Inka! © ZDF/Jule Roehr
DWDL.de-TV-Kritik

"Kein Zurück mehr": Bause, Kühe, Sensationen

von Alexander Krei
02.09.2013 - 16:50 Uhr

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Während sie bei RTL Bauern verkuppelt, lässt Inka Bause im ZDF nun Kühe frisieren - durchaus konsequent, könnte man meinen. Leider ist die neue Show im Nachmittagsprogramm so belanglos wie sich all das liest. Die TV-Kritik...

Im Herbst beginnt bereits die neunte Staffel von "Bauer sucht Frau". Viel zu sagen hatte Inka Bause in der Sendung eigentlich nie. Seit jeher beschränkt sich ihre Aufgabe in der Regel darauf, am Anfang und am Ende jeder Ausgabe nett zu lächeln, ein paar wenige Sätze in die Kamera zu sprechen und auf das Telefongewinnspiel hinzuweisen. Doch irgendjemand muss beim ZDF in diesen kurzen und vor allem nichtssagenden Auftritten so viel Personality ausgemacht haben, dass Bause seit dieser Woche mit einer täglichen Talkshow im ZDF-Nachmittagsprogramm zu sehen ist, die sogar ihren Namen trägt.

Nun gut, ein gewisses Talent, die Menschen zu unterhalten, kann man Inka Bause nicht absprechen. Mit einem breiten Dauergrinsen ausgestattet, könnte sie vermutlich sogar dem Papst ein Doppelbett verkaufen - oder dem ZDF-Intendanten ein neues Nachmittagsformat andrehen. Bause mag jedenfalls ausnahmslos jeden, kommt schnell mit anderen ins Gespräch und ist daher wohl tatsächlich für die Moderation einer solchen Sendung geeignet, wie sie seit Montag auf dem bisherigen "Topfgeldjäger"-Sendeplatz ausgestrahlt wird.

Allein: "Inka!", so der Titel des Formats, ist leider derart langweilig, dass man sich beinahe schon einen wie Jürgen Fliege ins Nachmittagsprogramm zurückwünscht. Dessen ARD-Sendung war einst zwar ebenso unguckbar - nur herrschte dort zumindest die meiste Zeit über Ruhe. Nicht so bei "Inka!". Dort ist schon das Logo derart grell gestaltet, dass man sich kurzzeitig schon im Programm von Viva wähnt. Vom schrillen Jubel des ausgeflippten Publikums ganz zu schweigen. Das gerät schon in Extase, wenn Inka Bause nur kurz Hallo sagt. "Es gibt kein Zurück mehr", gluckst die Moderatorin und fügt schnell hinzu: "Ohne Spaß geht's bei Inka schon gar nicht." Klar, dass das Publikum schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Sendung völlig aus dem Häuschen ist.

Den Spaß-Begriff hat man bei der Premieren-Ausgabe dummerweise jedoch ziemlich weit ausgedehnt. Gabi Decker, Udo Walz und Hollywoods Mega-Star Ralf Moeller durften ein paar Promi-Frisuren bewerten und eine junge Frau sprach im weiteren Verlauf der knapp einstündigen Show über ihren Liebsten, den sie einst bei einem Urlaub in Indonesien kennenlernte und dort fast ausschließlich oberkörperfrei durch die Straßen laufen sieht. So weit, so langweilig. Wem diese Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten noch nicht weit genug ging, hat allerdings MC René noch nicht gesehen. Der wohnt in Wagons der Deutschen Bahn, besitzt einen Koffer namens Steve und ist felsenfest davon überzeugt, rappen zu können - was er dann auch unweigerlich auf Inkas Sofa tat.

Und dann war da auch noch der Kuh-Friseur, der außerhalb des Studios einem Rindvieh zunächst die Haare kämmte und zu guter Letzt den Euter mit Babyöl einschmierte. Unnötig zu erwähnen, dass Rolanda - so heißt das arme Tier - am Ende auf einen roten Teppich gestellt wurde und sich nun "Miss Inka 2013" nennen darf, wie eine Scherpe brandmarkt. Das hat die Kuh nun wirklich nicht verdient. Fraglich ist im Übrigen auch, wer eine Talkshow wie diese verdient. Aber gut, wir wollen nach der ersten Ausgabe nicht zu streng sein. Womöglich kann Inka Bause in den kommenden Tagen und Wochen ja doch noch so etwas wie Tiefgang auftreiben. Nicht, dass Rolanda schon bald ihren nächsten Auftritt am ZDF-Nachmittag haben wird - im Backofen der zurückgekehrten "Topfgeldjäger".

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