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Nach "Buntegate"

"Stern"-Chefs über Selbstreinigung im Journalismus

von Jochen Voß
09.03.2010 - 14:50 Uhr

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Nach ihren Berichten über die Recherchen der "Bunte" wollen die "Stern"-Chefredakteure ein Nachdenken darüber, was man mindestens mitbringen muss, um sich Journalist nennen zu dürfen.

Logo: SternDie Berichterstattung des "Stern" über die Recherchen der Agentur CMK für die "Bunte" hat für einigen Wirbel gesorgt. In einem ausführlichen Interview mit der "tageszeitung" beziehen die Chefredakteure des "Stern" nun Stellung zum sogenannten "Buntegate"-Skandal und formulieren ihre Anforderungen an Journalisten und den Journalismus. "Wir Journalisten sollten mal drüber nachdenken, ob es nicht ein Akt der Selbstreinigung wäre, wenn wir die Kriterien, wer eigentlich Journalist ist, ein bisschen enger definieren würden", sagte Andreas Petzold im Gespräch mit der Zeitung.

Nach seiner Auffassung müsse ein Journalist "erstmal eine solide journalistische Ausbildung nachweisen, die zumindest gewährleistet, dass er sein Handwerk beherrscht". Etwas geringere Maßstäbe setzt sein Chefredaktionskollege Thomas Osterkorn an. Ihm zufolge reiche es, zu verlangen, dass Menschen, die sich als Journalisten bezeichnen, "die Grundsätze unseres Berufes kennen und die rechtlichen Rahmenbedingungen".
 

 
Hinsichtlich des öffentlichen Interesses an der Berichterstattung am Privatleben von Politikern gelte für den "Stern" laut Petzold "generell das, was Renate Künast in ihrem Brief an Hubert Burda treffend formuliert: 'Privat ist, was beruflich keine Relevanz besitzt'". Laut Osterkorn fehle im Pressekodex eine Präzisierung zur Abwägung zwischen Privatheit und öffentlichem Interesse.

Osterkorn bemerkt, dass in der People-Presse mittlerweile "englische Sitten" einreißen würden. Problematisch ist für ihn vor allem das Outsourcing von Recherchearbeit: "So kann ich den Prominenten der Bespitzelung nämlich anrufen und sagen: Uns sind da Bilder angeboten worden. Natürlich drucken wir diesen Schweinkram nicht - aber könnten wir vielleicht mal ein Interview mit Ihnen haben?", sagt er.

Im Gespräch mit der "taz" erklären die "Stern"-Chefredakteure, dass sich die Zusammenarbeit ihres Titels mit der Agentur CMK, die die fragwürdigen Recherchen im Auftrag der "Bunte" durchgeführt hat, auf Bildkäufe aus der Datenbank beschränkt habe. Mit Recherchen habe man das Unternehmen nie beauftragt. Die Zahl der gekauften Bilder bezifferte Petzold mit "einige Dutzend in den letzten sechs, sieben Jahren".

Hinsichtlich der Klagen wegen Verleumdung und auf Unterlassung, die Burda dem Gruner + Jahr Verlag wegen der Berichterstattung über die "Bunte"-Recherchen angedroht hatte, erklärte Petzold, dass bei ihm bislang "weder das eine noch das andere" eingetroffen sei.

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