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Warum Sat.1 wenig zu befürchten hat

Sat.1 und das Märchen vom Lizenzentzug

von Thomas Lückerath
16.07.2007 - 20:33 Uhr

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Die Empörung über die Sparmaßnahmen bei Sat.1 ist bei Medienpolitik und Gewerkschaften groß: Schon wird vom Lizenzentzug gesprochen - ein Märchen.

Logo: Sat.1 / Grafik: DWDL.deWolfang Börnsen, Vorsitzender der Arbeitgruppe Kultur und Medien der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und der medienpolitische Berichterstatter der CDU, Reinhard Grindel, sind zwei Medienpolitiker der schnellen Sorte, die am Montag bereits eine Aussage zu den Personal- und Programmkürzungen bei Sat.1 getätigt haben. Die beiden Bundestagsabgeordneten forderten die Landesmedienanstalten auf, genau zu untersuchen, ob die Sparmaßnahmen mit den Sendelizenzen in Einklang zu bringen seien.

Lizenzentzug? Das klingt spektakulär. Auch die "FAZ" spielt am Dienstag mit diesem dramatischen Wort. "Dem Münchner Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 drohen medienrechtliche Sanktionen", heißt es dort. "Wir werden uns das sehr genau anschauen", zitiert die "FAZ" Manfred Helmes, den Direktor der Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) in Rheinland-Pfalz, dessen Behörde die Sendelizenz für Sat.1 vergeben hat. "Wenn Sat.1 die Anforderungen an ein Vollprogramm nicht mehr erfüllt, müssen wir über die Konsequenzen nachdenken", sagt Helmes. Wenn, ja wenn. Sat.1 könnte dann die vorrangige Einspeisung ins analoge Kabelnetz entzogen werden.

Zunächst einmal müsste Sat.1 aber seinen Status als Vollprogramm verlieren. Einen Status, den auch RTL II, kabel eins und VOX inne haben. Und schon erscheinen die Bedingungen für ein Vollprogramm erstaunlich niedrig, die Gefahr für Sat.1 nicht besonders hoch. Die drei Sender der zweiten Generation machen wahrlich kein schlechtes Programm, aber fallen nicht gerade durch Nachrichten auf. Mit dem "Frühstücksfernsehen", den Hauptnachrichten am Abend und einem Format wie "Akte" muss sich Sat.1-Chef Matthias Alberti um die Lizenz nicht sorgen. Um das Image umso mehr.
 


Überhaupt: In einem Land, in dem Betreiber von Call-In-Formaten Tag für Tag die selbstdefinierten medienpolitischen Richtlinien brechen dürfen, ohne dass es Folgen hat, erwartet wohl niemand, dass wegen des Wegfalls von ein paar Informationsformaten bei Sat.1 die Medienlandschaft erschüttert wird. Ohnehin erscheint es - bei allem Respekt für die Arbeit der Kollegen bei den Info-Formaten von Sat.1 - mehr als scheinheilig, wenn Medienpolitiker, die sich sonst gerne über zu viel Boulevard in den Nachrichten der Privatsender erregen, im Wegfall dieser Formate plötzlich einen journalistischen Verlust für die Nation erkennen.

Als Silvio Berlusconi mit seinem italienischen Medienkonzern Mediaset im vergangenen Herbst kurzzeitig als möglicher Kandidat für eine Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG ins Spiel gebracht wurde, war die Aufregung groß: Medienpolitiker und Medienwissenschaftlicher fürchteten sich um die Meinungsvielfalt unter Berlusconi. Dr. Herbert Kloiber, Geschäftsführer der Tele München Gruppe und ehemaliger Berlusconi-Geschäftspartner, sagte damals in einem Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de: "Nehmen Sie die Nachrichtenformate von ProSiebenSat.1 zusammen und schauen Sie sich deren Marktanteile an. Da wäre keine Meinungsmacht entstanden."

So ist der Verlust der Nachrichtenformate bei Sat.1 in erster Linie tragisch für die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren und Matthias Alberti, der bei seinem Sender jetzt mit einem zumindest kurzzeitig empfindlichen Imageschaden zu kämpfen hat. Es ist auch der Abschied von einem Anspruch, den sein Vorgänger Roger Schawinski aufzubauen versuchte. Nach VOX und ProSieben kürzt mit Sat.1 ein weiterer Privatsender seine Nachrichtenformate - und spielt den Öffentlich-Rechtlichen als Hort der seriösen und verlässlichen Information in die Hände. Journalismus ist eben keine Frage der Rendite.

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