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Blick ins Ausland
WAZ will aus Serbien raus, aus Österreich nicht mehr
Am Donnerstagnachmittag wurde es bekannt: Hans Dichand, Verleger der österreichischen "Kronen Zeitung", des mit Abstand größten Boulevard-Blatts des Landes, ist im Alter von 89 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Bei der Essener WAZ-Gruppe gibt man sich offiziell natürlich bedrückt - und kann dennoch profitieren.
"Hans Dichand war nicht immer ein bequemer Partner, aber er kämpfte mit unruhiger Geduld um die Sache, zu der er sich bekannte", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme der WAZ-Gruppe, die mit 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" beteiligt ist, aber aufgrund des umfangreichen Vertragswerks dennoch wenig zu sagen hatte. Die WAZ-Gruppe wollte sich daher schon mehrmals aus seiner österreichischen Beteiligung zurückziehen, konnte sich mit Dichand aber nicht auf den Kaufpreis einigen.
Nachdem die Privilegien Dichands mit seinem Tod ebenfalls Geschichte sind, steigt die WAZ zum gleichberechtigten Partner auf. Dadurch ändern sich auch die Rückzugspläne der WAZ. "Nach dem Ableben des großen alten Verlegers Hans Dichand sind wir aufgrund der geänderten Machtverhältnisse nicht mehr an einem Verkauf interessiert", zitiert das "Handelsblatt" WAZ-Chef Bodo Hombach.
Aus Serbien will sich die WAZ-Gruppe hingegen nun schrittweise zurückziehen. Die WAZ beklagt "schwerwiegende Behinderungen und öffentliche Verleumdungen". Die WAZ hatte zuletzt erfolglos versucht, die Boulevard-Zeitung "Vecernje Novosti" zu übernehmen. Unter anderem deren Chefredakteur lief dagegen Sturm und polemisierte gegen die WAZ. Hombach wurde als gescheiterter Politiker mit Mafia-Kontakten bezeichnet, andere Zeitungen hatten die WAZ-Gruppe beschuldigt, den Präsidenten erpressen zu wollen. Nun hat sich die WAZ-Gruppe in einem Schreiben an den Präsidenten gewandt und ihn um Unterstützung bei einem geordneten Rückzug aus dem Land gebeten.
"Werben & Verkaufen" will unterdessen erfahren haben, dass es mit Springer und Ringier, die gerade dabei sind ihre Osteuropa-Aktivitäten in einem neuen Joint Venture zu bündeln, Interesse an den WAZ-Beteiligungen in Serbien haben. Offiziell dementieren die Unternehmen aber Gespräche, auch wenn man betont, langfristig potentielle Wachstumsmöglichkeiten zu prüfen. Zunächst wolle man sich aber auf die Integration der bestehenden Titel ins gemeinschaftliche Joint Venture konzentrieren.




18.06.2010 - 13:56 Uhr
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