Drittsendeanbieter bei Sat.1 © Sat.1/Spiegel TV/Focus TV/dctp
Denkbar knappe KEK-Entscheidung

Sat.1 wird "unabhängige Dritte" erstmal nicht los

von Uwe Mantel
11.05.2013 - 11:17 Uhr

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Auch wenn der Sat.1-Marktanteil inzwischen weit unterhalb der Grenze liegt, ab der man Sendezeit für sogenannte "unabhängige Dritte" bereitstellen muss: Die KEK hat entschieden, dass Sat.1 weiter in der Pflicht steht. Wie es ab 1. Juni weiter geht, ist trotzdem unklar.

Sobald ein Sender in Deutschland einen Marktanteil von über 10 Prozent beim Gesamtpublikum erreicht, muss er Sendezeit für unabhängige Drittanbieter bereitstellen. Neben RTL betrifft das bislang auch Sat.1. Angesichts des deutlichen Quoten-Abwärtstrends der letzten Jahre, ist Sat.1 inzwischen aber eigentlich unter diese Marke gerutscht. In diesem Jahr liegt der durchschnittliche Marktanteil beim Gesamtpublikum bislang gerade mal bei 8,3 Prozent - die fragliche Grenze ist damit so weit entfernt, dass man wohl davon ausgehen kann, dass sie auch in näherer Zukunft erstmal nicht mehr übersprungen wird.

Aus diesem Grund pocht Sat.1 darauf, ab dem nächsten Vergabezeitraum, der am 1. Juni startete, von dieser Verpflichtung freigestellt zu werden - musste nun aber eine Niederlage hinnehmen. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) hat entschieden, dass der Marktanteil aus dem vorletzten Jahr, als das Verfahren begann, zugrunde gelegt wird - und damals lag Sat.1 noch knapp über der 10-Prozent-Marke. Doch wie umstritten diese Entscheidung selbst bei der KEK war, zeigt das Abstimmungsverhalten: Wie Kai-Hinrich Renner im "Hamburger Abendblatt" berichtet, sei die Abstimmung mit sechs zu sechs Stimmen ausgegangen. Ausschlaggebend sei schließlich lediglich das Votum der KEK-Vorsitzenden Prömmel gewesen. Sat.1 prüft nun rechtliche Schritte gegen diese Entscheidung, die nicht zuletzt angesichts der überaus knappen Abstimmung nicht völlig aussichtslos erscheinen.

Doch wer nun nach dem 1. Juni die Sendeplätze für Unabhängige Dritte beanspruchen darf, ist trotzdem noch nicht ganz klar. Die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt kam im ersten Verfahren wie eh und je zu der Entscheidung, DCTP ("Spiegel TV Reportage") und News and Pictures ("Planetopia", "Weck up") den Zuschlag zu geben. Dagegen klagten die wie immer unterlegenen Konkurrenten und Sat.1 - und bekamen Recht. Die Richter ordneten ein neues Verfahren an. Und siehe da: Die LMK entschied sich im neuen Verfahren wieder für DCTP und News and Pictures. Über diese Auswahl will die KEK nun am 4. Juni befinden - also erst nach Ablauf der bisherigen Lizenzen.

Doch abgesehen davon ist auch noch gar nicht klar, ob die LMK denn überhaupt noch zuständig ist. Sat.1 hatte von der rheinland-pfälzischen Anstalt nämlich so die Nase voll, dass man kurzerhand zur Medienanstalt Hamburg-Schleswig-Holstein gewechselt ist und dort seine neue Lizenz beantragt hat. Nun liegen auch die Medienanstalten untereinander überkreuz, wer nun zuständig ist. Auch hier werden Gerichte entscheiden. Sollte all das nicht noch in diesem Monat geklärt werden, wolle Sat.1 bis zu einer endgültigen Entscheidung laut "Abendblatt" vorerst auf freiwilliger Basis die Formate von DCTP weiter ausstrahlen - nicht aber "Planetopia" und "Weck up", die von News and Pictures produziert werden.

Bei RTL ging die Vergabe der Sendeplätze für Drittanbieter hingegen geräuschloser von statten. Hier kamen erneut DCTP und AZ Media zum Zug. Die KEK meldete hier in der gleichen Sitzung keine Bedenken gegen diese Vergabe an.

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