© Endemol / Living Media
DWDL.de-Interview mit Arnd Schäfer
Firmenfeier als Show: "Event-Welt trifft Fernsehwelt"
Herr Schäfer, es ist ja doch reichlich ungewöhnlich, Firmen-Events als Fernsehshow zu inszenieren. Wie kam es dazu?
Wir führen regelmäßig Veranstaltungen für Industrie, Handel und Versicherungen durch. Diese Events sind eigentlich immer handverlesen, weil wir sie individuell zusammenstellen. Das ist ein hoher Aufwand und auch ein Risiko. Fernsehshows haben dagegen den Vorteil, dass wir fertige Formate vorliegen haben, die teilweise hunderte Male gelaufen sind. Das sind also sehr präzise Veranstaltungen, die von A bis Z durchgeplant sind. Diese Abwicklungssicherheit finden gerade Industriekunden gut. Natürlich ist der hohe Bekanntheitsgrad der Shows auch ein spannender Aspekt. Wir haben zwei Welten zusammengefügt: Auf der einen Seite die reine Event-Welt und auf der anderen Seite die Fernsehwelt, die erprobte TV-Formate anbietet.
Wurden solche Show-Events bereits veranstaltet oder feiert das nun seine Premiere?
Veranstaltungen in TV-Studios haben wir bereits sehr oft durchgeführt, aber es ist eine Premiere, dass wir an ein fertiges Format wie „Wer wird Millionär?“ oder „17 Meter“ herangehen und die Fragen wie auch den Ablauf insgesamt individuell für jeden Kunden anpassen.
Wie groß ist der Aufwand einer solchen Veranstaltung im Vergleich zu einer TV-Produktion?
Das hängt ganz von den Wünschen und Vorstellungen des Kunden ab. Wenn er das Format eins zu eins übernimmt und nur andere Fragen implementiert werden sollen, ist der Aufwand natürlich geringer als wenn alles umstrukturiert werden soll – zum Beispiel, wenn er eine andere Location dem TV-Studio vorzieht.
Das „Wer wird Millionär?“-Studio steht dauerhaft, das Set von „Rette die Million“ nicht. Lassen sich angesichts dessen überhaupt alle Wünsche immer unter einen Hut bringen? Der normale Produktionsablauf muss ja auch noch gewährleistet sein.
Wir richten uns nach den Vorstellungen und dem Budget des Auftraggebers. Wir bauen das Set von „17 Meter“ oder „Rette die Million“ am Wunschort des Kunden auf, beispielsweise in einer Messe- oder Veranstaltungshalle irgendwo in Deutschland. Das passiert bei anderen Veranstaltungen ja ohnehin, meist eben nur mit einem anderen Thema. Bei diesen Shows gibt es natürlich Produktionszeiten, zu denen das Set bereits steht. Wir planen die Zeitfenster für solche Events vor oder nach den Aufzeichnungen ein, manchmal sogar in der Produktionszeit an drehfreien Tagen.
„Deal or no Deal“ bieten Sie auch an, also eine Sendung, die hierzulande schon seit Jahren nicht mehr produziert wird. Da war ich überrascht, dass es das Set überhaupt noch gibt...
Software und Idee der Show sind vorhanden. Viele Kunden suchen nach unterhaltsamen Show-Ideen, die sie in ihre Veranstaltung, Tagung oder Konferenz integrieren können. „Deal or no Deal“ ist ein Konzept, das gut funktioniert und das insbesondere bei Ausstattung und Optik aus vorhandenen und neuen Materialien sehr schnell reproduziert werden kann.
Wie sehen Sie generell den Markt für solche Angebote? Das muss sich ja rechnen...
Wir sind gespannt, aber sehr guter Dinge. Wir sehen, dass führende Unternehmen jährlich zahlreiche Veranstaltungen fix planen – das Spektrum reicht hier von kleinen Konferenzen für Mitarbeiter im Vertrieb oder Kunden bis hin zu großen Veranstaltungen mit tausenden Teilnehmern. Wenn man das auf viele hundert Unternehmen in Deutschland überträgt, ist durchaus Bedarf vorhanden.
Und dann kann sich das auch zu einem lukrativen Nebengeschäft abseits der klassischen TV-Produktion entwickeln?
Budgets solcher Firmen-Events lassen sich sicher nicht mit Staffel-Produktionen vergleichen, aber sie könnten sich als kontinuierliche Zusatzeinnahme etablieren. Richtig Geld verdienen kann man in diesem Bereich sicher nur dann, wenn man gute Formate im Angebot hat und soviel wie möglich standardisiert: Indem man etwa „Die Wiwaldi Show“ mehrfach im gleichen Set anbietet, ergeben sich auch für den Kunden finanzierbare Lösungen.
… und Günther Jauch gibt’s frei Haus?
Die Moderatoren werden separat gebucht. Theoretisch kann der TV-Präsentator auch der Host des Events sein. Aber das hängt von Terminen, Verfügbarkeiten – und natürlich vor allem vom Budget ab
Wie lange wollen Sie diese Events nun ausprobieren? Auf welche Dauer ist das Projekt angelegt?
Wir haben das Projekt langfristig angelegt, weil Veranstaltungen oft mit einem Vorlauf von mehr als einem Jahr geplant werden. Im Herbst werden in der Regel die Budgets für das nächste Jahr festgelegt. Dann entscheiden Marketing-Verantwortliche, was sie im kommenden Frühjahr oder Herbst vorhaben. Von heute auf morgen lässt sich so etwas nämlich nicht stemmen, schon alleine die organisatorische Vorbereitung auf Kundenseite benötigt ihre Zeit.
Herr Schäfer, herzlichen Dank für das Gespräch.




22.07.2012 - 13:45 Uhr
Tools
Social Networks