Kai Ebel © RTL / Lukas Gorys
Silberhochzeit an der Rennstrecke

25 Jahre Formel 1 bei RTL: Verliebt wie am ersten Tag?

von Alexander Krei und Kevin Hennings
18.03.2016 - 16:25 Uhr

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Seit einem Vierteljahrhundert schreiten RTL und die Formel 1 Seit' an Seit' - die große Euphorie ist zwar verflogen, doch trotz rückläufiger Quoten ist die Königsklasse noch immer ein Erfolgsgarant. Was der Sender im Jubiläumsjahr plant...

Wenn ein Fernsehkonzern Sportrechte erwirbt, dann tut er das meist in der Gewissheit, nur für einen bestimmten Zeitraum Planungssicherheit zu haben. Dass Sportrechte den Besitzer wechseln, ist jedenfalls nichts ungewöhnlich in der Branche. Man erinnere sich bloß an die Champions League, die hierzulande in den vergangenen 20 Jahren nicht nur im ZDF zu sehen war, sondern auch bei RTL und Sat.1 - ganz zu schweigen vom Frauensender tm3, der sich Ende der 90er Jahre plötzlich als Fußballkanal verstand und die stattliche Summe von 850 Millionen Mark in die Übertragungsrechte der Champions League investierte.

So gesehen ist es in diesem Geschäft schon eine ganz besondere Beziehung, die RTL mit der Formel 1 verbindet. Der Kölner Sender ist nämlich nun schon seit 25 Jahren der exklusive Free-TV-Partner der sogenannten Königsklasse des Motorsports. Will man im Beziehungsbild bleiben, dann könnte man auch sagen: Die Silberhhochzeit steht an, auch wenn die Liebe streng genommen schon etwas länger währt. Nachdem der gerade gegründete Privatsender zwischen 1984 und 1988 schon einmal die Rechte hielt, stieg RTL im Juni 1991 nach einer kurzen Pause mit dem Grand Prix von Frankreich wieder in die Übertragungen ein - und zeigte seither ohne Unterbrechnung alle 429 Rennen live.

Dass die Übertragungen heute nicht mehr so aussehen wie damals, liegt freilich auf der Hand. "In diesem Vierteljahrhundert ist die Welt eine ganz andere geworden. Als wir 1991 wieder in die Formel 1-Übertragung einstiegen, gab es weder Handys noch Digitaltechnik, um nur zwei Beispiele zu nennen", gibt RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer gegenüber DWDL.de zu bedenken. "Heute senden wir unsere TV-Signale via Glasfasertechnik nahezu ohne Zeitverzögerung von Kontinent zu Kontinent. Das Schöne aber ist: der Kern des Sports hat sich nicht einen Deut verändert: Für die Rennen steigen tollkühne Männer in ihre fliegenden Kisten, fahren ihre Runden im Kreis und duellieren sich dabei mit waghalsigen Manövern. Am Ende wird der Schnellste im Feld als Sieger durchgewunken und darf sich und die anderen auf dem Podium anschließend mit Champagner begießen."

So einfach ist das also mit der Formel 1 - oder etwa doch nicht? Das Interesse der Zuschauer hat seit den goldenen Schumacher-Zeiten jedenfalls spürbar nachgelassen. Und obwohl Sebastian Vettel in der Zwischenzeit mehrere Weltmeistertitel holte und es daneben weitere Spitzenfahrer aus Deutschland gibt, gingen die Quoten weiter zurück. Saßen vor 15 Jahren im Schnitt noch mehr als zehn Millionen Zuschauern bei den Rennen vor dem Fernseher, so zählte RTL in der vergangenen Saison nur noch rund 4,2 Millionen Fans. Das reicht zwar in der Regel noch immer für weit überdurchschnittliche Marktanteile, doch wenn die Spannung nachlässt und der "Tatort" sonntags zur besten Sendezeit im Gegenprogramm zu sehen ist, dann sind eben auch mal weniger als zehn Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen drin.

Hoffnung auf mehr Spannung

Was also müssen Sender und Veranstalter tun, um das Interesse der Fans wieder zu erhöhen? "Wir werden uns hüten, anderen Playern Ratschläge zu erteilen", sagt Bolhöfer. "Alle Verantwortlichen wissen im Prinzip genau, welche Hausaufgaben sie zu erledigen haben. Grundsätzlich gilt: je verständlicher und erlebbarer - desto besser! Die TV-Quote selbst lebt ganz maßgeblich von der Spannung. Und wir sind optimistisch, dass die - anders als 2015 - in dieser Saison deutlich steigt. Die Voraussetzungen dafür scheinen Dank der auch von Niki Lauda sehr ernst genommenen Vettel-Offensive und des brisanten Mercedes-Duells zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg sehr gut zu sein."

Lauda ist übrigens seit nunmehr drei Jahren in seiner Doppelfunktion als RTL-Experte und Aufsichtsrats-Chef des Silberpfeile-Teams unterwegs. Inwiefern lässt sich da die nötige Neutralität gewährleisten, die die Zuschauer vor einem Experten erwarten? Weder seiner Neutralität noch den Erwartungen des RTL-Teams habe die Doppelrolle geschadet, betont RTL-Sprecher Bolhöfer. "Er würde das mit seiner gradlinigen, offenen und selbstkritischen Art auch niemals zulassen. Im Gegenteil: Wenn es Anlass zur Kritik am eigenen Team gibt, ist Niki meist der erste, der diese schonungslos vor der Kamera rauslässt. Genau das wertschätzen auch die Zuschauer und geben ihm dafür und für seinen Sachverstand sehr gute Noten."

Niki Lauda und Florian König
© RTL/Lukas Gorys

Bewährtes RTL-Personal: Experte Niki Lauda und Moderator Florian König

Und so setzt RTL vor der Kamera also auch im Jubiläumsjahr auf bewährte Köpfe. Moderator Florian König bleibt ebenso an Bord wie die beiden Kommentatoren Heiko Waßer und Christian Danner sowie Boxenreporter Kai Ebel, der also auch weiterhin seinen Hang zu bunten Hemden ausleben kann. Hinter den Kulissen soll indes aufgerüstet werden: Bereits beim Auftaktrennen an diesem Wochenende in Australien wird ein zusätzliches EB-Kamerateam eingesetzt, so dass nunmehr vier Teams vor Ort sind (zwei livefähige Funkkameras und zwei EB-Teams). Außerdem sind drei weitere Filmemacher, drei Cutter und zwei Archivare in Köln im Einsatz. Im Sendezentrum werden diese Mitarbeiter das gesamte Formel-1-Footage recherchieren und die Filmbeiträge schneiden.

Ebenfalls ihren Sitz haben wird dort zukünftig die Bild- und Tonregie. Die Verlagerung der Post-Live-Produktion von der Strecke nach Köln soll durch die Erweiterung der Bandbreite auf einer bewährten Glasfaserverbindung abgesichert werden - Nachteile sollen sich dadurch also nicht ergeben. Pünktlich zur neuen Saison setzt RTL darüber hinaus auf ein überarbeitetes Online-Angebot mit reichlich Bewegtbild. Neben Highlight-Videos zum Qualifying und Rennen wird es Clips mit exklusiven Fahrer-Interviews geben, sowie Hintergründe und Analysen, die speziell für das Netz produziert werden. Mit an Bord ist außerdem wieder der Schwestersender n-tv, der Sport1 bei der Übertragung des Freitags-Trainings ablöst - die Formel 1 bleibt im Free-TV somit in der Familie.

Sky arbeitet mit internationalen Kollegen zusammen

Gewaltiger als bei RTL sind unterdessen die Veränderungen beim Bezahlsender Sky, der die Formel 1 weiterhin ohne Werbeunterbrechungen ins Programm nehmen wird. Geplant ist hier nämlich erstmals eine enge redaktionelle und produktionstechnische Zusammenarbeit mit den Kollegen von Sky UK und Sky Italia, von der Fans zu Hause jedoch profitieren sollen. Neben einer gemeinsamen Produktion bei den Rennen vor Ort soll der Austausch zwischen den drei Redaktionen mehr aktuelle und exklusive Informationen bringen. Zudem sollen die Experten Damon Hill, Martin Brundle, Johnny Herbert und Jacques Villeneuve immer wieder in den Übertragungen von Sky Deutschland auftreten.

Auch die Interviews, die Natalie Pinkham für Sky UK und Federica Masolin für Sky Italia führen, werden bei Bedarf in die Live-Sendung von Sky Deutschland integriert. Als Moderatorin der deutschen Übertragungen fungiert Tanja Bauer, die weiterhin als Reporterin in der Boxengasse unterwegs ist. Am Mikrofon setzt der Bezahlsender dagegen auf Konstanz: Sascha Roos und Marc Surer kommentieren die Rennen im Pay-TV. Für Surer ist es schon die 21. Saison, in der er als Kommentator aus der Königsklasse berichtet. Vom Jubiläum, das RTL in diesem Jahr feiert, ist der Schweizer somit also gar nicht allzu weit entfernt.

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