Unterm Strich vom 21. April
Das Donnerstags-Dilemma: Ohne Quiz läuft's nicht
Ob "Quiz der Tiere", "Quiz des Menschen" oder "Quiz der Deutschen": Nur allzu gerne war der Donnerstagabend im Ersten in der Vergangenheit für Rateshows der verschiedensten Sorte vorgesehen. Was auch immer man darüber denken mag: Die Quoten der Sendungen stimmten. Doch zuletzt suchte man solche Quiz-Formate nahezu vergeblich. Stattdessen setzt der Sender seit Jahresbeginn auf andere Show-Farben - doch wirklich gut ist man damit bislang nicht gefahren.
So erwies sich "Unser Star für Baku" als große Enttäuschung: Nur etwas mehr als zwei Millionen Zuschauer wollten im Februar das Finale der Castingshow sehen. Auch die Echo-Verleihung enttäuschte kürzlich mit nur noch 2,58 Millionen Zuschauern - ein neuer Tiefstwert für den Musikpreis. Mit "Opdenhövels Countdown" startete außerdem in der vergangenen Woche ein neuen Show-Format, das sich deutlich von den klassischen Quiz-Formaten des Ersten unterscheidet. Hier hielt sich das Interesse mit 3,21 Millionen Zuschauern ebenfalls in Grenzen.
In dieser Woche lief die Rankingshow "Die beliebtesten Komiker-Duos", doch mehr als 2,84 Millionen Zuschauer waren damit nicht zu erreichen. Wiederholungen der "Donna Leon"-Reihe floppten ebenso wie ein "Toni Costa"-Krimi. Am besten schnitt letztlich übrigens dann doch ein Quiz ab - doch selbst die Show zum "Tagesschau"-Jubiläum erwies angesichts von nur 3,84 Millionen Zuschauern nicht gerade als Überflieger. Und so hat sich der Donnerstag im Ersten zuletzt heimlich, still und leise zum kleinen Sorgenkind des Ersten entwickelt.
Ein Schuldiger ist schnell gefunden: Das ZDF trumpfte in den vergangenen Wochen spürbar auf. Zu verdanken hat der Sender das einerseits lockeren Komödien wie "Idiotentest" oder "Bankraub für Anfänger" mit jeweils mehr als fünf Millionen Zuschauern. Hinzu kommt: Die Idee, die beiden Serien "Bergretter" und "Bergdoktor" auf 90-Minüter zu erweitern, erwies sich als goldrichtige Strategie. Teilweise schalteten hier sogar fast sechseinhalb Millionen Zuschauer ein - Zuschauer, die vor allem dem Ersten fehlten. Im Vergleich zum Vorjahr konnte sich das ZDF donnerstags kräftig steigern. Zur Erinnerung: Mit dem inzwischen eingestellten Magazin "ZDF.reporter" verzeichnete der Sender einst oft nur rund zwei Millionen Zuschauer.
Was steht an?
Nach der "RTL Comedy Woche" startet RTL am Wochenende noch zwei weitere neue Formate: Einerseits "Es kann nur E1NEN geben" mit Oliver Geissen, andererseits "Großstadtliebe" mit Miriam Pielhau. Die Show mit Geissen hat durch den Sendeplatz direkt nach "Deutschland sucht den Superstar" einen kleinen Startvorteil, doch die Chancen auf einen Erfolg standen kürzlich noch besser - ursprünglich war nämlich geplant, die Sendung zwischen Motto- und Entscheidungsshow laufen zu lassen. Durch den Wegfall des Sandwich-Sendeplatzes dürfte es für Geissen nun ganz sicher etwas schwerer werden.
Und auch "Großstadtliebe" bekommt es zum Auftakt nicht leicht gemacht. Schon in den vergangenen Wochen zeigte RTL am Sonntagvorabend so manche Schwäche - "Jugendliebe" verabschiedete sich vor wenigen Tagen mit einem neuen Negativ-Rekord von nur 11,3 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. Und nicht nur das: Die Vorstellung der "Großstadtliebe"-Kandidaten verzeichnete im November gerade mal 13,7 Prozent Marktanteil. Kaum zu glauben, dass die Quoten nun durch die Decke schießen werden.
Interessante Tage stehen auch Vox bevor: Am Sonntag holt der Sender seine Show "Shopping Queen" als Promi-Version ins Abendprogramm - doch abgesehen vom "Promi Dinner" taten sich in der Vergangenheit die meisten Formate auf diesem Sendeplatz eher schwer. Besser stehen die Chancen hingegen für "SOKO Familie": Die neue Scripted Reality, die am Montag auf dem Sendeplatz um 14:00 Uhr startet, wird sehr wahrscheinlich vom starken Vorlauf durch "Verklag mich doch!" profitieren können.
Unterm Strich wird sich Vox auf das nach wie vor populäre Scripted Reality-Genre verlassen können. Kuppelshows haben hingegen ihren Zenit überschritten - insofern wird es "Großstadtliebe" wohl mit Problemen zu tun bekommen.




21.04.2012 - 08:44 Uhr
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