Ben Tewaag gewinnt Promi Big Brother © Sat.1/Willi Weber
Kräftiger Quoten-Rückgang

5 Gründe, warum "Promi Big Brother" schwächelte

von Alexander Krei
17.09.2016 - 10:05 Uhr

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Sat.1 ist es in diesem Jahr nicht gelungen, mit "Promi Big Brother" eine große Euphorie auszulösen - obwohl oder vielleicht gerade weil man sehr stark auf das Erfolgsrezept der vorherigen Staffeln setzte. Was also muss sich 2017 ändern?

Ben Tewaag ist der Sieger von "Promi Big Brother", doch das Interesse der Zuschauer an der Realityshow hielt sich diesmal in argen Grenzen. Knapp zwei Millionen Zuschauer schalteten im Schnitt in den zurückliegenden beiden Wochen ein. Mit einem Marktanteil von knapp unter 13 Prozent in der Zielgruppe war die Produktion von Endemol Shine auf den ersten Blick zwar ein schöner Erfolg für Sat.1, doch bei genauem Hinsehen wird schnell deutlich, dass der Große Bruder im Vergleich zu den beiden vorherigen Staffeln deutlich Federn lassen musste.

Quoten-Entwicklung "Promi Big Brother" (Staffel 1 bis 4)

Quoten-Entwicklung Promi Big Brother
© DWDL.de

Quelle: DWDL.de-Recherche

Um rund fünf Prozentpunkte ging es alleine gegenüber der dritten Staffel nach unten. Damit ist "Promi Big Brother" inzwischen wieder auf dem Quoten-Niveau der enttäuschenden ersten Staffel angekommen, auch wenn der Show diesmal - anders als vor drei Jahren - diesmal zumindest ein massiver Abwärtstrend erspart blieb. Zufrieden ist man bei Sat.1 unterdessen vor allem mit Blick auf die Abrufzahlen im Netz: Über alle Plattformen hinweg verzeichnete "Promi Big Brother" nach Angaben des Senders rund 1,3 Millionen User pro Tag und steigerte die Zahl der Videoviews um 45 Prozent.

Doch woran liegt es, dass es "Promi Big Brother" nicht gelang, im linearen Fernsehen an die Erfolge der zurückliegenden Jahre anzuknüpfen? DWDL.de hat sich auf Spurensuche begeben...

Im September ist die Konkurrenz härter

Anders als in den beiden Jahren zuvor setzte Sat.1 diesmal nicht auf einen Start im August, was angesichts der Olympischen Spiele sicher nicht die schlechteste Entscheidung gewesen ist. Wie schon bei der ersten Staffel entschied sich der Sender stattdessem wieder für eine Ausstrahlung im etwas härter umkämpften September. Allerdings war die Konkurrenz am späten Abend keineswegs übermächtig, sodass diese Tatsache des späteren Beginns den Rückgang sicher nur zu einem kleinen Teil erklären kann.

Das Konzept hat sich abgenutzt

Die Aufteilung in Oben und Unten, mit der Sat.1 nach der alles in allem enttäuschenden ersten Staffel für einen deutlichen Aufschwung sorgte, hat sich zwei Jahre lang bewährt, sorgte im dritten Anlauf aber für zu wenige Überraschungen. Aus dem Keller eine Kanalisation zu machen, wirkte noch dazu beinahe schon lächerlich - schließlich dürften nur wenige Zuschauer geglaubt haben, dass der Sender seine Promis wirklich bei den Ratten hausen ließ. Für die Zukunft sind deshalb ganz dringend neue Impulse und Ideen gefragt.

Die Show wurde künstlich in die Länge gezogen

Laut Programmankündigung sollte "Promi Big Brother" täglich um 23:15 Uhr enden. Tatsächlich aber streckte Sat.1 seine Realityshow stets so sehr, dass Sixx zur Geisterstunde nahtlos mit seiner Late-Night-Show weitermachen konnte. Da wäre weniger vielleicht mehr gewesen, auch wenn auf diese Weise womöglich niedrigere Marktanteile drohten. Oder wirkten die regelmäßigen Verlängerungen im Gegenteil sogar eher abschreckend, weil sich in Wahrheit nicht jeder Zuschauer Tag für Tag bis Mitternacht auf den Großen Bruder einlassen wollte?

Sat.1 hat die "Bild" überschätzt

Während der Livestream aus dem "Promi Big Brother"-Haus in den zurückliegenden Jahren entweder bei Maxdome oder Sky zu empfangen war, setzte Sat.1 diesmal auf "Bild.de" als Partner. Das klingt erst mal gut, denn Springers Online-Portal berichtete auffällig viel über die Geschichten im Haus. Allein, sie drehten sich häufig um nackte Brüste. Zu häufig? Mag sein, dass Storys dieser Art für viele Klicks sorgen, doch auf manch potenziellen Zuschauer wirkte diese Themen-Auswahl womöglich eher abschreckend. Der TV-Quote hat die Kooperation jedenfalls nachweislich nicht geholfen.

Der Markt an Promi-Shows ist gesättigt

Der Dschungel öffnete zu Jahresbeginn zum zehnten Mal seine Pforten und mit dem "Sommerhaus der Stars" setzte RTL erst vor wenigen Wochen auf sein eigenes "Promi Big Brother". Natürlich bestehen Unterschiede zwischen den genannten Formaten, doch das Grundkonzept ist stets ähnlich gelagert. Gut möglich also, dass beim Publikum inzwischen einige Ermüdungserscheinungen eintreten - erst recht, wenn die Geschichten im Haus nicht allzu spannend sind. Umso wichtiger ist es daher, sich mit geschickten Kniffen positiv von der Konkurrenz abzuheben.

Fazit

Dass "Promi Big Brother" auch im nächsten Jahr wieder auf Sendung gehen wird, steht wohl außer Frage, wenngleich die offizielle Bestätigung von Sat.1 diesbezüglich bislang noch aussteht. Doch angesichts der überschaubaren Zahl an Formaten, die es schaffen, dem Sender regelmäßig zweistellige Marktanteile zu bescheren, führt vermutlich kein Weg an einer fünften Staffel vorbei. Zudem sorgt "Promi Big Brother" trotz des Quotenrückgangs noch immer für Einschalt-Impulse - mitunter konnte die Realityshow den Marktanteil im Vergleich zum Vorprogramm mehr als verdoppeln.

Und auch wenn der Sender selbst inzwischen auf einer niedrigeren Flughöhe unterwegs ist, so wird man bei Sat.1 sicher nicht restlos zufrieden sein mit der jüngst zu Ende gegangenen Staffel. Doch es besteht Hoffnung für Fans des Großen Bruders, schließlich folgte auf die schwache erste Staffel eine starke zweite Staffel, die mit zahlreichen Neuerungen aufwartete. Nach den diesjährigen Zuschauerverlusten ist daher davon auszugehen, dass im kommenden Jahr wieder deutlichere Veränderungen ins Haus stehen. Davon kann "Promi Big Brother" letztlich nur profitieren.

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