"Cicero"-Chefredakteur Wolfram Weimer ist zufrieden. Als Macher eines Magazins, das in der Krise der New Economy entstanden ist, habe er mit seinem Team gelernt, "dass man gerade in der Krise neue Wege beschreiten muss". Daher habe man in diesem Frühjahr mit "Cicero Portfolio" - dessen erste Ausgabe sich mit etwas Verspätung dem Amtsantritt von Barack Obama widmete - ein neues Produkt auf den Markt gebracht, das bereits mit der ersten Ausgabe Geld einspiele. Das sagte Weimer in einem Interview mit dem "Tagesspiegel".Angesichts der derzeitigen Krise sieht Weimer ein verstärktes Interesse der Leser nach Orientierung, das sich positiv auf die Verkäufe der "Cicero" auswirke. Laut der aktuellen IVW-Analyse (1/2009) legte der Titel bei den Verkäufen rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Der Grund, so Weimer im "Tagesspiegel": "Wir haben vieles, wenn nicht alles, anders gemacht, als uns Medienmanager geraten haben. Die Ratschläge lauteten: Boulevard, Nutzwert, Lifestyle - und das bitte billig".
Doch auch wenn es im Käufermarkt derzeit gut läuft, so bekommt der Verlag die derzeitige Werbekrise auch zu spüren. "Bei den Anzeigen spüren wir jetzt den Gegenwind, wenn auch nicht so heftig wie andere", so Weimer im "Tagesspiegel". Die Leserschaft der Zeitschrift "Cicero" beschreibt Weimer als zu zwei Dritteln männlich, gut verdienend, Vielreisende und mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren. Gelesen werde der Titel vornehmlich in der Stadt.
Mit dem Label, ein elitäres Magazin zu machen, hat Weimer keine Probleme. "Wenn anspruchsvolle Texte, große Autoren, intellektuelle Reflexion und wertvolle Gestaltung, meinetwegen auch das Bildungsbürgerhafte politischer Kultur, wenn all das elitär ist, bekenne ich mich gerne zum Elitären", sagte er dem "Tagesspiegel".



