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Reform der Jury-Besetzung gefordert

Netzwerk Recherche kritisiert Nannen-Preis für "Bild"

von Uwe Mantel
13.05.2012 - 09:55 Uhr

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Nachdem die "SZ"-Journalisten den Henri-Nannen-Preis ablehnten, weil sie nicht gemeinsam mit "Bild" ausgezeichnet werden wollten, übte nun auch Netzwerk Recherche Kritik an der Vergabe. Der Jury fehle "ein klares Verständnis für die journalistischen Kriterien"

Die Verleihung des eigentlich renommierten Henri-Nannen-Preises in der Kategorie "Investigative Recherche" an die "Bild"-Zeitung für die Aufdeckung der Hintergründe um den Wulff-Kredit sorgt weiter für Diskussionen. Am Freitag hatten Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der "Süddeutschen Zeitung", die ebenfalls in dieser Kategorie geehrt werden sollten, den Preis abgelehnt, weil sie nicht gemeinsam mit dem Boulevard-Blatt ausgezeichnet werden wollten. Nun meldete sich auch der Verband Netzwerk Recherche, der sich unter anderem der Pflege der investigativen Recherche verschrieben hat, mit scharfer Kritik an der Vergabe und der Jury zu Wort.

Der Jury, die zum großen Teil aus Chefredakteuren unterschiedlicher Publikationen besteht, fehle "zum wiederholten Mal ein klares Verständnis für die journalistischen Kriterien", heißt es in einer Stellungnahme. Sie verwechsle hier einen erfolgreichen Scoop mit der besten investigativen Leistung. "'Investigativ arbeiten' heißt nicht, wie die Jury offenbar glaubt, eine möglichst skandalträchtige Schlagzeile zu produzieren oder von anderen Medien möglichst oft zitiert zu werden. Das sind allenfalls Begleiterscheinungen. 'Investigativ arbeiten' heißt vor allem, ein gesellschaftlich relevantes Thema hartnäckig zu verfolgen, gegen Widerstände zu recherchieren, dabei neue Erkenntnisse zu gewinnen und sie verständlich zu präsentieren." Zwar sei die Aufdeckung der Hintergründes Wulff-Kredits "verdienstvoll und richtig" gewesen, genüge aber nicht der obigen Definition der besten investigativen Leistung.

Das Netzwerk Recherche sprach sich angesichts dessen für eine Reform des Henri-Nannen-Preises aus und nannte als Vorbild den amerikanischen Pulitzer-Preis. Dort würden nicht Chefredakteure und Prominente über die Vergabe entscheiden, sondern in jeder Kategorie entsprechende Fachleute wie etwa  erfahrene investigative Journalisten oder frühere Preisträger. Sowohl die nominierten Beiträge als auch die Zusammensetzung der Jury sind bis zur Bekanntgabe der Gewinner geheim, um Einflussnahme und Lobbying zu verhindern. "Dieses Verfahren führt dazu, dass beim Pulitzer-Preis Fachleute entscheiden und nicht Generalisten nach Gefühlslage oder Proporzdenken wie viel zu oft beim Henri-Nannen-Preis", heißt es abschließend in der Stellungnahme.

Beim Nannen-Preis selbst heißt es, für die Bewertung einer investigativen Arbeit sei neben der Recherche-Leistung auch die "gesellschaftliche Bedeutung seiner aufklärenden Enthüllung" wesentlich. Beim ersten Punkt habe sich die Jury schnell auf das "SZ"-Team einigen können. Die Aufdeckung der "Bild"-Zeitung habe sich aber zum "größten Skandal des vergangenen Jahres" entwickelt und zum Rücktritt des Bundespräsidenten geführt. "Ein Fall von größtmöglicher Fallhöhe", so die Jury. " Auf der einen Seite der Superlativ einer investigativen Leistung, auf der anderen der Superlativ einer gesellschaftlichen Wirkung, beide hielten sich die Waage." Daher habe man sich für die Doppel-Vergabe entschieden.

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