Deutschland 83 © RTL / Robert Grischek
Produzent Jörg Winger in der "SZ"

"Auch RTL hat sehr von 'Deutschland 83' profitiert"

von Uwe Mantel
10.03.2016 - 13:21 Uhr

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Ob es eine zweite Staffel von "Deutschland 83" geben wird, steht noch immer nicht fest. Produzent Jörg Winger plädiert, nicht allein auf die Quote zu schauen und ist sicher, dass RTL zumindest einen Image-Gewinn verbuchen kann.

Es gab viel Kritiker-Lob, für Fremantle war es ein internationaler Verkaufserfolg, in diesem Jahr gibt's sogar einen Grimme-Preis. Doch ob "Deutschland 83" eine zweite Staffel erhalten wird, ist noch immer nicht entschieden. Grünes Licht geben müsste RTL - und hier waren die Quoten hinter den Erwartungen zurück geblieben. In einem Interview, das Jörg Winger und Benjamin Benedict - beide in die Geschäftsführung der UFA Fiction aufgestiegen - der "Süddeutschen" gaben, legt sich der Produzent der Serie nun nochmal ins Zeug, um RTL den Wert von "Deutschland 83" vor Augen zu führen.

"Wir sind in Verhandlungen und überlegen, welche Lehren wir aus der ersten Staffel ziehen. Aber klar ist, dass RTL auch sehr von dieser Serie profitiert hat, allein was Image und Presse angeht." Tatsächlich sonnte sich RTL fast ein ganzes Jahr in Kritikerlob aus dem Ausland, ehe man dann mit den ernüchternden Quoten im eigenen Land leben musste. Winger ist jedenfalls überzeugt, dass die nicht allein ausschlaggebend sind: "Eine Serie kann, unabhängig von der Quote, das Image eines ganzen Senders verändern. Wir müssen aufhören, wie die Maus vor der Schlange einzig und allein auf die Quote zu starren. Über unsere Programme muss gesprochen werden." Zwar sei es abwegig zu behaupten, die Quote sei irrelevant, doch man müsse zu einer differenzierteren Betrachtung kommen, pflichtet Benjamin Benedict bei: "Nicht jedes Programm sollte unter den gleichen Maßgaben - den gleichen Quotenerwartungen, dem gleichen Diskurspotenzial, der gleichen Internationalität - gemessen werden."

Künftig will man sich bei UFA Fiction bemühen, verstärkt auch aktuellere Stoffe zu erzählen. Dies sei aber schwierig, "weil Gegenwart ziemlich schnell veraltet", so Benedict. Man müsse daher auf Zeitlosigkeit achten. Jörg Winger: "Wenn man tatsächlich mit den Ereignissen mithalten möchte, müsste man wie bei 'Homeland' die Bücher während des Produktionsprozesses radikal umschreiben. Aber dazu fehlen uns in Deutschland schlichtweg die Ressourcen." Dass es künftig zumindest nicht mehr an Autoren mangelt, will die UFA nun selbst angehen. "Kreative sollen bei uns Bedingungen finden, die es ihnen ermöglichen, statt über den nächsten 'Tatort' intensiv über neue Formate nachzudenken. (...) Wir wollen die Autoren in die Lage versetzen zu arbeiten, als säßen sie in Los Angeles, London oder Kopenhagen."

Vielleicht klappt's dann ja auch, mit Netflix und Amazon ins Geschäft zu kommen, die gerade ihre ersten deutschen Serien-Projekte angekündigt haben. UFA Fiction kam dabei allerdings nicht zum Zug. Benjamin Benedict sagt, er sei "frei davon, missgünstig auf die Erfolge anderer zu blicken. Zunächst einmal nutzt es der gesamten Branche, dass Netflix deutsche Produzenten beauftragt." Für Jörg Winger sind es allerdings erstmal nur "singuläre Versuche". "Wer hochwertige Serien produzieren will, für den sind andere neue Partner vielversprechender" - etwa Pay-TV-Sender oder auch ein Sender wie Vox sowie auch ausländische Sender wie Channel 4 oder Canal+. Die wichtigsten Partner blieben aber einstweilen die deutschen Sender, mit denen man schon lange im Geschäft sei. "Es wäre falsch, jetzt nur noch auf die neuen Player im Markt zu setzen."

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