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DWDL.de-Kommentar

Das klägliche Versagen von ARD & ZDF im Fall Ägypten

von Thomas Lückerath
31.01.2011 - 06:54 Uhr

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Nach Tunesien jetzt Ägypten: Erneut stemmt sich ein Volk gegen ein diktatorisches Regime und die Welt schaut zu. Nur die deutschen TV-Sender nicht. Die lieferten am Wochenende einen journalistischen Totalausfall von beschämendem Ausmaß.

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Blicken wir doch einfach mal auf das Programm vom Wochenende. DasErste widmete sich dem Thema Ägypten nach einem gerade mal zehnminütigen "Brennpunkt" am Freitagabend am Samstag erstaunlicherweise zunächst einmal so gut wie gar nicht. Abgesehen von den geplanten Nachrichtensendungen gab es offenbar nicht das Gefühl, sich den sich überschlagenen Ereignissen irgendwie widmen zu müssen. Am Sonntag war der Aufstand in Ägypten zwar immerhin Thema im "Presseclub" am Mittag und "Weltspiegel" am Vorabend. Zur Primetime aber wollte man das Comeback des "Schimanski" dann doch lieber nicht für einen "Brennpunkt" verschieben.

Es ist nicht das erste Mal, dass die ARD hier merkwürdige Prioritäten beweist. Bei den Terroranschlägen von Mumbai im Herbst 2008 zog man die geplante "Bambi"-Preisverleihung einer aktuellen Berichterstattung vor. Im vergangenen Frühjahr wiederum war der verletzte Knöchel von Michael Ballack gleich eine Sondersendung nach der "Tagesschau" wert - wenn auch als "Sportschau Extra" gebrandet. Anne Will talkte gleich im Anschluss an den "Tatort" gestern übrigens lieber über Karl-Theodor zu Guttenberg.

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Schwacher Trost für die ARD: Das ZDF bot ein genauso schwaches Bild am Wochenende. Eine 25-minütige Sondersendung am frühen Samstagabend um 18.35 Uhr war alles, was das ZDF abseits seiner regulären Nachrichtensendungen journalistisch zum Thema Ägpyten auf die Beine gestellt bekam. Der Sendeplatz hat noch dazu einen fiesen Beigeschmack: Denn damit die Familienserie "Da kommt Kalle" und der Krimi "Stubbe - Von Fall zu Fall" nicht verschoben werden müssen, platzierte man die Sondersendung unüblicherweise vor den "heute"-Nachrichten um 19 Uhr. Da störte sie weniger.

Am Sonntag war man in Mainz von den Ereignissen in Ägypten dann gleich völlig unbeeindruckt und informierte zwischen Wintersport, Melodram und spätem Krimi nur in den wie üblich am Sonntag gekürzten Nachrichtenformaten. Eine unverständliche Programmentscheidung. Und es reicht einfach nicht, wenn man darauf verweist, dass online oder etwa bei Eins Extra berichtet wurde. Was ARD und ZDF am Wochenende geboten haben, erschüttert weitaus mehr als die gewohnt spärliche Live-Berichterstattung der privaten Nachrichtensender in solchen Fällen, die man idealerweise eh gleich zu Gunsten der internationalen Nachrichtenkanäle überspringt.

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