ZDFneo sucht Germany’s next Top-Trödelshow. Unter dieses Motto kann man wohl die Versuche des kleinen Senders stellen, ein neues Format für den Vorabend zu finden. Dort läuft zwar "Bares für Rares" richtig gut, durch die Doppelfolgen nimmt die Abnutzung des ohnehin omnipräsenten Formats aber auch schneller zu. Daher testete man zuletzt "Clever abgestaubt" mit Steven Gätjen, das als gut weitergedachte Trödel-Quizshow daher kam. Die Quoten waren eigentlich recht gut, auch wenn man sich vom Zusammenspiel mit dem Dauerbrenner wohl etwas mehr erhofft haben dürfte. Nun schickt man für vier Wochen testweise "Viel zu bieten" auf Sendung.

Diese Show ist dann auch deutlich näher dran an "Bares für Rares" als das "Clever abgestaubt" war. Groß ist offenbar die Hoffnung, mit einem ähnlich gelagerten Konzept noch einmal einen Quoten-Hit landen zu können. Das Konzept ist schnell erklärt: In "Viel zu bieten" stellen Menschen ihren Trödel einer vierköpfigen Jury vor und die bieten dann wie bei einer Auktion um die Gegenstände. Wobei die Amateur-Trödler nicht nur Gegenstände anbieten können, sondern auch Dienstleistungen.


Und so geht es in der Auftaktsendung im einen Turn-Springbock aus der DDR und eine alte Postkarre, aber eben auch um einen jungen Mann, der Origami, also die Kunst des Papierfaltens, anbietet. Das alles ist recht nett und kurzweilig anzusehen, aber auch etwas anstrengend, wenn man vorher weiß, dass der vom Kandidat aufgerufene Preis ohnehin stets deutlich nach unten korrigiert wird. Spannend und unterhaltsam ist auf jeden Fall die Jury, die sich immer wieder überbietet und um die Gunst der Kandidaten buhlt.

Hier hat sich ZDFneo ganz klar bei Vox und deren "Höhle der Löwen" bedient. Bei "Viel zu bieten" wird nicht, wie sonst üblich in Trödelshows wie "Bares für Rares", lang um den heißen Brei geredet, sondern der Gegenstand oder die Dienstleistung wird vorgestellt und danach direkt geboten. An die Spannung der "Höhle der Löwen" kommt "Viel zu bieten" dennoch nicht heran, schließlich geht es hier nur um einzelne Stücke im Wert von wenigen hundert Euro. Bei der Vox-Show steht ein ganzes Geschäftsmodell und eine mögliche Expansion im Fokus. Das sind zwei unterschiedliche Fallhöhen.

Die Jury bestehend aus Industriedesigner Marcel Struck, Gewandmeisterin Alexandra Brandner, Trödelprofi Boris Schnitzler sowie Entertainer und Antiquitätenhändler Linus Büttgen bieten also fortan um die Wette, ab und zu versuchen sie sich dabei auch ein wenig zu kitzeln und herauszufordern. Das bleibt aber auf Sparflamme, am Ende haben sich doch immer alle lieb. Hier bestünde noch Potenzial für noch mehr Konflikte.

Etwas besser in Szene setzen könnte ZDFneo die Kandidaten, die in aller Regel noch keine Kameraerfahrung haben. Nach jeder Runde müssen diese noch einmal vor die Kamera und erklären, was sie aus der Sendung mitnehmen. Das sieht teilweise so gestellt und ungelenk aus, dass man peinlich berührt in seinem Sofa zusammensinken möchte. Das in überschaubarer Anzahl vorhandene Publikum dient vor allem als Fläche für Verwandte und Bekannte der Teilnehmer. Wirklich Sinn macht es nicht, wobei es auch nicht in besonderem Maße zu kritisieren wäre. Es ist einfach da.

Bavaria Entertainment hat mit "Viel zu bieten" (Original: "Haggle Battle") eine kleine, nette Trödelsendung für ZDFneo umgesetzt, die im Zusammenspiel mit "Bares für Rares" auch tatsächlich gut funktionieren könnte. Fragt sich nur, warum man sich nicht mehr getraut hat als eine Sendung, die in weiten Teilen als Mischung von "Bares für Rares" und "Höhle der Löwen" daherkommt. Denn beide Formate laufen im deutschen Fernsehen ja schon mit großem Erfolg. Ein neuer Spin hätte dem Trödel-Genre nicht geschadet. So geht ZDFneo auf Nummer sicher und belässt den Trödel auf dem bekannten Status Quo.