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Pauschalkritik an RTL II und Super RTL

"Scheiß Privatsender": Oettinger rudert zurück

von Jochen Voß
10.01.2008 - 13:49 Uhr

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Nach der Kritik an den Sendern RTL II und Super RTL relativiert Politiker Günther Oettinger seine Aussagen. Die Sender weisen die Kritik von sich.

Foto: CDUGünther Oettinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Vorsitzender des Bundesfachausschusses Medien der CDU, rudert nach seinen pauschalen Äußerungen über die Qualität des deutschen Privatfernsehens nach und nach zurück. Am vergangenen Dienstag hatte Oettinger während einer Pressekonferenz massive Kritik an den Sendern RTL II und Super RTL geäußert.

"Es gibt Programme, die in einigen Sendern verstärkt kommen, von denen ich erhebliche Gefahren für die Erziehung der Jugend ausgehen sehe", hatte Oettinger am Dienstag gesagt und bestätigte später: "Ich habe in der Tat mit Super RTL und RTL II zwei Sender angesprochen, bei denen ich eine Zunahmen und damit eine für mich schädliche Entwicklung bei der Qualität der gezeigten Sendungen sehe". Während einer nicht öffentlichen Veranstaltung sprach Oettinger gar von "Scheiß Privatfernsehen". Diese Äußerung sei jedoch "im Eifer des Gefechts" getätigt worden, da man bei Themen die einem viel bedeuteten auch mal unbeabsichtigt über das Ziel hinausschieße, beschwichtigte ein Sprecher der baden-württembergischen Staatskanzlei gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de.
 


Oettingers Äußerungen stießen auf massive Kritik der Sender. Gegenüber dem "Tagesspiegel" sagte Super RTL-Sprecherin Sabine Kreft: "Ich unterstelle Oettinger, dass er unser Programm nicht kennt. Tatsache ist, dass wir 2007 keine Beanstandung durch die Landesmedienanstalten und auch nicht von den Zuschauern erhalten haben". Auch in den Augen von RTL II ist die pauschale Kritik "in keinster Weise haltbar", wie Sender-Sprecher Frank Lilie dem Medienmagazin DWDL.de sagte. Er lädt Günther Oettinger ein, gemeinsam mit den Senderverantwortlichen das Programm anzuschauen. "Fakt ist, dass RTL II keinen Verstoß gegen die geltenden Jugendschutzgesetze begangen hat und auch seit Jahren keine Beanstandungen von den Aufsichtsgremien ausgesprochen wurden", so Lilie.

Indes lässt Oettinger seine pauschalen Aussagen, mit der er wohl die derzeit aufgeregte Diskussion um Jugendkriminalität zusätzlich befeuern wollte, durch sein Staatsministerium relativieren. So heißt es nun, Oettinger habe mit seinen Äußerungen "eine medienpolittische Debatte über Verantwortung und Qualität in den TV-Medien" anstoßen wollen. Weil die privaten Programme bei jungen Zuschauern zunehmend erfolgreich seien, sei "hier der Appell angebracht, sich einer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu sein". Dies gelte vor allem für Sender, dies in besonderem Maße an Kinder und Jugendliche richten würden.
 
Ein Sprecher Oettingers sagt im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de, der Politiker wolle seine Äußerungen als Ansporn an die Medien verstanden wissen. So sollten die Sender sich ihrer Verantwortung bewusst werden "gerade in Zeiten, in denen die Familie bedauerlicherweise in vielen Fällen nicht mehr Halt und Orientierung biete".

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