Game of Thrones © HBO
"Game of Thrones" im Schnelldurchlauf

Warum es RTL II mit seinen Serien so eilig hat

von Alexander Krei
11.02.2016 - 13:56 Uhr

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Wenn es um die Ausstrahlung seiner Serien geht, dann zündet RTL II regelmäßig den Turbo. So bekommen Fans von "Game of Thrones" die komplette fünfte Staffel innerhalb von vier Abenden serviert. Doch warum ist das eigentlich so?

Mit "The Walking Dead" oder "Game of Thrones" kann RTL II zwei der gefragtesten US-Serien sein Eigen nennen - so gesehen mutet es schon ein Stück weit paradox an, dass der Sender derzeit gar keinen festen Sendeplatz besitzt. Wenn es um die Programmierung seiner fiktionalen Aushängeschilder geht, zu denen sich ab der kommenden Woche mit "Gottlos" auch noch eine sehenswerte Eigenproduktion gesellen soll, dann muss RTL II seit einigen Jahren schon mit einer gewissen Regelmäßigkeit Mut zu Experimenten beweisen. So wie am bevorstehenden Wochenende, in dessen Mittelpunkt abermals der Eiserne Thron von Westeros steht.

Wer die zehn Folgen der fünften Staffel sehen möchte, muss sich gleich vier Abende am Stück freinehmen - weil RTL II einmal mehr die Turbo-Taste drückt und sämtliche Episoden zwischen Freitag und Montag über die Bühne bringen möchte. "Serien wie 'Game of Thrones' erinnern in Erzählweise und Produktionsqualität eher an mehrstündige Kinofilme. Deshalb suchen wir eine Balance zwischen den Erwartungen der Zuschauer und Werbekunden an eine gewohnte Programmstruktur und den Erfordernissen einer epischen Premiumserie und ihrer spezifischen Rezeption", erklärt Julian Krietsch, Bereichsleiter Programmplanung bei RTL II, im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de die Herausforderung bei der Wahl des Sendeplatzes.

Mit dem Prinzip der kompakten Ausstrahlung hat RTL II in den vergangenen Jahren durchaus gute Erfahrungen gemacht. Bei "The Walking Dead" hat sich dieses Prinzip schon mehrfach bewährt - und auch "Game of Thrones" wird nicht zum ersten Mal derart kompakt gesendet. "Im Jahr 2012 war RTL II mit 'Game of Thrones' der erste deutsche TV-Sender, der eine Serienstaffel an nur einem Wochenende als großes TV-Event ausgestrahlt hat", erinnert sich Krietsch. Im vorigen Jahr setzte der Sender dagegen auf eine wöchentliche Ausstrahlung der Serie, wenn auch im Doppelpack - und fuhr damit aus Quotensicht sehr respektabel. Warum also nicht auch diesmal? "Wir entscheiden jedes Jahr neu, abhängig von den üblichen Planungsparametern im Konkurrenzumfeld", erklärt der Programmplaner. "Weitere Entscheidungsfaktoren sind die jeweilige Zielgruppe, ihr typisches Sehverhalten, die Erscheinungstermine von DVDs und BluRays und vieles mehr." Die fünfte Staffel wird nun vor dem DVD-Release im Free-TV zu sehen sein.

Und doch stellt sich die Frage, ob die geballte Programmierung einer Serie dem Sehverhalten junger Zuschauer wirklich entgegenkommt, schließlich haben ja gerade sie häufig nicht jeden Abend Zeit, pünktlich um 20:15 Uhr vor dem Fernseher zu sitzen. Es ist eine Sorge, die Julian Krietsch nicht teilt. "Ein Event erzeugt als Programm-Highlight medial eine besondere Aufmerksamkeit und erreicht so auch Zuschauer, die sonst weniger TV schauen", sagt er gegenüber DWDL.de. "Qualitätsserien wirken so in besonderem Maße nachhaltig imagebildend für den Sender. Die Zuschauer freuen sich darauf. Dieser gemeinschaftsbildende Lagerfeuer- bzw. 'Talk of the Town'-Effekt ist heute bei der Überfülle digitaler Angebote selten geworden und entsprechend wertvoll."

Julian Krietsch
© RTL II

Julian Krietsch leitet bei RTL II den Bereich Programmplanung

In den USA ist "Game of Thrones" hingegen im klassischen Rhythmus mit einer Folge pro Woche zu sehen, was dem Erfolg der Produktion bekanntlich keinerlei Abbruch tut. Das deutsche Fernsehen funktioniert aber ganz offensichtlich nach anderen Gesetzen, besonders wenn es um die Ausstrahlung im Free-TV geht. "Eine Besonderheit ist das nach wie vor immens starke Angebot und die hohe Akzeptanz von Free-TV im deutschen Markt. Die Fülle der Sender und Formate machen es schwierig, bei Fiction mit komplexen Plots vom Start weg einen starken Einschaltimpuls zu setzen und diesen über eine langen Zeitraum zu erhalten", gibt Julian Krietsch zu bedenken. "Unser Ziel ist es, mit jeder neuen Programmierung ein Highlight zu setzen - für die Zuschauer und die Werbekunden. Das gelingt uns meistens sehr gut."

Bestärkt sieht sich der Sender aber auch in der Tatsache, dass die meisten Zuschauer nach wie vor live zuschauen. "Die zeitversetzte Nutzung über Festplattenrekorder oder die Mediatheken ist relevant, aber bislang nachrangig", betont der RTL-II-Mann. So ist es also zumindest momentan ganz offensichtlich noch weitgehend zu vernachlässigen, dass die komplette Staffel durch die eng getaktete TV-Ausstrahlung nur für wenige Tage online zum Abruf bereitsteht. Fans von "Game of Thrones" müssen sich also sputen, wollen sie die Reise nach Westeros nicht verpassen. Julian Krietsch hat die Turbo-Taste jedenfalls schon wieder fest im Blick.

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