Mit den Relegationsspielen befindet sich die Fußball-Bundesliga derzeit in den Endzügen der Saison, da meldet sich nun auch die Formel 1 zurück - ohne Zuschauer vor Ort, dafür mit einem veränderten Rennkalender. Fast vier Monate später als geplant nimmt die Königsklasse des Motorsports also ihren Betrieb auf, zunächst mit zwei Rennen im österreichischen Spielberg. Doch für RTL wird es längst nicht nur wegen Corona eine besondere Saison werden: Seit wenigen Tagen steht fest, dass es nach fast drei Jahrzehnten die vorerst letzte ist, die der Kölner Privatsender übertragen wird.

"Der Wettbewerb um die TV-Rechte hat sich verändert, den Markt teils überhitzt und damit den durchaus ambitionierten, dennoch wirtschaftlich vertretbaren Rahmen verlassen, den wir uns gesteckt haben", begründete RTL-Chef Jörg Graf den schmerzlichen Rückzieher, der es vom kommenden Jahr an dem Pay-TV-Sender Sky ermöglicht, einen Großteil der Rennen hinter der Bezahlschranke verschwinden zu lassen.

Besonders bitter für das RTL-Team: Rennluft werden in den kommenden Wochen wohl nur die wenigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnuppern können, schließlich darf der Sender bloß mit einem kleinen Team vor Ort sein - ohne derartige Sicherheitsmaßnahmen wäre der Start der Formel-1-Saison gar nicht erst möglich gewesen. Und so werden sowohl Moderator Florian König und seine Experten Nico Rosberg und Timo Glock als auch die Kommentatoren Heiko Waßer und Christian Danner das Geschehen von der Kölner Sendezentrale aus verfolgen. Wo Nitro sonst seine Fußballshow "100% Bundesliga" produziert, wird König nun die Formel 1 präsentieren.

Florian König© imago images / Nordphoto
"Natürlich wird diese Saison etwas aus dem normalen Rahmen fallen", sagt der Moderator gegenüber DWDL.de. "Eine Studiosendung scheint momentan alternativlos, unter den herrschenden Einschränkungen gibt uns diese Konstellation einfach mehr Möglichkeiten, eine optisch, inhaltlich und stimmungsmäßig gute Sendung zu produzieren." Immerhin erlauben es die redaktionellen Rahmenbedingungen jedoch, dass RTL an der Rennstrecke zwei Funkkameras einsetzen kann. Und auch die beiden Reporter Kai Ebel und Felix Görner werden vor Ort sein, um "streng reglementierte Interviews" zu führen, wie RTL es nennt.

Vor allem für Ebel dürfte es eine ungewohnte Erfahrung werden. "Ich habe als Boxenreporter immer davon gelebt, dass ich mich frei bewegen und improvisieren konnte. Nun muss ich halt Dienst nach Vorschrift machen und mich genau dahin stellen, wo ich hinbeordert werde", erklärt der Reporter. "Das ist eine Situation, die für mich zunächst einmal höchst ungewohnt ist."

Was er damit meint, machte Ebel gerade in einem RTL-Interview deutlich. "Es gibt so viele Regularien, dass sie in einem mehrseitigen Papier zusammengefasst sind. Es herrscht Maskenpflicht, zudem müssen wir den kompletten Tag Buch führen, mit wem wir Kontakt hatten", so das RTL-Urgestein, der diesmal selbst mit dem Auto anreisen wird anstatt in den Flieger zu steigen. "Alles ist streng reglementiert, ein bisschen habe ich das Gefühl, zur Berichterstattung an die Front zu fahren." 


Generell ist jedoch fraglich, ob sich aus Sicht der Zuschauer während des Rennens viel ändern wird - die Stille rund um die Strecken dürfte angesichts des Motorenlärms jedenfalls nicht sonderlich ins Gewicht fallen. "Diese Situation ist für alle Beteiligten völlig neu, wir sind selber gespannt", räumt RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer ein. "Aber anders als zum Beispiel beim Geister-Fußball ist es an der Rennstrecke per se auch ohne Zuschauer viel lebendiger. Die Bilder vom Gewimmel in der Startaufstellung, der Choreographie der Crews beim Reifenwechsel und der Bergung demolierter Boliden waren schon immer ein faszinierender Part in der Gesamtinszenierung Formel 1. Diese atmosphärische Dichte bleibt ja unberührt."

Bleibt abschließend noch die Frage, welche Quotenziele sich RTL für seine letzte Formel-1-Saison gesetzt hat. "Natürlich hoffen wir auf ein starkes Interesse nach dieser monatelangen Startverzögerung", sagt Bolhöfer im Gespräch mit DWDL.de. "Aber wir sind lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass jede Quotenprognose unseriös wäre. Je enger es im Titelkampf zwischen Hamilton, Vettel, Verstappen und Co. wird, desto besser."

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