Ulrich Ende beabsichtigt bekanntlich den Kauf der insolventen Nachrichtenagentur dapd. Dass die Agentur in den zurückliegenden von 130 auf 300 Mitarbeiter aufgestockt wurde, kann er allerdings nicht so recht nachvollziehen. "Die dapd ist in den vergangenen zwei Jahren auf eine wirtschaftlich unsinnige Weise aufgebläht worden", sagte Ende nun in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel". "Einen zweiten Sportdienst braucht beispielsweise niemand, weil es nun mal nur eine Sichtweise auf das geschossene Tor gibt."
Dennoch müsse es eine Kraft hinter der dpa geben, die seiner Meinung nach "quasi eine genossenschaftliche, allumfassende erste Kraft" sei, hinter der sich alle anderen anzustellen hätten, so Ende. "Das kann doch auch nicht sein, was der deutsche Journalismus will, was dem gesellschaftlichen Pluralismus gut tut." Nach Bekanntwerden seiner Übernahme habe er bereits mehrere Kooperations- und Investitionsangebote bekommen. "Das macht mich sehr zuversichtlich", sagte der Investor und kündigte zugleich an: "Ich werde leidenschaftlich für jeden Arbeitsplatz kämpfen."
Das sind Worte, wie sie die verbliebenen Mitarbeiter der Nachrichtenagentur vermutlich gerne hören werden. Dass es keine Garantie gibt, stört Ulrich Ende dagegen nicht. "Wo in diesem Leben gibt es eine Garantie? Aber ich bin Optimist und deshalb nervt es mich, dass wir im deutschen Journalismus gerade ständig die Haare in der Suppe suchen, um daraus einen Zopf zu flechten, anstatt gemeinsam an unserer Zukunft zu bauen." Nun wolle er den eigenständigen Qualitätsjournalismus mehr in den Vordergrund stellen, sagte Ende im Interview mit dem "Tagesspiegel".
Derzeit arbeite er an einem Angebot, "das unsere Kunden sicher überzeugen wird". Das wird angesichts des bevorstehenden Endes des Kooperation mit der US-Nachrichtenagentur AP aber auch nötig sein. Ob es auch einen neuen Namen für die dapd geben wird, ließ Ende zunächst aber offen. "Ich mag diese Marketing-Spielchen überhaupt nicht und in der derzeitigen Situation möchte ich meinen Verstand für anspruchsvollere Aufgaben im Sinne der Kreativität fürs Unternehmen anwenden." Er sei jedoch für eine Umbenennung offen. Ende: "Wenn jemand eine gute Idee hat, dann stell ich dem eine Flasche Champagner auf den Tisch."
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