Herz sucht Liebe © Screenshot Sat.1 Gold
DWDL.de-TV-Kritik zu "Herz sucht Liebe"

Hallo "Herzblatt", ganz schön alt geworden

von Alexander Krei
19.10.2016 - 22:29 Uhr

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"Herzblatt" heißt jetzt "Herz sucht Liebe" und hat zehn Jahre nach dem Aus bei Sat.1 Gold eine neue Heimat gefunden. Dort müht man sich nach Kräften, das alte Gefühl wieder aufleben zu lassen - stellenweise ist die Show aber etwas zu bieder geraten.

Die Nostalgie-Wochen im deutschen Fernsehen gehen munter weiter. Nachdem sich Jan Böhmermann an "Wetten, dass..?" versuchte und RTLplus gleich vier Gameshow-Klassiker neues Leben einhauchte, ist nun auch "Herzblatt" zurück. Sie wissen schon, jene Kuppelshow, in der einst Rudi Carrell in übergroßen Sakkos den Amor mimte. Weil der kleine Sender Sat.1 Gold den Originaltitel allerdings nicht verwenden darf, nennt sich die Neuauflage jetzt "Herz sucht Liebe", was sich ein wenig so anhört wie die handelsüblichen Dating-Formate der heutigen Zeit, in denen leider häufig das Bloßstellen der Kandidaten im Mittelpunkt steht und nicht so sehr die Romantik.

Glücklicherweise hat sich die Produktionsfirma Sony Pictures an "Schwiegertochter gesucht" kein Beispiel genommen und stattdessen die alte "Herzblatt"-Idee bloß mit ein paar neuen Elementen wie kurzen Vorstellungsfilmchen versehen, die der Show allerdings nicht schaden. Das gilt auch für den Moderator Thomas Ohrner, der mehr als seine Vorgänger in den einzelnen Runden zwischen den Kandidaten zu interagieren versucht, aber gut beraten wäre, bei den Einspielern etwas besser aufzupassen, um die Singles nicht exakt das zu fragen, was sie kurz zuvor schon längst erzählt haben.

Geblieben ist dafür die Wand, die die Singles auf der Bühne voneinander trennt und erst nach mehreren Fragerunden den Blick auf den Herzbuben oder die Herzdame der Wahl freigibt. Und selbstverständlich darf auch die berühmt-berüchtigte Susi nicht fehlen, deren sanfte Stimme vermutlich heute noch Millionen Zuschauer in den Ohren haben. "Ich habe 30 Jahre davon geträumt, mit dir die Sendung zu moderieren", schwärmt Thomas Ohrner gleich zu Beginn, bevor mit Marita die erste Single-Frau den drei ihr unbekannten Single-Männern mehr oder weniger ernst gemeinte Fragen nach altbekanntem Muster stellt.

"Kandidat 1, wenn Kandidat 2 ein Instrument wäre – was wäre er dann?", will sie wissen, und in welchem Look das potenzielle Paar gemeinsam auf die nächste Faschingsparty geht, interessiert sie ebenfalls brennend. Einer der Herren wird später übrigens gleich mehrfach zu Protokoll geben, sie ans Bett fesseln zu wollen – ein Gedanke, der bei Marita jedoch offenkundig auf wenig Gegenliebe stößt. Ansonsten verläuft das Spielchen ganz humorvoll, auch wenn sich der Eindruck erhärtet, dass die Antworten der Kandidaten früherer Jahre weitaus präziser geäußert wurden. Hier und da kommt so mancher Konter dann doch sehr holprig über die Lippen der Singles.

Herz sucht Liebe
© Screenshot Sat.1 Gold

Doch auch sonst holpert es noch an manchen Stellen. So will etwa die temporeiche Musik im Hintergrund nicht so recht zu Susis gesäuselten Zusammenfassungen passen, und die im Nachgang aufgezeichneten Statements der ausgeschiedenen Kandidaten wurden eher hart als liebevoll in die Show geschnitten. Zudem sei mal dahingestellt, ob es tatsächlich notwendig war, die Jungs einer reichlich schrägen Gesangseinlage zu unterziehen. Doch das sind allenfalls Randnotizen. Wirklich schade ist es eigentlich nur um den ausrangierten "Herzblatt"-Hubschrauber, der inzwischen wohl zum alten Eisen gehört und durch ein Candlelight-Dinner mit anschließendem Musical-Besuch ersetzt wurde. Die Reisekosten hätten das Budget von Sat.1 Gold vermutlich gesprengt.

Keine Frage, der kleine Sender hat sich redlich bemüht, das "Herzblatt"-Gefühl wieder aufleben zu lassen. Dennoch kommt "Herz sucht Liebe" trotz einiger Neuerungen mitunter erstaunlich altbacken daher. Vermutlich ist es gar die erste Neuauflage eines Klassikers, die älter wirkt als das Original. Denn während die ARD einst versuchte, das "Herzblatt" zunehmend jung und frisch zu gestalten, dominiert in dieser durchaus charmanten Version eine gewisse Biederheit, die sich nicht nur in der Wahl des siezenden Moderators widerspiegelt, sondern auch in den Kandidaten reiferen Alters mit Rosen-Kleid und schlecht imitierter Elvis-Tolle. Wie gut, dass zumindest Rudi Carrells übergroßes Sakko im Schrank bleiben durfte.

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