Ende März wurde Jörg Armbruster in Syrien bei Dreharbeiten zu einer Reportage durch Schüsse auf seinen Wagen schwer verletzt. In einem "Spiegel"-Interview schildert er nun den Vorfall. "Wir kamen an einen Kreisverkehr, das war der Moment, in dem mein Instinkt mir sagte, hier stimmt etwas nicht." Der erste Schuss, der nach der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr abgegeben wurde, habe noch alle Insassen des Autos verfehlt. "Dann sofort der zweite, der mich erwischte, meine Hand zerstörte und in den Bauch vordrang. Dann war ich weg."
Inzwischen sei sein rechter Unterarm wiederhergestellt, im Augenblick sei dieser aber noch "zu nichts zu gebrauchen". "Es war ein Volltreffer, die Nerven sind durchschossen." Daher befinde er sich nun jeden zweiten Tag in Therapie. "Ich hoffe, dass ich meine Hand dann in ein paar Monaten wieder einsetzen kann. Versprechen will mir das gerade keiner, aber das ist vielleicht auch gut so."
Trotz der schwerwiegenden Folgen bereue er die Reise grundsätzlich nicht, auch wenn er aktuell nicht glaube, dass er noch einmal nach Aleppo zurückkehren werde: "Die Reise selbst war so erkenntnisreich, und das gesammelte Material ist so stark, darauf möchte ich nicht verzichten", sagte er dem "Spiegel". Er bereue aber, dass er nicht nein gesagt habe, als der Guide sie in Richtung Altstadt gelotst habe. Schutzwesten haben er uns ein Hörfunkkollege Martin Durm nicht getragen, weil ihnen gesagt worden sei, dass es sich um eine sichere Gegend handle - andernfalls hätte man sie angelegt. "Andererseits ist das auch bei Interviews keine leichte Entscheidung, gerade in den belebteren Vierteln, in denen die Menschen versuchen, ein bisschen normales Leben zu leben. Wenn sie da als Journalist eine Schutzweste tragen, schafft das eine enorme Distanz."
Seine Berichterstattung zum Rücktritt Husni Mubaraks sieht Armbruster inzwischen kritisch. "Wir waren in einer Art Euphorie. Damals haben wir tatsächlich etwas die Distanz verloren. Heute beurteile ich die Dinge ganz anders." Damals habe er gedacht, es könne eigentlich nur besser werden, nach wenigen Tagen sei aber klar gewesen, dass es sich letztlich nur um einen Militärputsch gehandelt habe und das Militär sich mit den Muslimbrüdern verbündet.
von 


