Unterm Strich vom 20. Oktober
Das "Push"-Problem: Der Aufschwung blieb aus
102 Folgen lang hielt Sat.1 durch, nun ist Schluss: Bereits am Donnerstag strahlte Sat.1 die letzte Folge seines Vorabendmagazins "Push" aus. Dass der neue Geschäftsführer Nicolas Paalzow so kurzfristig die Reißleine griff, war durchaus überraschend - doch die Absetzung selbst verwundert nicht. Die Quoten sprachen nämlich eine eindeutige Sprache: Von Beginn an gelang es nicht, die Zuschauer für das Format zu begeistern. Im Schnitt wurden seit Ende Mai nur 6,3 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe gemessen. Für die Ansprüche von Sat.1 war das natürlich viel zu wenig, selbst wenn man das schwache Vorabend-Umfeld einkalkuliert.
Für den Todesstoß sorgte am Ende vermutlich nicht zuletzt die Tatsache, dass ein Quoten-Aufschwung bis zum Schluss ausblieb. Dass sich die letzte Folge am Donnerstag mit 1,53 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 6,7 Prozent in der Zielgruppe auf ähnlichem Niveau bewegte wie die erste Ausgabe vor gut fünf Monaten, unterstreicht diesen Eindruck noch zusätzlich. Erst wenige Tage vor Bekanntwerden der Absetzung musste sich "Push" gar mit gerade mal 4,3 Prozent zufriedengeben. Das war der schwächste Wert seit Ende Juli. Zwischenzeitliche Ausreißer mit bis zu 8,9 Prozent waren zu selten.
Langzeittrend: Push - das Sat.1-Magazin
Während "Push" also in Sat.1 durchweg miese Quoten verzeichnete, konnte sich das ProSieben-Boulevardmagazin "taff" kräftig steigern. Lag das Magazin im vergangenen Jahr meist unterhalb des Senderschnitts, so wurden in diesem Jahr bislang im Schnitt mehr als 12,4 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe gemessen - das liegt natürlich auch an der Sitcom-Schiene, die inzwischen bis 17 Uhr andauert und neue Zuschauer beisteuerte. Die nun zurückliegende Woche war für "taff" indes sogar eine der stärksten des Jahres, in der es sogar mehrfach gelang, das Vorprogramm zu toppen.
Mit 17,4 Prozent gab's für das Magazin am Donnerstag den besten Wert seit Mitte Juli - und das war damals immerhin der höchste Marktanteil seit rund vier Jahren. Einer der Gründe für den jüngsten Erfolg von "taff" liegt wohl in der nun geziegten Wochenserie "Rockin' Reeperbahn", die die Zuschauer offenbar ziemlich begeisterte. Doch auch schon vorher hat sich "taff" aus seiner Krise gerettet - für das Sat.1-Magazin "Push" kam dagegen jede Hilfe zu spät.
Was steht an?
Kaum ist das "Push"-Kapitel geschlossen, wird ein neues Kapitel begonnen - diesmal allerdings in der Primetime. Am Montag startet in Sat.1 die neue Krimiserie "Der Cop und der Snob", mit der der Sender nach Möglichkeit an die Erfolge von "Der letzte Bulle" anknüpfen möchte. Das ist auch bitter nötig, nachdem mit "Es kommt noch dicker" und "Auf Herz und Nieren" die ersten zwei von vier Serien-Neustarts kläglich scheiterten. Der Ausgang ist ungewiss, doch mit einer recht klassischen Krimi-Story dürfte die Fallhöhe nicht ganz so riesig sein.
Unterm Strich wird man bei Sat.1 nun hoffen, dass die Serien-Flops der vergangenen Wochen das Publikum nicht so sehr in die Arme der Konkurrenz getrieben haben, dass die Zuschauer gar nicht erst den Weg zurück antreten.




20.10.2012 - 14:47 Uhr
Tools
Social Networks