Seit zwei Tagen ist das Aus der "Financial Times Deutschland" nun amtlich. Doch bis zum Schluss habe es "einen seriösen Interessenten" für das Wirtschaftsblatt gegeben, sagte Julia Jäkel, Vorstand Gruner + Jahr, nun in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt", ohne jedoch auf Details einzugehen. Woran ein Verkauf letztlich gescheitert ist, sagte sie nicht. Doch die hohen Verluste, die die "FTD" in all den Jahren einfuhr, sprechen eine eindeutige Sprache. "Wir werden alleine dieses Jahr mit unseren Wirtschaftsmedien 15 Millionen Euro Verlust machen. Die Entwicklung ist schlechter als im Vorjahr", so Jäkel. Dabei hätte sie durchaus auch weiterhin Verluste in Kauf genommen - nur eben nicht in dieser Höhe.
"Wenn es nur um 2012 ginge, wäre das noch okay", betonte sie und sagte: "Wenn wir damit ein bisschen Geld verloren hätten, würden wir uns jetzt nicht von über 300 Mitarbeitern trennen." Auf die Frage, ob ein Verlust in einstelliger Millionenhöhe für sie okay gewesen wäre, sagte Jäkel kurz und knapp: "Aber sicher." Der Vorstand habe nun allerdings abwägen müssen, ob man echte Chancen für die nächsten Jahre sieht. Diese Frage habe man am Ende mit Nein beantwortet. Nun sind also tatsächlich mehr als 300 Mitarbeiter vom harten Durchgreifen des Verlags betroffen. Ihnen will man jetzt versuchen, neue Arbeitsplätze im Verlag anzubieten.
Doch das dürfte schwierig werden, wie Julia Jäkel im "Hamburger Abendblatt" erklärte. "Hier und da" werde das gelingen, zeigte sie sich realistisch. "Aber im großen Stil ist das nicht möglich. Ich will da keine falschen Hoffnungen wecken." Zugleich zeigte sie Verständnis für Kritik an der Kommunikation der vergangenen Tage. "Ich bin sehr unglücklich über diese Art der Kommunikation. Ich finde sie unwürdig. Dass Kollegen, die hier jahrelang unter nicht immer leichten Bedingungen einen sehr guten Job gemacht haben, von der Einstellung der 'FTD' aus der Presse erfahren haben, tut mir leid." Den Grund für die früh durchgesickerten Informationen sieht Jäkel im Unternehmen. "Wir sind ein Medienhaus. Hier redet jeder mit jedem. Und in die Entscheidungen waren viele Menschen involviert."
Das nun beschlossene Ende der "Financial Times Deutschland" ist ihr aber offenkundig nicht leicht gefallen. "Ich habe dort fünf Jahre gearbeitet. Deshalb berührt mich das Schicksal der 'FTD' ganz besonders. Bei Gruner + Jahr haben wir uns alle Arme und Beine dafür ausgerissen, um einer besonderen Art des Journalismus eine Zukunft zu geben." So lange wie Gruner + Jahr hätte kaum ein anderer Verlag an dem Blatt festgehalten. Dass die letzte Ausgabe nun am 7. Dezmber erscheinen soll, erklärt Julia Jäkel übrigens wiefolgt: "Wir wollen der Redaktion die Gelegenheit geben, sich in einem geordneten Prozess von ihren Lesern zu verabschieden. Der 7. Dezember ist ein Freitag. Da hat man einen sauberen Abschluss."
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