Gerhard Zeiler © RTL Group
DWDL.de-Interview

Gerhard Zeilers letzter Tag: "Es ist viel Wehmut dabei"

von Thomas Lückerath
18.04.2012 - 11:11 Uhr

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Bei der NAB Show in Las Vegas hatte Gerhard Zeiler seinen letzten öffentlichen Auftritt als CEO der RTL Group. Im DWDL.de-Interview spricht er über den Abschied, den Wechsel zu Turner und was deutsches und amerikanisches Fernsehen immer noch unterscheidet.

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Herr Zeiler, in wenigen Stunden verlassen Sie die RTL Group. Die Entscheidung ist jetzt seit mehr als zwei Monaten bekannt, doch was ist das jetzt in den letzten Tagen für ein Gefühl?

Wenn Sie mich fragen, ob der Abschied mit Wehmut verbunden ist, dann kann ich nur sagen: Natürlich ist sehr viel Wehmut dabei. Ich werde zumindest auf absehbare Zeit nur noch ein letztes Mal in Luxemburg übernachten, und zwar wenn wir aus Las Vegas zurück sind. Sich das bewusst zu machen und den Abschied zu nehmen von der RTL Group - das ist in diesen Tagen schon nicht so einfach.

Ist der Wechsel zu Turner auch die Lust auf mehr Wachstum, das in Westeuropa für die RTL Group immer schwieriger wurde?

Ich glaube in meinen Wechsel wurde zu viel hineininterpretiert. Ich habe ein spannendes Angebot bekommen, einige Zeit sehr intensiv darüber nachgedacht und am Ende wollte ich noch einmal etwas Neues machen. Das war es, so schlicht und einfach.

Also kein Abschied aus Frust oder Langeweile?

Ich habe den Job, den ich bis heute gemacht habe, sehr gerne getan. Sonst hätte ich ihn nicht so lange ausgeübt. Es waren schöne Jahre mit großer Unterstützung des Hauptgesellschafters.

Damit haben Sie zumindest persönlich geschafft, was die RTL Group nicht geschafft hat: Den Einstieg ins US-Geschäft. Sie sprachen bei der NAB Show davon, dass das immer ein Traum von Ihnen gewesen sei...

Es ist relativ einfach: Wir haben immer nach Amerika geschaut. Hätte es eine Möglichkeit gegeben, hätten wir die auch ergriffen und wären mit der RTL Group auf den US-amerikanischen Rundfunkmarkt gegangen. Aber die Rahmenbedingungen für ausländische Investoren haben das verhindert. Aber vergessen Sie nicht: Unsere Produktionsgesellschaft FremantleMedia produziert in den Vereinigten Staaten einige der erfolgreichsten Shows wie „American Idol“, „The X Factor“ und „America’s Got Talent“.

Gibt es denn, wo wir beim US-Markt sind, Dinge die wir von hier lernen können oder umgekehrt etwas, was die USA von uns in Europa lernen könnte?

Ich glaube, dass wir nach wie vor viel von Amerika lernen können, weil der US-amerikanische Markt schlicht und einfach der größte bleibt, besonders für fiktionale Unterhaltung, also Serien und Filme.

Warum tat sich dieses Genre in Europa so schwer?

Wir haben in Deutschland oder Europa genauso gute Schauspieler und genauso gute Regisseure. Was wir noch nicht in dem Ausmaß haben, wie wir es in den USA vorfinden, sind Autoren. Hier hat sich in Europa noch keine so lebendige Landschaft entwickelt. Ja, auch weil wir als Branche zu wenig investiert haben. Da können wir sicher noch etwas lernen.

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