Topmodel Naomi Campbell fährt bereits zur Premiere von "The Face" die Krallen aus und Oxygen versucht auf den Schwesternsendern Zuschauer abzufangen. Außerdem: Negativpresse für "The Neighbors" wird Mittelpunkt neuer Trailerkampagne...
Seit Jahren ist "America’s Next Top Model" eine feste Bank im amerikanischen Fernsehen und auch wenn nach mittlerweile 19 Staffeln die Quoten für die Modelshow, die von Tyra Banks moderiert und produziert wird, stetig fallen, ist die Marke "Top Model" für den Sender The CW nicht mehr wegzudenken. Modefotograf und Talentscout Nigel Barker gehörte jahrelang zum festen Jurypanel von "Top Model" und hielt Banks 18 Staffeln lang die Treue, was sich im letzten Jahr dann aber überraschend änderte. Für sein eigenes, von ihm entwickeltes und präsentiertes Modelshow-Format konnte Barker keine Geringere als das wohl erfolgreichste und vermutlich weltweit bekannteste Topmodel Naomi Campbell gewinnen, die vielen sicherlich durch ihre unzähligen Skandale bekannt sein dürfte und seit Jahrzehnten auf den Catwalks der Welt zu Hause ist.
Naomi Campbell ließ sich von dem Konzept der neuen Model-Competition-Show "The Face" überzeugen, was nach eigener Aussage nach nicht einfach war: "Ich wurde jahrelang gefragt, ob ich nicht eine Fernsehshow machen möchte, aber ich hab mich nie damit anfreunden können, Nachwuchsmodels zu sagen, dass sie nicht das Zeug haben für diesen Job. Natürlich haben wir in unserer Show auch Eliminierungen, da es nur einen Gewinner gibt… aber die 12 Mädchen können mit Stolz sagen, dass sie etwas gelernt haben…" Jede Woche müssen sich die Kandidatinnen in Challenges beweisen und bei Modenschauen und Fotoshootings zeigen, dass sie es verdient haben, einen Runde weiterzukommen. Doch nicht nur unter den 12 Kandidatinnen gibt es mächtig Konkurrenz, sondern auch Naomi Campbell selbst muss sich gegen zwei weitere Mentorinnen durchsetzen. Das Format "The Face" sieht nämlich vor, dass drei Topmodels mit einem Team von jeweils vier Kandidatinnen um den Titel "The Face" kämpfen.
Neben Campbell konnte Oxygen auch die Topmodels Coco Rocha und Karolina Kurkova als Mentorinnen gewinnen, die aber ganz klar im Schatten der Modeldiva Naomi Campbell stehen, was u.a. auf den Werbeplakaten sichtbar ist, die seit Ende Januar in ganz New York zu sehen sind. Der kleine NBC-Sender Oxygen investierte offensichtlich eine größere Summe in das Marketing für "The Face", da in der Woche vor der Premiere der komplette Bahnhof am Times Square und auch die Grand Central Station mit "The Face"-Werbung zuplakatiert wurden:
Mittelpunkt des Plakatmotivs ist eindeutig Naomi Campbell, was auch inhaltlich in der Premierenfolge am vergangenen Dienstag schnell klar wurde. In nur einer Minute wurde zu Beginn der ersten Folge das Auswahlverfahren der zwölf Kandidatinnen thematisiert, um danach direkt in den Wettbewerb zwischen den drei Mentorinnen und deren Schützlinge einzusteigen. Im Verlaufe der ersten Folge zeichnete sich nach und nach immer mehr ab, dass "The Face" in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem "Top Model"-Format vorweisen kann, da trotz des üblichen Dramas und der Streitereien zwischen den Kandidatinnen der dramaturgische Fokus auf den Kampf zwischen den Profimodels gelegt wurde. Der erbitterte Ehrgeiz unter den Profimodels führte bereits am Ende der ersten Folge zu einem Wortgefecht zwischen einer entrüsteten Campbell und einer kleinlauten Karolina Kurkova, da jene eine Kandidatin von Team Naomi als erste nach Hause schickte.
Campbell machte ihrem Ruf als neurotische Zicke alle Ehre und machte mit Türenschlagen und Beleidigungen gegenüber ihrer Modelkolleginnen direkt klar, wer das Sagen bei "The Face" hat bzw. haben wird. In einem Interview vor der Premiere versuchte Rocha zu erklären, weshalb es u.a. zu Unstimmigkeiten unter den Mentorinnen kommt: "Wir sind drei unterschiedliche Topmodels aus drei komplett verschiedenen Generationen." Und genau dieser Umstand machte die Premierenfolge absolut sehenswert und lässt auf eine spannende erste Staffel hoffen, die dank Naomi Campbell sicherlich noch Drama-Potential hat. Um so viele Zuschauer wie möglich von der neuen Modelshow "The Face" überzeugen zu können, entschied die Mutterfirma NBC Universal die erste Folge nicht nur auf Oxygen, sondern zur gleichen Zeit auch auf den NBC-Sendern Bravo und Style zu zeigen. In dieser Woche wird sich zeigen, ob die Bravo- und Style-Zuschauer für die zweite Folge auf Oxygen einschalten werden. Angesichts der großen Marketing- und Promotionkampagne dürfte Oxygen mit einem Start von 0,51 Mio. Zuschauern Gesamt und einem Platz unter den Top30 der Cable Networks vorerst allerdings nicht zufrieden sein.
Für die Promotion zum Start sowohl von Fernseh- als auch Kinoformaten werden in den USA fast immer lobende Zitate von angesehenen und etablierten Medienpublikationen verwendet um die Zuschauer davon zu überzeugen, dass ein neuer Film oder eine neue Serie der nächste große Hit sein wird. Im Falle der Ende September 2012 gestarteten ABC-Comedyserie "The Neighbors" wurde dieses Werbeelement zum ersten Mal in etwas anderer Form eingesetzt. Seit Ende Januar verfolgt ABC bei seinen On Air-Trailern für die neuen Folgen von "The Neighbors" die Strategie, die schlechten Kritiken herauszustellen, mit denen die Sitcom zu Beginn bombardiert wurde. Die Trailer starten mit einer Aufzählung von vernichtenden Zitaten wie bspw. "Einfach schrecklich", "Wie konnte das bloß produziert werden", "Äußerst unlustig", "Absoluter Schwachsinn", bis auf einmal der Slogan folgt "It’s Ok to Say You Like It". Der Produzent Dan Fogelman erklärte in einem Interview mit TV Guide wie es zu dieser ungewöhnlichen Werbekampagne kam: "Unerwarteter Weise erhielten wir anfangs einen solch heftigen kritischen Gegenwind, weshalb wir den Spieß jetzt umdrehen wollten… 90% der Zuschauer gaben uns als Feedback, dass sie schockiert waren wie lustig die Sitcom eigentlich sei. Somit machten wir dies zum Kern der Kampagne, so dass die Zuschauer vermittelt bekommen, dass sie sich nicht schämen müssen zuzugeben, dass sie die Sendung mögen." "The Neighbors" handelt von einer Familie, die in eine Vorstadt zieht, die von seltsamen Aliens bewohnt ist. Ein herausragender Erfolg ist die Sitcom für ABC allerdings immer noch nicht, da von den anfangs über 9 Mio. Zuschauern mittlerweile nur noch durchschnittlich knapp 6 Mio. übrig geblieben sind.
Angriff: Neue Modelshow auf 3 Sendern gleichzeitig