© Vox/Frank W. Hempel
"The trend can kiss my ass"

Warum "Grill den Henssler" zuletzt schwächelte

von Timo Niemeier
27.11.2016 - 16:10 Uhr

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Am Sonntag ging die aktuelle Staffel von "Grill den Henssler" zu Ende. Nach einem furiosen Start gingen Reichweiten und Marktanteile später zurück. Lag das an der starken Show-Konkurrenz oder doch am Format selbst? Und was sagt eigentlich Vox dazu?

Der Aufschrei unter den "Grill den Henssler"-Fans zum Start dieser Staffel ist groß gewesen: Es wurde ein neues Studio bezogen, die Regeln geändert und auch fast die gesamte Jury ausgetauscht. Nur Reiner Calmund bewertet auch weiterhin die Gerichte. Rund um das Aus von Heinz Horrmann gab es noch einmal viele Schlagzeilen, weil dieser sich angeblich ungerecht behandelt gefühlt hatte. Das alles war den alteingesessenen Fans des Formats zu viel, sie schrieben die Show aufgrund der vielen Änderungen schon vor dem Start der neuen Staffel nieder. Das muss man wissen, wenn man die teils sehr kritischen Töne von Zuschauern zur Show etwa in den sozialen Netzwerken liest.

Fakt ist: "Grill den Henssler" ist auch in Staffel acht ein gut gemachtes Format und grundsolide Unterhaltung. Und wenn dann mal wieder die Kritik aufkommt, dass Deutschland schon genug Kochshows hat - diese Annahme mag vielleicht stimmen - dann hat Vox dieses einzigartige Ass im Ärmel: Steffen Henssler. Während er bei seiner RTL-Zeit als "Restauranttester" seine Stärken nicht ausspielen konnte, blüht er in seiner eigenen Vox-Show so richtig auf. Das Urteil, das Hans Hoff bereits vor einem Jahr fällte, gilt auch heute noch: Steffen Henssler ist ein Rock’n’Roller, ein toller Performer. Und daher kommt es bei "Grill den Henssler" gar nicht so sehr auf die zubereiteten Speisen an, es geht um den Wettbewerb zwischen Henssler und den Promis.


Es geht um die Wortgefechte, die sich der Starkoch mit seinen Gästen liefert und um die kleinen Spitzen, die Moderatorin Ruth Moschner zwischendurch immer wieder einstreut. Da die Promis in aller Regel keine Chance gegen Henssler in den Kochwettbewerben haben, treten sie zwischendurch zudem immer in kleinen Wettkämpfen gegen den Star der Sendung an. Die Spiele sind meist sehr einfach gehalten, so müssen Henssler und die Kandidaten etwa so schnell wie möglich Brötchen reiben, um Paniermehl zu erhalten. Dass einfache Spiele aber nicht den Unterhaltungsfaktor trüben, wissen wir alle spätestens seit "Schlag den Raab". Die Show hat ihre besten Momente dann, wenn sich Henssler über Kandidaten wie Frank Buschmann lustig macht, weil dieser bei dem genannten Wettkampf zunächst keinen Handschuh tragen will, nur um dann später selbst mit blutigen Fingern dazustehen.

Die vielen Änderungen zum Start der Staffel machen die Show nicht weniger unterhaltsam. Auch nicht die neue Jury, auf die es aber ohnehin nicht ankommt. Neu-Juror Gerhard Retter liefert sich ab und zu nette Wortgefechte mit Reiner Calmund, der inzwischen im Rollstuhl an den Tisch geschoben werden muss. Der Food-Bloggerin Hannah Schmitz merkt man die Nervosität und ihre Unerfahrenheit vor Kameras oft noch an. Die Jury ist in Ordnung und nichts Besonderes - das war sie aber auch vorher nicht. Das sieht das Konzept der Sendung nicht vor und das ist auch gut so.

Dass Vox die Show inzwischen bis 23:20 Uhr streckt, ist vor allem den guten Quoten geschuldet. Doch hier muss der Sender aufpassen, in Zukunft nicht zu langatmig zu werden. Teilweise ist der erste Werbeblock noch während den ersten 15 Minuten und damit noch während des Impro-Gangs zu sehen. Das dürfte vielleicht auch ein Grund dafür sein, weshalb die Reichweiten und Quoten im zweiten Teil der Staffel zurückgegangen sind. Insgesamt hat "Grill den Henssler" trotz seiner knapp dreistündigen Laufzeit aber nur wenige Längen.

Auch bei den prominenten Kandidaten findet Vox oft eine interessante Mischung, die einzelnen Gäste wiederholen sich nur selten. Eine Ausnahme ist hier das Vox-Gesicht Detlef Steves, der inzwischen schon sieben Mal zu Gast war, also etwa ein Mal pro Staffel. Teilweise schraubt Vox sogar etwas am Konzept und lässt Steves mit Henssler zusammen kochen - wortwörtlich. Die beiden steckten schon zusammen in einer Jacke und mussten so ein Gericht zubereiten. Ähnlich wie Henssler ist Steves ein Unterhalter, mit ihm in der Sendung bekommt die Show einen ganz anderen Drive. Nicht umsonst hat die "Süddeutsche Zeitung" gerade erst über Steves berichtet und ihn als "Maul des Volkes" und "überdurchschnittlich durchschnittlich" bezeichnet.

Langzeittrend: Grill den Henssler
Grill den Henssler

Und dann wären da noch die Quoten. Die zweite Folge der aktuellen Staffel erreichte 2,66 Millionen Menschen und damit einen neuen Rekord. In den ersten drei Wochen erzielte "Grill den Henssler" sehr starke zweistellige Marktanteile beim jungen Publikum. Dann jedoch brachen die Werte ein: Teilweise fiel die Show auf weniger als zwei Millionen Zuschauer, zuletzt lag man nur knapp darüber. Von zweistelligen Marktanteilen ist man seit Ende Oktober weit entfernt. Und der Schuldige ist schnell gefunden: Sat.1 zeigt seit einiger Zeit sehr erfolgreich "The Voice of Germany" am Sonntag. War Vox lange Zeit der einzige Sender, der am Sonntag auf Shows gesetzt hat, muss man sich nun gegen eins der erfolgreichsten Formate überhaupt behaupten. Hier wechselten definitiv einige Zuschauer die Seiten und sahen sich lieber die Castingshow an.

Um dieses Problem weiß man natürlich auch bei Vox. "Der Sonntagabend ist traditionell hart umkämpft – Gegenprograme wie der Jubiläums-’Tatort’ und die Castings von ‘The Voice’ haben die Konkurrenzsituation aber mit Sicherheit noch etwas verstärkt und uns ein paar Zuschauer gekostet", erklärt ein Vox-Sendersprecher auf DWDL.de-Nachfrage. "Das werden wir uns – auch im Hinblick auf eine mögliche neue Staffel – natürlich nach Staffelabschluss nochmal mit allen Beteiligten in Ruhe anschauen." Insgesamt sei man mit dem Abschneiden der Show "absolut zufrieden".

Gegenprograme wie der Jubiläums-’Tatort’ und die Castings von ‘The Voice’ haben die Konkurrenzsituation mit Sicherheit noch etwas verstärkt und uns ein paar Zuschauer gekostet.

Vox-Sendersprecher

Eine neue Staffel ist also noch nicht fixiert. Wenn alles normal läuft, dürfte es aber auf jeden Fall weitergehen. Denn auch wenn die Quoten zuletzt gesunken sind, ist "Grill den Henssler" nach wie vor ein guter und verlässlicher Quotenbringer für Vox. Im Schnitt liegt die achte Staffel der Show derzeit bei 9,6 Prozent Marktanteil und damit noch weit über dem Vox-Senderschnitt. Die letzte volle Staffel im Frühjahr erreichte noch 10,5 Prozent. Trotz der verschärften Konkurrenzsituation fiel keine Folge der aktuellen Staffel in den roten Bereich, auch wenn die gesunkenen Werte natürlich genauestens analysiert werden müssen. Im Frühjahr 2017 könnte Vox testen, wie sich "Grill den Henssler" ohne "The Voice" im Gegenprogramm schlägt.

"Es wurde in dieser Staffel ja so einiges geändert, und ob wir wirklich alles richtig gemacht haben, das entscheiden am Ende die Zuschauer", sagt Ruth Moschner in der letzten Folge der aktuellen Staffel. Und auch wenn einige eingeschworene Fans das vielleicht anders bewerten mögen: "Grill den Henssler" ist nach wie vor ein richtig starkes Format. Der Quotentrend zeigt derzeit aber eher nach unten, was vor allem dem starken Show-Gegenprogramm geschuldet ist. "The trend is not my friend, but the trend can kiss my ass", sagte Steffen Henssler in dieser Staffel, angesprochen darauf, dass er die letzten Ausgaben nicht mehr gewinnen könnte. Es könnte aber auch ein gutes Motto für Vox sein: Weiter konsequent an der Show arbeiten und sich nicht plötzlich aufkommender Konkurrenz verrückt machen lassen.

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