Ewige Helden © VOX / Stephan Pick
DWDL.de-TV-Kritik zu "Ewige Helden"

Dabei sein ist alles, aber Gewinnen noch schöner

von Peer Schader
02.02.2016 - 23:51 Uhr

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Zehn frühere Leistungssportler treten in spielerischen Wettkämpfen gegeneinander an und blicken gemeinsam auf ihre größten Erfolge zurück. Mit "Ewige Helden" hofft Vox auf den nächsten Showerfolg. Dafür hat sich der Sender einiges bei "Sing meinen Song" abgeschaut.

Nur gesungen hat keiner. Obwohl das auch nicht weiter verwunderlich gewesen wäre, da auf der Wippe unter der eiskalten Dusche, die gleich für den ersten Wettkampf am spanischen Strand aufgebaut worden ist. Schließlich hat sich Vox für seine neue Reihe "Ewige Helden" ziemlich offensichtlich von der eigenen Erfolgsshow "Sing meinen Song" inspirieren lassen: Prominente treffen in freundschaftlicher Atmosphäre unter der Sonne Spaniens aufeinander und blicken gemeinsam auf entscheidende Punkte ihrer Karriere zurück. Bloß dass es diesmal keine Musiker sind, sondern frühere Spitzensportler, die auch noch eine Mission haben: den Wettkampf mit den anderen "Ewigen Helden" zu gewinnen.

"Nur einer kann am Ende der Beste der Besten werden", hat Moderatorin Ruth Moschner gleich zu Beginn klargestellt, nachdem sie von ihrem Team Jon-Bon-Jovi-haft auf einem Steinbrocken in einem andalusischen Felsenmeer augesetzt wurde. "Wer wird der Champion des Champions?" Beziehungsweise für alle, die ein bisschen schwer von Verstand sind und gerade erst von RTL rübergeschaltet haben: "der König oder die Königin der Athleten"?

Das blöde Wettkampf-Gerdröhne, das Moschner nach dem Intro nahtlos an den Off-Sprecher weitergestaffelt hat, ist glücklicherweise schon das Nervigste an "Ewige Helden". Die übrige Sendung ist ein einziger Sympathieangriff aufs Publikum, eine Mischung aus Sportspielen und bewegtem Karriere-Diaabend, bei der – zumindest in der ersten Folge – keinerlei Verbissenheit Platz hatte. Sondern vor allem Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme. So viel, dass Dieter Bohlen vom Zuschauen ganz schwindelig würde.

"Das ist im Sportler so drin!"

Weltrekord-Schwimmerin Britta Steffen, Fußball-Weltmeister Thomas Häßler und Weitspringerin Heike Drechsler gehören zu den bekanntesten Gesichtern des Casts. Zehnkämpfer Frank Busemann explodiert fast vor Ehrgeiz und Kampfgeist. Und Diskuswerfer Lars Riedel erklärt, woher seine unbedingte Wettbewerbslust kommt: "Das ist im Sportler so drin!"

Was im Sportler sonst noch so drin ist – Ausdauer, Strategie, Durchhaltevermögen –, prüft Vox nun in wöchentlich wechselnden Disziplinen, die auf den ersten Blick einen arg läppischen Eindruck machen (Steinestapeln?) und zum Teil in epischer Breite vor- und nachbereitet werden. Trotzdem kriegt's "Ewige Helden" hin, dass sich das Mifiebern zuhause auf dem Sofa nicht vermeiden lässt. Das hat zwei Gründe.

Ewige Helden
© VOX / Simon Hecht

Der erste ist die ausgeklügelte Inszenierung. Den Balancier-Battle zwischen Britta Steffen und Biathletin Uschi Disl, die am Strand über eine Viertelstunde den 6 Grad kalten Eisregen aushielten, bildete die Kamera aus unzähligen Perspektiven ab. Gerade so als stünde der Zuschauer daneben, um in Zeitlupe die Muskeln zittern und die Wassertropfen zu Boden fallen zu sehen, um förmlich mitzufrieren.

Der zweite Grund ist die unvorhersehbare Dynamik im Team: Beim dritten Wettkampf galt Steffen direkt als Favoritin, weil die Kandidaten im Meer zu einer Tauchstation schwimmen und einen Schlüssel bergen sollten. Angetrieben vom Ehrgeiz (und den vorherigen Niederlagen) schaffte es Zehnkämpfer Busemann aber noch vor ihr ins Ziel, obwohl der sich zuvor als ungeübter Schwimmer geoutet hatte. Der Wettkampf funktioniert, weil die Sportler ihn ernstnehmen. Auch ohne Aussicht auf Goldmedaillen.

"Ewige Helden" erzählt aber genauso, dass es nicht weiter tragisch ist, sich mal geschlagen zu geben, wenn sich eine Aufgabe partout nicht lösen lässt. Und dass auch ein 7. Platz ein herausragender Erfolg sein kann – so wie für Heike Drechsler, die beim Schlüsseltauchen länger durchhielt als ein paar gestandene Männer, denen vorher die Puste ausgegangen war.

Reizvolle Perspektivumkehr

Genauso wichtig sind für die Sendung die Abende, an denen jeder Sportler für seine Kollegen den Verlauf der eigenen Karriere Revue passieren lässt, unterstützt von alten TV-Übertragungen und Fotos. Der Auftakt hätte kaum besser laufen können – weil Schwimmerin Britta Steffen sie nicht nur von ihren Olympiasiegen erzählte. Sondern auch von den vielen Rückschlägen vorher und dem Absturz danach, als sie den Erwartungen nicht mehr standhalten konnte und die Zeit als Liebling der Medien vorbei war.

Damit schafft "Ewige Helden" eine Perspektivumkehr, bei der sich das Publikum in die Erzählerin bzw. den Erzähler hineinversetzen kann und so unmittelbar wie selten erfährt, wie sie oder er Erfolge und Niederlagen erlebt hat. Zumal die sich im Sport um einiges plastischer darstellen lassen als zum Beispiel in der Musik. Vor allem aber entstehen dadurch besondere Verbindungen zwischen den Sportlern, die Parallelen zur eigenen Karriere entdecken (so wie Boxer Markus Beyer, der nach Steffens Erzählung ganz gerührt war). Und die trotz der Erkenntnis, sich ähnlich zu sein, morgen wieder als Rivalen antreten.

Acht Wochen Durchhaltevermögen traut Vox "Ewige Helden" zu. Mehr noch als für den Sender wäre das für die Münchner Produktionsfirma Tresor TV ein wichtiger Erfolg, um die Rückschläge der vergangenen Jahre und Flops wie (das gar nicht so schlechte) "Die Band" vergessen zu machen. Dabei sein ist zwar alles. Aber Gewinnen am Ende ja auch nicht schlecht. Die "Ewigen Helden" werden das bestätigen können.

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