Mission Wahnsinn © Screenshot ProSieben
DWDL.de-TV-Kritik zu "Mission Wahnsinn"

Ganz schön übel: Wie viel Wahnsinn passt in eine Show?

von Alexander Krei
20.09.2016 - 02:08 Uhr

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In eine Stunde Sendezeit lassen sich erstaunlich viele Mutproben und Ekelprüfungen unterbringen, wie ProSieben mit "Mission Wahnsinn" zeigt. Die neue Show fordert jedoch von Kandidaten und Zuschauern so einiges ab. Die TV-Kritik...

"Ihr könnt mit mir machen, was ihr wollt." Auf einen Satz wie diesen hat Moderator Ingmar Stadelmann gewartet, beschreibt er doch ziemlich gut, worum es in seiner neuen Show bei ProSieben geht, die nicht ganz umsonst den Titel "Mission Wahnsinn" trägt. Tatsächlich müssen die Kandidaten dieses Formats, das ProSieben etwas irreführend als "Surprise-Comedy" bezeichnet, schon eine ganze Menge Wahnsinn über sich ergehen lassen, wollen sie am Ende "für Geld zum Held" werden, wie es der Untertitel suggeriert. Dummerweise winkt ihnen nicht nur ein wenig Kohle, sondern auch ein Stück weit der Verlust ihrer Würde.

So ist das auch bei Imar, aus dessen Mund der eingangs zitierte Satz stammt. Er ist der erste Kandidat, der sich spontan auf seine ganz persönliche Wahnsinns-Mission einlässt und dabei vor laufender Kamera so einiges über sich ergehen lassen muss. Seine Beine werden enthaart, seine Frisur wandelt sich zur Glatze und ein Kilogramm Zwiebeln schält er so lange mit dem Mund, bis ihm die Tränen in Rekordgeschwindigkeit die Backen hinunterkullern. Der junge Mann schreckt noch nicht einmal davor zurück, sich die Lippen aufspritzen zu lassen, und kommentiert nach bestandener Prüfung beim Blick in den Spiegel erstaunlich trocken: "Ich sehe aus wie Donald Duck."

Dass er in einem Restaurant wenig später unter ständigen Elektroschocks den Gästen das Abendessen servieren muss, wirkt dagegen noch vergleichsweise harmlos. Nur ein Tattoo will er sich dann doch nicht stechen lassen, weil das – im Gegensatz zu den aufgespritzten Lippen – nicht mehr weggeht, wie Imar dem feixenden Ingmar zu verstehen gibt. Für 3.000 Euro reicht's schlussendlich aber trotzdem. Vielleicht gar kein schlechter Deal, wenn man bedenkt, dass andere sogar freiwillig viel Geld dafür ausgeben, um Lippen in Schlauchboot-Form zu bekommen.

Jasmin, die als nächstes an der Reihe ist, kann sogar 5.000 Euro ihr Eigen nennen, muss dafür im Gegenzug aber noch ein einiges mehr aushalten als der vorherige Kandidat. Dass sie "gut zu Vögeln" sei, hat sie vor Besuchern einer Flugshow in ein Mikrofon zu sprechen, ehe sie erst Würmer und dann auch noch vorgekautes Brot verspeist. Angenehmer wird’s selbst danach nicht mehr, weil Jasmin nicht nur in einem Misthaufen nach einer Nadel sucht, sondern schließlich auch noch am Rande der Übelkeit vier Hot-Dogs während einer Achterbahnfahrt irgendwie herunterschlucken muss. All das tut die Frau mit einer derartigen Gelassenheit, dass man vor dem Fernseher trotz all der wahrlich üblen Szenen mit der Zeit eine gewisse Bewunderung für sie empfindet.

Mission Wahnsinn
© Screenshot ProSieben

Neu ist das, was bei ProSieben seinen Zuschauern mit der "Mission Wahnsinn" zu später Stunde auftischt, aber selbstverständlich nicht, schließlich haben Ekel-Prüfungen im deutschen Fernsehen nicht erst seit dem Dschungelcamp eine gewisse Tradition. Und doch muss man schon besonders hartgesotten sein, um bei dieser Produktion von Fisch Will Wurm Media einen echten Unterhaltungswert zu verspüren, denn die Macher der Sendung treiben den Igitt-Faktor innerhalb von nur einer Stunde in beachtliche Sphären. Zeit zum Verschnaufen bleibt auf diese Weise weder für die Kandidaten noch für die Zuschauer.

Und im Übrigen auch nicht für Ingmar Stadelmann, dem der Spagat zwischen Charme und Schadenfreude recht ordentlich gelingt, auch wenn Letzteres erwartungsgemäß überwiegt. Immerhin weiß er den Quatsch, den er gegen Mitternacht bei ProSieben präsentiert, ganz gut zu verpacken – etwa durch eine launige Anspielung auf die Raab-Nachfolge oder die wohl nicht übermäßig teure Produktion. Ein eigenes Studio und einen Dienstwagen habe man ihm versprochen, sagt Stadelmann zu Beginn, während er in Wirklichkeit vor Billig-Kulisse im Inneres eines Lasters sitzt und zu verstehen gibt, dass er für Geld wirklich alles macht.

Vor allem aber macht er aus einer allenfalls mittelprächtigen Format-Idee eine ganz ansehnliche Sendung – zumindest für all diejenigen, die einen starken Magen haben. Für alle anderen ist "Mission Wahnsinn" im wahrsten Sinne des Wortes an vielen Stellen vermutlich einfach nur zum Kotzen.

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