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TV im Web

Das falsche Verlangen nach einem deutschen Hulu

von Thomas Lückerath
27.07.2009 - 23:28 Uhr

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In Artikeln und auf Medienkongressen wird immer wieder das amerikanische TV-Portal Hulu.com als Vorbild für die Verbreitung von TV-Content im Web genannt und diskutiert. Meist läuft es auf die Frage hinaus: Wo bleibt das deutsche Hulu.com? Doch dieser Wunsch hat einen eklatanten Denkfehler. Ein Kommentar...

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Hulu.comIn den USA ist die Zukunft des Fernsehens im Internet geklärt und eine Lösung schon gefunden: Hulu.com ist seit zwei Jahren der Shootingstar unter den amerikanischen Internetportalen und beweist, wie simpel der Erfolg von TV-Formaten im Web sein kann. Während ein Angebot wie Joost erfolglos versuchte aus Fernseh-Content eine interaktive Spielerei zu machen, die abgesehen vom optischen Wow-Faktor und Gesprächsstoff für einige Mediengipfel jedoch weder attraktiv noch praktikabel war, zeigt Hulu.com, dass die Zukunft des klassischen Fernsehens im Web-Zeitalter keine Frage der spektakulären Technik ist.

Es ist eine Frage des Willens. Der Erfolg von Hulu.com ist der Weitsichtigkeit und Vernunft der amerikanischen Fernsehsender geschuldet. Sie haben sich von der in Deutschland immer noch vorherrschenden Angst befreit, bei einem Gemeinschaftsportal möglicherweise nicht mehr prägnant als Absender einzelner Sendungen erkennbar zu sein und verbreiten ihren Content neben der eigenen Sender-Website auch via Hulu.com. Anfangs waren nur die beiden Networks NBC und Fox dabei. Seit diesem Frühjahr hält auch ABC/Disney Anteile an dem Portal und stellt TV- und Film-Inhalte online.
 

 
Die sind für US-amerikanische Internetnutzer auf Hulu.com komplett kostenlos nutzbar. Egal ob TV-Episoden oder ganze Kinofilme. Finanziert wird das Angebot durch Unterbrecher-Werbung, die nicht übersprungen werden kann. Diese gelernte und vertraute Werbeform akzeptiert man als Nutzer in der Praxis gern. Schon allein aus Dankbarkeit, endlich ein zentrales Portal zu haben, das sich auch noch einfach und problemlos benutzen lässt. Ganz im Gegenteil zum peinlich gehypten Joost ist Hulu.com simpel. Neben den eigentlichen Inhalten gibt es noch ein paar 2.0-Features wie etwa die Einbindung von ganzen Serienfolgen oder Filmen in Blogs und eine Kommentarfunktion. Damit ist aber Schluss.

Die Optik ist in beispielhafter Weise klar und aufgeräumt. So aufgeräumt, dass die Absender der TV-Sendungen eben nur noch am Rande erwähnt werden. Stört es die amerikanischen Fernsehsender? Nein, es stört sie nicht. Hulu.com bringt Geld. Hier lassen sich inzwischen höhere TKPs erzielen als im Fernsehprogramm, weil die Zuschauer eines Formats bei Hulu.com aktiv auf die Seite gehen und gezielt ihr Format auswählen. Die Aufmerksamkeit des Online-Nutzers damit als höher gewertet werden kann als im klassischen Fernsehen. Wenn in Krisenzeiten Geld lockt, dann sind Absender-Fragen nur eine Detailfrage am Rande.

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