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Wolfgang Kaden
© Manager Magazin
DWDL.DE-INTERVIEW

Kaden: "Einige werden auf der Strecke bleiben"


(16.10.2008) Der langjährige Chefredakteur des "Manager Magazin", Wolfgang Kaden, sieht schwere Zeiten auf die Printbranche zukommen. Die Finanzkrise wird ihren Tribut fordern, vor allem bei den Zeitschriften, so seine These. Zudem fordert er ein Herangehen an hausgemachte Probleme.

Wolfgang Kaden
© Manager Magazin
Herr Kaden, der Aktienmarkt hat sich Anfang der Woche auf breiter Front wieder etwas erholt. Gibt es einen Grund für viele Printmedien wieder ein wenig aufzuatmen?

Die Aufwärtsbewegung wird die Gesamtsituation nicht verändern. Wir haben einen dramatischen Umschwung in der Wirtschaft, vor allem in der Güterwirtschaft. Ich gehe davon aus, dass die werbungtreibende Wirtschaft das tut, was sie in solchen Situationen immer tut: Werbeetats kurzfristig massiv runterzufahren. Insofern wird die Medienbranche leider ziemlich hart getroffen.

Sind also die kurzfristigen Einstellungsstopps, wie beispielsweise von Holtzbrinck, gerechtfertigt?

Mit Sicherheit nachvollziehbar. In einer solchen Situation stellt man keine Leute ein. Natürlich versucht man in dem Bestand jetzt erstmal zu überwintern.

Einstellungsstopps sind das eine. G+J will da wohl den nächsten Schritt gehen und versucht einige Mitarbeiter loszuwerden. Ist das in der jetzigen Phase nicht zu früh?

Konjunkturell waren die Printmedien ohnehin schon angeschlagen. Es ist jetzt davon auszugehen, dass sich diese Bewegung noch beschleunigt. Schauen Sie sich die Buchungen im letzten halben Jahr an. Das hat nicht so gut ausgesehen. Da kann ich die Vorsichtsreaktionen schon gut verstehen. Leider kann es aber sein, dass es sich für die Printmedien im nächsten halben Jahr noch wesentlich dramatischer entwickeln wird.

Warum wird es die Printmedien stärker treffen?


Es sind natürlich einerseits die Tendenzen zur Schaltung in Online-Medien. Andererseits aber gab es schon vor der Finanzkrise Einbrüche bei den Printmedien. Ich fürchte, die Verlage stehen vor einer ganz schwierigen Phase.
 
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Für die Probleme ist also nicht alleine die Finanzkrise verantwortlich zu machen?

Wir haben schon länger eine strukturelle Entwicklung, die Probleme für die Printmedien geschaffen hat. In Deutschland gibt es schlicht zu viele Titel, vor allem bei den Zeitschriften. Ein Ausleseprozess könnte nun durch die Finanzkrise in Gang gesetzt werden. Ich bin mir sicher, dass es zu einem Bereinigungsprozess kommen wird. Printmedien, die qualitativ hochwertiger sind, wird es aber weniger treffen.

"Stern", "Spiegel" und "Focus" kommen schadlos aus der Krise?

Nein, aber es wird sie weniger betreffen. Es zeigt sich eben immer diese fürchterliche Hebelwirkung. In der Hochkonjunktur kommt den Zeitschriften, die stark von Anzeigenerlösen abhängig sind, das Geld zu den Ohren raus. Sobald die Konjunktur schwächelt, schlägt das aber voll überproportional auf die Werbeetats durch. Es wird bei den genannten Titeln schrumpfende redaktionelle Umfänge geben. Ich bin aber auch nicht allzu pessimistisch.

Sie sind viele Jahre im Mediengeschäft tätig. Was unterscheidet diese Krise von der nach 2000?

Für eindeutige Prognosen ist es noch zu früh. Einige Manager sind ja krisenerfahren. Ich erwarte, dass man aus den Fehlern von damals gelernt hat und die Probleme auch struktureller angeht. Mit geringeren Personalbestand haben sich damals einige wieder berappelt. Ich fürchte, dabei wird es diesmal nicht bleiben. Es werden einige Printmedien im nächsten Jahr auf der Strecke bleiben.



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