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Wirbel um Radiointerview

Pro Regierung? WDR entsetzt über "Falschaussage"

von Alexander Krei
18.01.2016 - 14:22 Uhr

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Sind Journalisten des WDR dazu angehalten, positiv über Flüchtlinge zu berichten? Der Sender zeigt sich angesichts der Aussage einer freien Mitarbeiterin entsetzt. Auch die Autorin ruderte inzwischen zurück: Sie habe "totalen Quatsch verzapft".

In Zeiten, in denen das Wort "Lügenpresse" vielerorts Hochkonjunktur hat, dürften diese Aussagen einer WDR-Journalistin Kritikern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gelegen kommen: "Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten", sagte die langjährige freie Mitarbeiterin Claudia Zimmermann einem "Tagesspiegel"-Bericht zufolge in einer niederländischen Radiosendung, in der es um die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln ging. Als öffentlich-rechtlicher Sender müsse der WDR eher eine "Regierungsstimme" als eine "Oppositionsstimme" haben.

Auf die Frage des Moderators, ob sie positiv über Flüchtlinge berichten müsse, sagte Zimmermann gemäß der "Tagesspiegel"-Übersetzung: "Wir sind öffentlich-rechtlicher Rundfunk und darum angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen. Das beginnt mit der Willkommenskultur von Merkel bis zu dem Augenblick, als die Stimmung kippte und es mehr kritische Stimmen im Rundfunk und auch von der Politik gab." Die Anweisung gehe demnach von mehreren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuständigen Ausschüssen aus.

Beim WDR zeigte man sich angesichts der Aussagen entsetzt. "Das entspricht in keinster Weise der Haltung des Unternehmens", sagte die stellvertretende Pressesprecherin Ingrid Schmitz. Die Aussagen der freien Mitarbeiterin seien falsch. Die Berichterstattung des WDR und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolge "nach höchsten journalistischen Standards - ausgewogen und unabhängig", stellte der WDR klar. "Das gilt für die gesamte Berichterstattung, auch für die über Flüchtlinge."

Claudia Zimmermann war in ihrer Rolle als Fachjournalistin in die Radiosendung eingeladen worden und distanzierte sich nun von ihren Aussagen. "Ich habe an dieser Stelle Unsinn geredet", sagte Zimmermann am Montag. "Unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde habe ich totalen Quatsch verzapft. Mir ist das ungeheuer peinlich. Denn ich bin niemals als freie Journalistin aufgefordert worden, tendenziös zu berichten oder einen Bericht in eine bestimmte Richtung zuzuspitzen."

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