ZDF-Chefredakteur Peter Frey © ZDF/Carmen Sauerbrei
ZDF-Chefredakteur weist Vorwürfe zurück

Frey: "Wir sind kein 'Wir schaffen das'-Sender"

von Uwe Mantel
04.02.2016 - 11:53 Uhr

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In einem Gastbeitrag für die "Zeit" betont ZDF-Chefredakteur Peter Frey, dass das ZDF von Beginn an über "problematische Aspekte der Flüchtlingskrise" berichtet habe. Den "Lügenpresse"-Vorwürfen wolle man "Qualität und Vielfalt" entgegen setzen.

Selten zuvor sahen sich die Medien hierzulande einer so lautstark vorgetragenen Kritik ausgesetzt wie in Zeiten der "Lügenpresse"-Skandierer. ZDF-Chefredakteur Peter Frey weist in einem Gastbeitrag für die "Zeit" den Vorwurf, im Sinne der Regierung zu berichten, zurück. "Wir haben von Beginn an über problematische Aspekte der Flüchtlingskrise berichtet. Grundsätzliche Fragen der Integration waren immer ein Thema, zum Beispiel lief schon im September vergangenen Jahres eine 'ZDFzoom'-Dokumentation über islamische Parallelwelten."

Frey weiter: "Wir sind kein 'Wir schaffen das'-Sender. Wir diskutieren, ringen um Meinungen, bilden verschiedene Positionen ab." Dazu gehöre auch, dass man Vertreter von Pegida und der AfD zu Talkshows eingeladen habe. "Demokraten sollten vor Populisten nicht in Deckung gehen", begründet der ZDF-Chefredakteur diese Entscheidung. Bei Anne Will oder Maybrit Illner habe man auch schon beobachten können, wie die AfD-Vertreter in der Diskussion entzaubert worden seien.

Den Angriffen, denen sich die großen Medien aus dieser Ecke ausgesetzt sehen, wolle man "Qualität und Vielfalt" entgegen setzen - und Transparenz: "Wir können nicht voraussetzen, dass unser journalistisches Koordinatensystem vom Publikum fraglos nachvollzogen wird. Wer glaubwürdig sein will, muss sich erklären. Jede Sendung auf ihre Weise: Was sind unsere Entscheidungskriterien? Wie verlaufen redaktionelle Prozesse? Warum laden wir diesen oder jenen Gesprächspartner ein? Social Media machen Kommunikation möglich, manchmal reicht ein erklärender Nebensatz in der Moderation. Die Vermittler müssen raus aus den Studios und sich um ihr Publikum bemühen."

Auch im Fall der recht späten Berichterstattung nach den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof wehrt sich der ZDF-Mann. Wenn Redaktionen geprüft hätten, ob Flüchtlinge dadurch pauschal unter Verdacht gestellt werden könnten, seien diese Skrupel richtig gewesen - der Pressekodex verlangt sogar danach. "Es kommt auf Sensibilität an, und die muss in redaktionellen Diskussionen immer neu entwickelt werden. Ein 'Schweigekartell' zu konstruieren, weil im Fall des ZDF erst das "heute journal" und nicht die "heute"-Sendung zweieinhalb Stunden zuvor die Kölner Vorkommnisse gemeldet hat, war total überzogen." Wenn hinter Verbrechen regelmäßig Tätergruppen einer bestimmten Herkunft stünden, müsse man die aber freilich benennen. "Aber auch jetzt gilt es, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten." Die Versäumnisse in der Zuwanderungspolitik sollten nun nicht "auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen werden".

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