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OGOT - Old Guys On Tour © Screenshot Tele 5
DWDL.de-TV-Kritik

"Old Guys" bei Tele 5: Fernsehen zum Entschleunigen

von Alexander Krei
18.09.2016 - 02:58 Uhr

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Tele 5 lässt vier altgediente TV-Moderatoren den Jakobsweg wandern und macht aus 500 Kilometern mal eben eine zwölfteilige Doku-Reihe. Das ist zwar streng genommen etwas zu viel des Guten, wirkt aber unglaublich beruhigend. Die TV-Kritik...

Eines muss man ihnen lassen: Humor haben sie bei Tele 5. Oder besser gesagt: Bei Tele 65+. So steht's nämlich unten rechts in der Ecke geschrieben, während sich vier TV-Legenden im besten Renten-Alter, von Kameras begleitet, auf den Jakobsweg begeben. Die Herrschaften, um die es geht, sind Jörg Draeger, Frederic Meisner, Harry Wijnvoord und Björn Hergen Schimpf, also allesamt Prominente, deren goldenen Zeiten im Fernsehen schon ein paar Jährchen zurückliegen. Alleine schon deswegen hätte "OGOT – Old Guys On Tour", wie Tele 5 seine neueste Errungenschaft getauft hat, schnell peinlich werden können.

Nach Ausstrahlung der ersten Folge lässt sich jedoch glücklicherweise konstatieren, dass das nicht der Fall ist. Das liegt nicht nur, aber zumindest zu einem großen Teil an Karl Dall, der als eine Art Reiseleiter fungiert und – anders als seine Kollegen – die 500 Kilometer lange Pilgerreise nicht zu Fuß zurücklegen muss. Er wartet am Ende der Etappen auf die Granden und kommentiert süffisant, was die "alten Säcke" unterwegs so alles erleben. "Das mit dem Rauchen, das hört mir auch bald auf", ätzt er, als Kettenraucher Jörg Dreager mal wieder qualmt, und mahnt: "Ihnen wird das Lachen noch vergehen."

Tatsächlich dämmert den Wanderern schon auf den ersten Kilometern, dass dieser Weg kein leichter werden wird. Dass Björn Hergen Schimpf, der einst Karlchen bei RTL seine Stimme lieh und später bei kabel eins in ganz wunderbarer Weise die "Schweinderl" mit Fünfmark-Stücken fütterte, mit einer rutschenden Unterhose zu kämpfen hatte, sollte sich noch als das geringste Problem der ersten Etappe herausstellen. Nicht mal vier Kilometer sind nach eineinhalb Stunden geschafft, als Harry Wijnvoord erste Schmerzen verspürt. "Jeder Schritt abwärts ist wie ein Stich ins Hirn", sagt er und erzählt von seinen Problemen mit den Waden und der nicht mehr aufzuhaltenden Altersdiabetes.

OGOT - Old Guys On Tour
© Screenshot Tele 5

Längst hat sich die Gruppe in zwei Lager aufgeteilt: Vorne Meisner und Draeger, der den Jakobsweg bereits neun Mal absolvierte, hinten Wijnvoord und Schimpf. "Das hat mit Laufen nichts mehr zu tun", ärgert sich Draeger über die langsamen Geher, während sich der "Preis ist heiß"-Senior über den steinigen Weg aufregt. "Am Arsch mit der Natur", hört man ihn sagen, ehe er die erste Etappe wenig später, von Muskelkrämpfen geplagt, vorzeitig abbrechen muss. Wie gut, dass den "Old Guys" stets ein Arzt auf den Fersen ist. Guter Laune ist zwischenzeitlich eigentlich nur Karl Dall: "Bin ich froh, dass ich diese Scheiße nicht mitmachen muss", lässt er die Zuschauer wissen.

Ein Hauch von Dramatik ist auf den ersten Metern also durchaus vorhanden, auch wenn sich die Spannung angesichts der doch sehr ausführlichen Erzählung streng genommen in argen Grenzen hält. "OGOT" dient vielmehr im besten Sinne als Entschleunigungsfernsehen, weil dem Publikum in den knapp zwei Stunden nicht viel mehr gezeigt wird als schöne Landschaftsaufnahmen und vier ältere Herren in blauen und braunen Outdoor-Jacken. Man hätte deren Pilgerreise ganz sicher auch in zwei Folgen erzählen können, ohne nennenswerte Details verschwiegen zu haben, doch weil's so schön ist, sollen in den kommenden Tagen gleich elf weitere Teile folgen.

Die "Walkumentary", so hat Tele 65+ das Genre übrigens benannt, ist damit ganz sicher etwas zu lang ausgefallen. Gleichzeitig kommt sie so herrlich altmodisch daher, dass das wiederum glänzend zu den Protagonisten passt. Mit einer bedächtigen Erzählweise sowie behutsamen Schnitten hebt sich "OGOT – Old Guys On Tour" somit geradezu wohltuend von der großen Geschwindigkeit ab, in der die meisten Reality-Formate heutzutage unterwegs sind. Für eine Story bei "Bild" - unter der geradezu genialen Überschrift "Plötzlich war Harry WijnFORT" - reichte es aber trotzdem.

Alles in allem also ein herrlicher Blödsinn, bei dem man auf der Couch abseits der bissigen Kommentare von Karl Dall sogar noch etwas lernen kann. Über den Jakobsweg, aber auch über Gruppendynamik und die aufkommenden Wehwechen im Alter. Und den passenden Sponsor hat der Sender kurzerhand einfach selbst entwickelt: "Die Sendung wird Ihnen präsentiert von Perpedes - Vorsprung ohne Technik", heißt es vor und nach jeder Werbepause. Humor haben sie eben bei Tele 65+.

OGOT - Old Guys On Tour
© Screenshot Tele 5

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