Schon seit einigen Wochen wird über einen Wechsel von Tanit Koch zur Mediengruppe RTL Deutschland spekuliert, jetzt steht fest: Die ehemalige "Bild"-Chefredakteurin übernimmt bereits zum 1. März die Geschäftsführung des Nachrichtensenders n-tv. Koch folgt damit auf Hans Demmel, der das Unternehmen nach 26 Jahren verlässt - "auf eigenen Wunsch und in gegenseitigem Einvernehmen", wie es aus Köln heißt. Demmel bleibt Vorstandsvorsitzender des Privatsenderverbands Vaunet und behält weiterhin das Mandat der Mediengruppe. 

Mit ihrem Wechsel an den Rhein gehen auch andere weitreichende Veränderungen einher, denn in ihrer neuen Funktion soll Tanit Koch als künftige Chefredakteurin Zentralredaktion eine gemeinsame Redaktions-Einheit aufbauen, die das inhaltliche Fundament für alle journalistischen Produkte der Mediengruppe RTL bilden wird, wie es heißt. Dabei soll sie mit n-tv-Chefredakteurin Sonja Schwetje, RTL-Chefredakteur Michael Wulf sowie sowie Jan Rudolph, dem Chefredakteur von RTL Interactive, zusammenarbeiten.

Koch berichtet künftig ebenso wie Wulf und Rudolph an Jan Wachtel, der kürzlich zum Geschäftsführer digitale Medien & journalistische Inhalte der Mediengruppe RTL aufgestiegen und auf diese Weise auch Hans Demmel vor die Nase gesetzt worden war. "Ich freue mich außerordentlich, dass wir mit Tanit eine ebenso erfahrene wie renommierte, exzellent vernetzte Journalistin für diese Aufgabe gewinnen konnten", sagte Wachtel. "Des Weiteren freue ich mich, gemeinsam mit Tanit, Michael, Jan und Sonja die Zukunft von journalistischen Inhalten innerhalb der Mediengruppe RTL zu erarbeiten und zu gestalten."

Tanit Koch hatte den Springer-Verlag vor einem Jahr verlassen - auch, weil das Zusammenspiel mit Julian Reichelt nie funktionierte (DWDL.de berichtete). Doch auch die Mediengruppe kennt die 41-Jährige gut: "Während meiner journalistischen Ausbildung habe ich einige Zeit bei 'RTL aktuell' verbracht und war damals schon von den Reporterleistungen und dem Teamgeist beeindruckt", sagte sie. "Ich freue mich sehr darüber, Teil eines privaten Medienunternehmens zu werden, das nahbaren Journalismus mit Innovationsgeist und Kreativität verknüpft - und das inhaltlich, personell und wirtschaftlich hervorragend für die digitalen Herausforderungen aufgestellt ist."

"Nachrichtenfernsehen ist Teamarbeit."
Hans Demmel, scheidender n-tv-Geschäftsführer

Hans Demmel© MG RTL D
Wie sich n-tv unter ihrer Führung verändern wird, bleibt abzuwarten. Unter Hans Demmels (Foto) Leitung feierte die Marke n-tv im Digitalen große Erfolge, wenngleich der lineare Nachrichtensender in der Vergangenheit stets einigermaßen konservativ daherkam - ein Konzept, mit dem man zuletzt rund einen Prozent Marktanteil verzeichnete. "Für mich waren die Jahre bei n-tv sicherlich die spannendsten, forderndsten, aber auch erfülltesten meines Berufslebens. Ich möchte mich herzlich bei den Gesellschaftern bedanken, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten n-tv und mich immer unterstützt haben", sagte der scheidende Geschäftsführer am Dienstag. "Nachrichtenfernsehen ist Teamarbeit und kann nie von einem alleine erfolgreich vorangebracht werden."

Die Personalie Tanit Koch ist nun also die nächste große Personalie, seit Bernd Reichart zu Jahresbeginn den Posten als CEO bei der Mediengruppe RTL Deutschland antrat - und zugleich löst sie das Dilemma, dass sämtliche Sender des Unternehmens derzeit von Männern gelenkt werden. Reichart: "Zunächst möchte ich Hans Demmel herzlich für seine großartige Leistung danken. Er hat n-tv journalistisch profiliert und erfolgreich zu einer wirtschaftlich gesunden sowie starken cross-medialen News-Marke entwickelt. Innerhalb unserer Gruppe war n-tv mit frühem Fokus auf digitale Anwendungen stets ein Innovationstreiber."

Gleichzeitig freue er sich, "dass mit Tanit Koch eine so hochkarätige Journalistin zu uns stößt, die vielfältige Erfahrungen aus ihrer Arbeit für den Axel-Springer-Verlag mitbringt", so Reichart weiter. Und Jan Wachtel lässt keinen Zweifel daran, im Informationsbereich verstärkt angreifen zu wollen. "Mit unseren Angeboten stehen wir für politisch und wirtschaftlich unabhängigen Journalismus, der nah dran ist an der Lebenswelt der Menschen. Diese Stärke wollen wir konsequent weiter ausbauen, indem wir unsere Kräfte für die journalistischen Inhalte unserer Sender und Plattformen bündeln", erklärte Wachtel. Man darf gespannt sein auf die genaue Ausgestaltung.