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Mittendrin statt nur dabei?

Blamable Leistung des DSF bei Klinsmann-Entlassung

von Thomas Lückerath
27.04.2009 - 15:19 Uhr

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"Das DSF ist eine der profilstärksten TV-Stationen, die dem stetig wachsenden Interesse an Nachrichten aus der Welt des Sports Rechnung trägt“. So zumindest sieht sich das DSF selbst. Doch bei der Entlassung von Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann hat der Sender eine blamable Leistung hingelegt. Inklusive Update vom Abend

Logo: DSFAm Montagvormittag gegen 11 Uhr vermeldete Bild.de die Entlassung von Trainer Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München und keine halbe Stunde später bestätigte der Verein die Meldung. Das Thema wurde in kürzester Zeit Topmeldung aller Nachrichten-Websites, Thema bei n-tv und N24 und wenig später auch Thema bei ARD, ZDF und RTL. Nur ein Medium berichtete nicht: Das Deutsche Sportfernsehen. Beim DSF gab es weder im Programm noch auf der Website eine Information über die Entlassung Jürgen Klinsmanns.

Stattdessen gab es reguläres Programm. Und das bedeutet beim Deutschen Sportfernsehen mittags Teleshopping. Statt Informationen zur Sportmeldung des Tages bekam der Zuschauer Handys, „Welthits auf Gitarre“, das 4er-CD-Set „Feiern macht sexy“ oder auch Damenbart-Rasierer angeboten. Doch dann kam sie noch - eine Eilmeldung. DSF-Zuschauer erfuhren per Ticker: „Achtung! Zweites Messerset gratis“. Von Klinsmann jedoch weiter keine Spur.
 

 
Auf Nachfrage beim DSF kündigte ein Sprecher die Übertragung der Pressekonferenz des FC Bayern München um 14 Uhr an. Dem DSF-Zuschauer oder Nutzer der Website DSF.de wurde das aber konsequenterweise nicht verraten. Erst um 13.40 Uhr, über zweieinhalb Stunden nach der ersten Meldung von Bild.de, informierte das DSF auf seiner Website über die Personalie des Tages. Und wie? In einem 22-sekündigen Clip mit Archiv-Bildmaterial verrät ein Sprecher aus dem Off in aller Kürze, was anderswo längst ausführlicher zu lesen war.

Um 14 Uhr unterbrach das DSF dann tatsächlich sein Teleshopping-Programm für die Übertragung der Pressekonferenz des FC Bayern München, gefolgt von einem kurzen Beitrag über die Ereignisse des Tages bevor um 14.30 Uhr das Teleshopping-Programm fortgesetzt wurde. Immerhin: Der Sprecher aus dem Off kündigte an, dass man aufgrund "DER Sportmeldung des Jahres 2009" (O-Ton) schon um 18 Uhr statt 18.30 Uhr mit „Bundesliga Aktuell“ auf Sendung gehe.

"Mehr als 50 festangestellte und über 150 freie Redakteure liefern tagesaktuelle Nachrichten aus der Welt des Sports in die Zentrale in München, in der daraus kompakt und kompetent die Nachrichtenformate DSF Aktuell und Bundesliga Aktuell entstehen oder in die jeweiligen TV-Magazine sowie das Online-Angebot des DSF einfließen“, heißt es auf der Website des DSF. An diesem Montagmittag merkte man davon nicht viel.
 
Nachtrag 21.00 Uhr: Auch zehn Stunden nach den ersten Meldungen über die Entlassung von Klinsmann beim FC Bayern München und gut sieben Stunden nach  einem 22-sekündigen Videoschnipsel zu der Sportmeldung des Tages bietet das DSF auf seiner Website keinerlei weitere Informationen an. Aktuelle News sind auf DSF.de völlige Fehlanzeige. So bleibt es auch am fortgeschrittenen Abend bei 22 Sekunden Kurzinformation mit Stand von 13.40 Uhr.

"Top-aktuelle News und Interviews rund um die Bundesliga und die 2. Liga sind damit unter www.dsf.de künftig schon vor der Ausstrahlung im TV zu sehen", versprach das DSF beim aufwändigen Relaunch seines Online-Auftritts im August 2008. Und DSF-Geschäftsführer Oliver Reichert betonte die neue Bedeutung der Website für das DSF: "TV- und Online-Medien werden sich in Zukunft immer weiter annähern und als gleichwertige Komplementäre nebeneinander existieren." Eine Vision, die am Montag vom DSF sehr fragwürdig umgesetzt wurde: Man hat einfach auf beiden Plattformen komplementär versagt.

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