir sein wollten. Ein wesentlicher Grund ist, dass wir uns am Anfang an eine zu kleine Zielgruppe gerichtet haben. Seitdem wir die Channels konzeptionell überarbeitet haben, wachsen wir schnell. Wir haben gemerkt, dass wir trotz geringerer Views als andere Player sehr positives Feedback am Werbemarkt bekommen."

"Mit Ponk sind wir in der glücklichen Situation,
weiter Unterstützung von Google für unsere
Produktion zu erhalten"

Christoph Krachten, Mediakraft Networks


Wie richtig erfolgreiche Zahlen aussehen, hat Mediakraft Networks den klassischen TV-Machern vorgeführt. Deutschlands größtes Netzwerk von YouTubern schickte den Comedy-Kanal "Ponk" ins Rennen und brachte es u.a. mit Unterstützung von Y-Titty auf 490.000 Abonnenten - die einzige sechsstellige Zahl aller Originalkanäle - sowie etwas über 63 Millionen Abrufe, mehr als das Dreifache von "Onkel Bernis Welt". "Was Ponk so stark macht, ist die konsequente Einbeziehung der Community in die Entwicklung des Kanals, und zwar von Anfang an", sagt Mediakraft-Geschäftsführer Christoph Krachten. "Das honorieren nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Werbekunden, für die Ponk eine attraktive Plattform ist, um die junge Zielgruppe zu erreichen."

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